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Medizin

COVID-19-Folgen: Weniger Herzinfarktpatienten und geringere Impfquote

Mittwoch, 20. Mai 2020

/PhotobyTawat, stock.adobe.com

Oakland/Kalifornien und Philadelphia − Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 meiden Patienten notwendige und sinnvolle Arztbesuche. In Kalifornien hat sich laut einem Bericht im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMc2015630) die Zahl der Klinikbehandlungen aufgrund eines akuten Herzinfarkts halbiert. In Michigan ist laut Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2020; DOI: 10.15585/mmwr.mm6920) die Zahl der Impfungen bei Säuglingen eingebrochen.

An den Kliniken von Kaiser Permanente, einer Health Maintenance Organisation im Norden Kaliforniens mit 4,4 Millionen Versicherten, wurden bis zum 3. März des Jahres pro Woche 100 bis 130 Patienten mit einem akuten Herzinfarkt versorgt. Nach dem ersten Todesfall an COVID-19 am 4. März kam es innerhalb einer Woche zu einem plötzlichen Rückgang auf 83 Fälle, in der ersten Aprilwoche wurden nur noch 61 Patienten wegen eines Herzinfarktes aufgenommen. Die Inzidenzrate halbierte sich von 4,1 auf 2,1 pro 100.000 Personen pro Woche.

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Die Rückgänge betrafen nicht nur die leichteren Nicht-ST-Hebungsinfarkte, bei denen nur relativ wenig Myokard zerstört wird. Matthew Solomon vom Oakland Medical Center ermitteln hier eine relative Inzidenzrate von 0,51 (95-%-Konfidenzintervall 0,38 bis 0,68). Auch die Zahl der ST-Hebungsinfarkte (STEMI) war mit einer relativen Inzidenzrate von 0,60 rückläufig, auch wenn das 95-%-Konfidenzintervall von 0,33 bis 1,08 hier das Signifikanzniveau verfehlt. Ein STEMI geht in der Regel mit starken Beschwerden einher, der auch in Coronazeiten zu einem Notruf führen sollte.

Die Zahlen bestätigen allerdings den Eindruck, den viele Ärzte seit Beginn der COVID-19-Epidemie haben. Patienten vermeiden auch in lebensgefährlichen Situationen einen Arztbesuch (oder den Transport in die Notfallaufnahme), weil sie befürchten, sich dort anzustecken. Dass das Sterberisiko bei einem akuten koronaren Ereignis ungleich größer ist, wird dabei ausgeblendet.

Eine andere Folge von COVID-19 ist ein Rückgang der Impfung im Kindesalter, wie Angela Shen von Children’s Hospital of Philadelphia für den Bundesstaat Michigan zeigt. Dort hatten in der Vergangenheit 2/3 aller Kinder in den ersten 5 Lebensmonaten alle empfohlenen Impfungen erhalten.

Nachdem der Staat am 23. März eine „stay-at-home“-Anordnung veröffentlichte, haben viele junge Mütter auf den Arztbesuch verzichtet, obwohl dies nicht verboten war. Die Impfquote ging in den ersten Maiwochen auf 49,7 % zurück. Von den Medicaid-Begünstigten, also den sozial benachteiligten Gruppen, ließen nur 34,6 % ihre Säuglinge impfen.

Die sinkenden Impfquoten machten sich auch bei den 16 Monate alten Kindern bemerkbar. Statt 76,1 % im Vorjahr erhielten nur noch 70,9 % eine Masern-Impfung. Damit hat sich die Impfquote noch weiter von den 93 bis 95 % entfernt, die bei den hochansteckenden Masern für eine Herdenimmunität benötigt werden. Mit der Aufhebung der Kontaktsperren, die in den USA in den nächsten Wochen erwartet wird, könnte es deshalb durchaus zu einer zweiten Epidemie kommen. © rme/aerzteblatt.de

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