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Medizin

PrEP: Intramuskuläre Cabote­gravir-Injektionen schützen effektiver vor HIV-Infektion

Montag, 18. Mai 2020

/thodonal, stock.adobe.com

Durham/North Carolina − Die intramuskuläre Injektion von Cabotegravir, die nur alle 8 Wochen wiederholt werden muss, hat in einer großen internationalen Studie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), besser vor einer Infektion mit dem HI-Virus geschützt als die tägliche Einnahme von Emtricitabin/Tenofovir, dem derzeitigen Standard für die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP).

Dies teilt der Hersteller anlässlich des vorzeitigen Abbruchs der Studie HPTN 083 mit. Die später begonnene Partnerstudie HPTN 084, die beide PrEP-Strategien bei Frauen aus Afrika mit einem erhöhten Infektionsrisiko vergleicht, soll vorerst weitergeführt werden.

Die PrEP gilt als wichtiger Baustein zur Eindämmung der HIV-Pandemie. In den USA wurde die orale Kombination aus Emtricitabin/Tenofovir bereits 2012 als Truvada zugelassen. Die Europäische Union folgte im August 2016. Truvada muss jedoch täglich eingenommen werden, was Menschen, die selbst nicht infiziert sind, schwer fallen könnte. Als Alternative bieten sich Injektionen eines Depotpräparates an, mit dem sich Risikopersonen über einen längeren Zeitraum vor einer Infektion schützen könnten.

Ein möglicher Kandidat ist der Integrase-Strangtransfer-Inhibitor Cabotegravir, der in einer speziellen Formulierung nur alle 8 Wochen intramuskulär injiziert werden muss. Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) hat zusammen mit den Herstellern in den letzten Jahren 2 randomisierte Studien begonnen, die vom HIV Prevention Trials Network (HPTN) mit Sitz in Durham/North Carolina organisiert wurden.

Cabotegravir wurde von ViiV Healthcare entwickelt, einem Joint Venture von GlaxoSmithKline, Pfizer und Shionogi, das sich auf Anti-HIV-Medikamente spezialisiert hat. Truvada wird von Gilead hergestellt.

An der HPTN 083-Studie (Phase 2/3) nahmen an 43 Zentren in Argentinien, Brasilien, Peru, Südafrika, Thailand, den USA und Vietnam ungefähr 4.600 MSM und Transgender-Frauen teil. An der HPTN 084-Studie nehmen 3.200 Frauen aus Botswana, Kenia, Malawi, Südafrika, Eswatini (früher: Swasiland), Uganda und Simbabwe teil, wo junge Frauen ein hohes Risiko auf eine HIV-Infektion haben.

In beiden Studien wurden intramuskuläre Injektionen mit Cabotegravir (oder Placebo) im Abstand von 8 Wochen mit der täglichen Einnahme von Placebo oder Emtricitabin/ Tenofovir verglichen.

Die HPTN 083-Studie (Phase 3), die im November 2016 begonnen worden war, wurde jetzt vorzeitig abgebrochen. In einer Zwischenauswertung hat sich herausgestellt, dass es in der Cabotegravir-Gruppe zu 69 % weniger Neuinfektionen gekommen war.

Das 95-%-Konfidenzintervall von 41 bis 84 % war signifikant, was eine Fortsetzung ethisch nicht mehr vertretbar erscheinen ließ. Außerdem hat es dem Vernehmen nach in den letzten Wochen Schwierigkeiten gegeben, die Studie vor dem Hintergrund der COVID-19-Epidemie fortzusetzen.

Eine Publikation der Ergebnisse steht noch aus. Nach den Angaben in der Presse­mitteilung des Herstellers ist es in den ersten3 Jahren zu 50 HIV-Neuinfektionen gekommen. Davon entfielen nur 12 Infektionen auf den Cabotegravir-Arm und 38 Infektionen auf den Emtricitabin/Tenofovir-Arm. Die HIV-Inzidenzrate betrug in der Cabotegravir-Gruppe 0,38 % (0,20 bis 0,66 %) gegenüber 1,21 % (0,86 bis 1,66 %) in der Emtricitabin/Tenofovir-Gruppe.

Der Vorteil wurde erzielt, obwohl die Adhärenz der oralen PrEP offenbar gut war. In den Stichproben lag die Plasmakonzentration von Tenofovir zu 87 % über 0,31 ng/ml. Dass es dennoch in der Cabotegravir-Gruppe zu weniger HIV-Infektionen kam, spricht für eine pharmakologische Überlegenheit des Integrase-Strangtransfer-Inhibitors. Das primäre Ziel der Studie, der Nachweis einer Non-Inferiorität, war damit mehr als erfüllt.

In der HPTN 084-Studie, die erst im November 2017 begonnen wurde, war bei der Zwischenauswertung noch kein eindeutiger Trend erkennbar. Die Studie soll deshalb vorerst weitergeführt werden.

Die Verträglichkeit von Cabotegravir wird als gut beschrieben. Die häufigsten Neben­wirkungen scheinen Schmerzen oder eine Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle zu sein, über die 80 % der Teilnehmer berichteten. Bei 2 % kam es deshalb zum Abbruch der Therapie. Von den Teilnehmern, die wirkstofffreie Injektionen erhalten hatten, berichteten nur 31 % über Lokalreaktionen an der Injektionsstelle. In dieser Gruppe gab es deswegen keine Therapieabbrüche.

Cabotegravir kann in Kombination mit Rilpivirin auch zur Behandlung einer HIV-Infektion eingesetzt werden. Die Effektivität einer monatlichen intramuskulären Injektion wurde in 2 Phase-3-Studien gezeigt, deren Ergebnisse im letzten Jahr vorgestellt wurden.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat im Dezember 2019 eine Zulassung dennoch abgelehnt. Die Gründe beziehen sich nach Angaben des Herstellers auf die „chemische Herstellung“ und auf „Kontrollen“. Der Hersteller will aufgrund der jetzigen Ergebnisse eine Zulassung in der Indikation PrEP stellen. © rme/aerzteblatt.de

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