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Internisten zeigen eigene Rolle in NS-Zeit

Mittwoch, 20. Mai 2020

/dpa

Wiesbaden – Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) zeigt ab sofort im Internet Forschungsergebnisse zur Aufarbeitung ihrer Vergangenheit in der NS-Zeit. Die Erkenntnisse von Historikern seien in den fünf Kategorien „Medizinisches Unrecht“, „Un­terdrückung“, „Emigration“, „Täterschaft“ und „Widerstand“ aufgegliedert, teilte die DGIM heute in Wiesbaden mit.

Lebensbeschreibungen erzählten „von Tätern und Opfern in der Zeit der nationalsozialis­ti­schen Herrschaft im Umfeld der Fachgesellschaft“. Erinnert werde zudem an verfolgte Mitglieder ebenso wie an „Misshandlung, Demütigung, Deklassierung, aber auch an Wi­derständige gegen das NS-Regime“.

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Präsentiert werden zu individuellen Schicksalen bio­grafische Texte, Fotos, zeitgenössi­sche Filme, in Radio und Fernsehen ausgestrahlte Do­kumentationen sowie Zeitzeugen­interviews.

1932, im letzten Jahr der Weimarer Republik, feierte die Fachgesellschaft der Internisten mit ihren damals 1.223 Mitgliedern ihr 50-jähriges Bestehen. In den folgenden Jahren ver­lor sie den Angaben zufolge unter der NS-Diktatur etwa ein Fünftel dieser Mitglieder.

Mindestens 230 jüdische Ärzte wurden demnach aus Deutschland vertrieben und emi­grierten, mindestens 36 seien vom NS-Regime ermordet worden. Mehrere Verfolgte seien in den Suizid getrieben worden. „Nur wenige Internisten gingen in Opposition und Wider­stand“, hieß es.

Ergebnisse jahrelanger Forschungsarbeiten würden nun für ein breites Publikum zugäng­lich. Die DGIM hatte die Medizinhistoriker Hans-Georg Hofer aus Münster und Ralf Fors­bach aus Köln beauftragt.

Ihre Ergebnisse seien bereits in einer Ausstellung während des Internistenkongresses im Jahr 2015 in Mannheim und in einer umfangreichen Abhandlung 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Mit der Website schaffe man nun „größtmögliche Transparenz“, so DGIM-Generalsekretär Georg Ertl. © kna/aerzteblatt.de

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