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Medizin

Kaum Daten zur Therapie von COVID-19-Patienten mit Blutplasma von genesenen Patienten

Mittwoch, 20. Mai 2020

/picture alliance, Ina Fassbender

Freiburg – Bekanntlich könnte Plasma aus einer Blutspende von Patienten, die bereits eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, solchen Patienten helfen, die gerade an der Infektion leiden.

Aber ein gerade erschienener sogenannter Cochrane Rapid Review (DOI 10.1002/14651858.CD013600) zu Wirksamkeit und Risiken des Therapieansatzes findet laut den Autoren vor allem eines: „Einen Mangel an vertrauenswürdiger Evidenz“. Allerdings identifizierten die Autoren eine Reihe noch laufender Studien, deren Ergebnisse diese Evidenzlücke in absehbarer Zeit schließen könnten.

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Für die Plasmatherapie nutzen Ärzte entweder direkt das zellfreie Blutplasma („Rekonva­leszenten-Plasma“) oder verwenden ein sogenanntes Hyperimmunserum mit einer besonders hohen Konzentration von Antikörpern, das aus Plasmaspenden gewonnen wird.

Die Autoren des Cochrane Rapid Review haben für ihre Übersicht systematisch wichtige medizinische Datenbanken nach klinischen Studien zur Behandlung mit Rekonvaleszenten-Plasma oder Hyperimmunserum für Patienten mit COVID-19 durchsucht. Sie fanden aber lediglich 8 abgeschlossene Studien mit nur 32 Teilnehmern.

Die Aussagekraft war nicht nur wegen der geringen Teilnehmerzahl stark eingeschränkt. So wurden Teilnehmer in keiner dieser Studien nach dem Zufallsprinzip in verschiedene Behandlungsgruppen aufgeteilt, sie waren also nicht randomisiert. Zudem enthielt keine der Fallserien eine Vergleichsgruppe von Personen, die ohne Rekonvaleszenten-Plasma behandelt wurden, also keine Vergleichgruppen. Außerdem erhielten die Teilnehmer in den Studien neben der Plasmatherapie unterschiedliche weitere Behandlungen, was den Vergleich der Studienergebnisse zusätzlich erschwert.

„Zusammenfassend bedeuten die Informationen aus den zum Stand Ende April 2020 verfügbaren Studien, dass wir immer noch sehr unsicher sind, ob die Verwendung von Rekonvaleszenten-Plasma Patienten mit COVID-19 hilft und wie sicher diese Therapie ist“, erklärt Co-Autorin Nicole Skoetz, die an der Uniklinik Köln das für den Review zuständige Cochrane-Netzwerk „Cochrane Cancer“ leitet.

Dies bedeutet aber nicht, dass die Wirksamkeit einer Plasmatherapie gegen COVID-19 damit widerlegt wäre. „Die Forschung auf diesem Gebiet läuft auf Hochtouren. Wir haben etwa 50 laufende Studien identifiziert, von denen 22 randomisierte Studien mit hoher Aussagekraft sind. 16 dieser Studien sollen noch im Laufe dieses Jahres abgeschlossen sein“, erklärt Vanessa Piechotta, wissenschaftliche Mitarbeiterin in Skoetz‘ Arbeitsgruppe und weitere Co-Autorin des Reviews.

Cochrane Rapid Reviews wie dieser werden in einem beschleunigten Verfahren erstellt, das bei besonders dringlichen Fragestellungen die bestmögliche Balance zwischen Geschwindigkeit und methodischer Genauigkeit sicherstellen soll. © hil/aerzteblatt.de

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Meusemi2
am Mittwoch, 20. Mai 2020, 17:57

Therapie mit Blutplasma

Bisher sind wohl überwiegend schwerkranke behandelt worden.
Ein Therapieeffekt ist aber nur am Anfang der Infektion zu erwarten, da dann die Virusvermehrung gebremst werden kann, die später, dh. nach Tag 7 vermutlich keine bedeutsame Rolle mehr spielt.
Blutplasma wüder also sinnvoll und nützlich bei Pat. über Alter 65 am beginn der Infektion sein.
LG Dr Meusers, Herdecke
LNS

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