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Medizin

Impfstoffe aus genetisch abgeschwächten Parasiten sollen vor der Malaria schützen

Mittwoch, 10. Juni 2020

/pixelaway, stock.adobe.com

Nijmegen − 2 neue Malaria-Impfstoffe, die aus lebenden, aber genetisch abgeschwächten Parasiten bestehen, haben sich in 2 Phase-1-Studien in Science Translational Medicine (2020; 12: eaaz5629 und eaay2578) als sicher erwiesen, aber nur eine begrenzte Schutzwirkung erzielt.

Noch immer sterben überwiegend in Afrika jedes Jahr etwa 435.000 Menschen an der Malaria. Die meisten Todesopfer sind Kinder, bei denen die Schutzwirkung des ersten effektiven Malaria-Impfstoffs RTS,S/AS01, der demnächst als Mosquirix zum Einsatz kommen soll, begrenzt ist. Die Experten sind sich deshalb einig, dass weitere Impfstoffe benötigt werden.

2 mögliche Kandidaten wurden in den letzten Jahren in den Niederlanden an gesunden Probanden getestet. Beide Impfstoffe bestehen (im Gegensatz zu RTS,S/AS01, nur aus Teilen des Circumsporozoit-Proteins des Parasiten enthält) aus lebenden Parasiten, deren Erbgut jedoch verändert wurde.

Der Impfstoff PbVac, den Isaie Reuling von der Radboud Universität in Nijmegen und Mitarbeiter getestet haben, basiert auf dem Malariaparasiten Plasmodium berghei (Pb), der Nagetiere infiziert, aber beim Menschen keine Malaria verursacht. Der Parasit wurde genetisch so umgebaut, das auf seiner Oberfläche das Circumsporozoit-Protein (CSP) von Plasmodium falciparum (Pf) gebildet wird, dem wichtigsten Malaria-Erreger beim Menschen.

In einer klinischen Studie wurden 18 Probanden den Stichen von Mücken ausgesetzt, die vorher mit PbVac infiziert wurden. Die erste Gruppe ließ sich 5 Mal, die zweite 25 Mal und die dritte 75 Mal von den Mücken stechen. Mit den Stichen gelangen die genetisch modifizierten Parasiten in die Blutbahn der Probanden. Dort wird das Immunsystem auf die Parasiten aufmerksam und bildet eine Immunreaktion. Nach der Hoffnung der Forscher sollten darunter auch Antikörper gegen das Malaria-Protein CSP sein.

Die Infektion mit dem genetisch modifizierten Parasiten, der keine dauerhafte Malaria auslöst, wurde von den Probanden gut toleriert. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Übelkeit und Unwohlsein.

Eine Gruppe von 6 Probanden wurde danach von Mücken gestochen, die mit den „echten“ für den Menschen gefährlichen Parasiten (Plasmodium falciparum) infiziert waren. Eine Malaria-Infektion konnte der Impfstoff zwar nicht verhindern. Die Zeit bis zur Parasitämie konnte jedoch um 2,2 Tage hinausgezögert werden, und die Zahl der Parasiten (in einem PCR-Test) war um den Faktor 12,8 niedriger.

Die Probanden wurden später durch Medikamente von der Malaria geheilt. Die Blutuntersuchungen der Probanden zeigten, dass das Immunsystem tatsächlich eine Immunabwehr erzeugt hatte.

Der zweite Impfstoff stammt von der US-Firma Sanaria aus Rockville im US-Staat Maryland, die 2003 speziell zur Entwicklung eines Malariaimpfstoffes gegründet wurde. Die Forscher dort haben die Gene „slarp“ und „b9“ aus dem Genom von Plasmodium falciparum entfernt. Dadurch verliert der Parasit die Fähigkeit, sich in der Leber von Sporozoiten in Merozoiten zu verwandeln, die dann die Erythrozyten befallen.

Der Impfstoff wurde in Leiden und Nijmegen an 67 Freiwilligen getestet. Der Impfstoff erwies sich als sicher. Keiner der Probanden erkrankte an einer Malaria. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Müdigkeit/Unwohlsein. Hinzu kam der Schmerz bei der Applikation des Impfstoffs, die intravenös erfolgte.

Nach 3 Impfdosen wurden die Probanden absichtlich durch Mückenstiche mit den natürlichen Malaria-Parasiten infiziert. In 3 Fällen konnte eine Malaria verhindert werden, bei den anderen kam es zu einer Erkrankung, doch wie in der anderen Studie konnte die Dauer bis zum Auftreten der Parasiten im Blut um mehrere Tage hinausgezö­gert werden. Wie beim ersten Impfstoff wurde eine gewisse Immunreaktion erzielt.

Durch den inkompletten Schutz, sind die beiden Impfstoffe nicht für die breitere Anwendung geeignet. Die Forscher glauben allerdings, dass sie auf dem richtigen Weg sind und wollen die Entwicklung der Impfstoffe fortsetzen. © rme/aerzteblatt.de

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