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Politik

Warnung vor Fehlinformationen in der Coronakrise

Montag, 18. Mai 2020

/PhotoSG, stock.adobe.com

Berlin – Die Bundesregierung hat eindringlich vor Fehlinformationen in der Coronakrise gewarnt. Diese könnten „le­bensbedrohliche Auswirkungen“ haben, erklärte die stellver­tre­tende Regierungsspreche­rin Ulrike Demmer heute.

„Völlig klar ist, dass eine kritische Öffentlichkeit, Kundgebungen, De­mons­trationen, De­batten, dass das alles zur Demokratie dazugehört“, sagte sie. Das gelte für alle Themen und auch in Zeiten der Pandemie. Man nehme dabei „Sorgen, Nöte und selbst­verständlich auch Kritik zu diesem Thema sehr ernst“.

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Kein Platz sei hingegen aus der Sicht der Bundesregierung für extremis­ti­sche Gedanken­gut, für falsche Informationen, für Mythen, für irreführende Gerüchte. „Wer falsche Erzäh­lun­gen zur Coronapandemie bewusst verbreitet, der will unser Land spal­ten und die Men­schen gegeneinander aufbringen“, so Demmer.

Im Internet, in Messengergruppen kursierten viele Unwahrheiten, Verschwörungstheo­ri­en, falsche Gesundheitstipps und Aufrufe zu Verstößen gegen die Schutzmaßnahmen oder die öffentliche Ordnung. Da­durch würden Menschenleben in Gefahr gebracht.

Jede Menge erfundene Geschichten

Demmer betonte erneut, dass es keine Impfpflicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geben wird. Zu Mi­crosoft-Gründer Bill Gates, den manche für einen Drahtzieher der Co­ronakrise halten, sagte sie: „Hier sind jede Menge erfundene Geschichten im Umlauf, die Menschen verun­sichern.“ Die Bill und Melinda Gates Stiftung habe zur Bekämpfung der Coronapandemie bislang 250 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. „Die Bundesre­gie­­rung schätzt die Arbeit der Stiftung ganz ausdrücklich.“

Die stellvertre­ten­de Regierungssprecherin rief dazu auf, Fakten bei verlässlichen Quellen zu prüfen. „Es liegt hier in unserer gemeinsamen Verantwortung, einen sachlichen öffent­lichen Diskurs über das Thema zu führen.“ Aus Unsinn könnten leicht Taten werden, wie Angriffe auf Journalisten bei Demonstrationen zeigten.

Für mehr „Rationalität in Zeichen der Unsicherheit“ plädierte jetzt auch der Verein demo­kratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) angesichts zunehmender Proteste gegen Corona­maß­nahmen und die Verbreitung von Verschwörungstheorien.

Entscheidungen nicht immer konsistent

„Die Maßnahmen, die von der Politik getroffen wurden, schränken zum Teil unsere Grund­rechte ein und sie sind nicht immer und überall logisch konsistent“, erklärten Thomas Kun­kel und Felix Ahls für den Vorstand des vdää. Der Verband plädiert daher für mehr Aufklä­rung und Rationalität – und nicht Verschwörungsglaube und einfachste Antworten auf komplexe Probleme.

Die Bedeutung von Fake News in der Coronapandemie zeigen auch internatio­nale Stu­dien, wie die der Wissenschaftler der Universität von Ottawa. Demnach ist jeder vierte Beitrag zum Thema auf der Plattform Youtube fehlerhaft war.

„Während der Coronakrise kann die Verbreitung falscher Nachrichten besonderen Scha­den anrichten, denn falsche Nachrichten über vermeintliche Heilmittel können Menschen zu gefährlichen Handlungen motivieren“, schreiben Wissenschaftler des Kompetenznetzes Public Health zu COVID-19. Viele Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie funktio­nier­ten nur, wenn sie von einem möglichst großen Teil der Bevölkerung umgesetzt wür­den.

Am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld hat jetzt eine neue Forschungsgruppe „Multimodale Rhetorik in der Onlinemedien-Kommunikation“ sei­ne Arbeit aufgenommen. Die Gruppe will computergestützte Analysewerkzeuge ent­wickeln, mit denen sich die Entwicklung von Nachrichten hin zu Falschnachrichten nach­verfolgen lässt.

„Soziale Medien verändern die Kommunikation der Menschen genauso wie die Verbrei­tung von Nachrichten. So können etwa radikale Positionen, die früher im privaten Raum geäußert wurden, heute über Social Media ein weltweites Publikum erreichen“, hieß es aus Bielefeld. © dpa/hil/aerzteblatt.de

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