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Medizin

COVID-19: Hohe Sterberate unter Intensivpatienten in New York

Mittwoch, 20. Mai 2020

/Nekrasov, stock.adobe.com

New York − Auch in optimal ausgerüsteten Kliniken verlaufen COVID-19-Erkrankungen häufig tödlich. An 2 Kliniken in Manhattan starb mehr als 1/3 aller Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Zu den häufigen Komplikationen gehörte laut einer Kohortenstudie im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31189-2) neben einem Lungen- auch ein Kreislauf- oder Nierenversagen.

Das Milstein Hospital mit 700 Betten und das Allen Hospital mit 230 Betten gehören zu den am besten ausgerüsteten Kliniken Manhattans. Die Kliniken verfügen über mehrere Geräte zur extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) und zusammen über 129 Intensivbetten, deren Zahl während der COVID-19-Epidemie auf 282 gesteigert werden konnte.

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Nach Beginn der Epidemie Anfang März gerieten die Kliniken dennoch an die Grenzen ihrer Kapazität. Von 1.150 Patienten mit COVID-19, die bis zum 1. April aufgenommen wurden, mussten 257 intensivmedizinisch betreut werden. Davon benötigten 203 Patienten (79 %) eine invasive mechanische Beatmung. Bei 6 Patienten (3 %) wurde eine ECMO durchgeführt.

Doch das Lungenversagen (ARDS) war nicht das einzige Problem der Patienten. Insge­samt 170 Patienten (66 %) benötigten wegen eines Kreislaufversagens Vasopressoren. Bei 79 Patienten (31 %) wurde wegen eines akuten Nierenversagens eine Nierenersatz­behandlung notwendig. Die Kliniken gerieten hier laut dem Bericht von Max O’Donnel von der Mailman School of Public Health an die Grenzen ihrer Kapazitäten.

Trotz der Maximalversorgung – zu der bei 185 Patienten (72 %) die Behandlung mit Hydroxychloroquin und bei 23 Patienten (9 %) Remdesivir gehörte – überlebten 101 Patienten (39 %) die Erkrankung nicht. Weitere 94 Patienten (37 %) waren Ende April noch in der Klinik, so dass die Mortalität noch weiter ansteigen könnte.

Der wichtigste Risikofaktor für einen tödlichen Ausgang war mit einer adjustierten Hazard Ratio (aHR) von 2,94 (95-%-Konfidenzintervall 1,48 bis 5,84) eine chronische Lungen­erkrankung in der Vorgeschichte. Es folgten chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (aHR 1,76; 1,08 bis 2,86), ein höheres Alter (aHR 1,31; 1,09 bis 1,57 pro 10 Lebensjahre), eine höhere Konzentration von Interleukin 6 (aHR 1,11; 1,02 bis 1,20 pro Anstieg um 10 %) sowie ein erhöhter D-Dimer-Wert (aHR 1,10; 1,01 bis 1,19 pro 10 %) jeweils bei der Aufnahme. Männer hatten ein gleich hohes Sterberisiko wie Frauen.

Die Assoziation mit Interleukin 6 spricht für eine starke Aktivierung des Immunsystems im Sinne eines Zytokinsturms. Der relativ seltene Einsatz von Antagonisten wie Anakinra (44 Patienten, 17 %) deutet darauf hin, dass die Intensivmediziner dieses Problem unterschätzt haben. Keine Angaben werden zur Antikoagulation gemacht. Auch das erhöhte Thromboserisiko scheint die Mediziner wie andernorts überrascht zu haben. © rme/aerzteblatt.de

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