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Sterblichkeit lag Ende April geringfügig über dem Durchschnitt

Dienstag, 26. Mai 2020

/MQ-Illustrations, stock.adobe.com

Berlin – Das Bundesamt für Statistik in Wiesbaden hat eine „Sonderauswertung zu Ster­be­fallzahlen des Jahres 2020“ vorgenommen und Vergleichsdaten veröffentlicht. Dies soll helfen, die Fragen nach den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Gesamtzah­len der Sterbefälle in Deutschland klarer zu beantworten, wie das Amt begleitend zur Ver­öffentlichung schreibt.

In die neue Auswertung sind die vorläufigen Auszählungen von Sterbefallmeldungen der Standesämter tagesgenau als Sonderauswertung eingegangen – und zwar aktuell bis zum 26. April 2020. Verglichen wurde einerseits mit dem Durchschnitt der Jahre von 2016 bis 2019. Andererseits wurde zum Beispiel auch das Jahr 2018 gesondert dargestellt, wo­raus ersichtlich wird, welchen großen Einfluss auch eine Grippewelle im Winterhalbjahr auf die Sterbestatistik haben kann.

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Aus den Daten lässt sich ablesen, dass die Sterbefallzahlen seit der letzten Märzwoche über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 gelegen haben. Diese Abweichung nach oben war in der 15. Kalenderwoche (6. bis 12. April) bisher am größten.

In der 16. und 17. Kalenderwoche sind die Sterbefallzahlen im Vergleich zur Vorwoche zwar wieder deutlich gefallen und liegen noch immer leicht über dem Durchschnitt der Vorjahre. Für die Woche vom 20. bis zum 26. April (17. Kalenderwoche) betrug die erhöhte Sterberate insgesamt 3 Prozent mehr.

Erkennbar wird aber auch, dass im Jahresverlauf die Sterbefallstatistik von den typischen Schwankungen einer Grippewelle in den Wintermonaten bis zum Frühjahr stark beein­flusst wird. Das zeigt der Vergleich der Vorjahre deutlich. Denn im März 2019 starben etwa 86.400 Menschen, das Jahr davor – während der heftigen Grippesaison im Frühjahr 2018 – waren es im März 107.100 Todesfälle.

Auch ohne die Coronapandemie können die Sterbefallzahlen mithin in der typischen Grippezeit stark variieren. Davon sind zuallererst die Sterbefallzahlen in den höheren Alterskohorten ab 65 Jahren betroffen.

Was die Kurve auch zeigt: Im Vergleich zu den Vorjahren waren die Folgen der Grippe­welle im Jahr 2020 den vorläufigen Sterbefallzahlen zufolge äußerst gering ausgeprägt. Im Januar 2020 starben nach der derzeit vorliegenden Auszählung 85.150 Menschen. Im Februar 2020 waren es 79.600 Personen. Auch im März 2020 mit insgesamt mindestens 86.600 Sterbefällen ist bei einer monatsweisen Betrachtung kein auffälliger Anstieg der Sterbefallzahlen im Vergleich zu den Vorjahren erkennbar.

Augenfällig ist auch ein Vergleich zweier Kalenderwochen: So starben in der Kalenderwo­che 10 (Höhepunkt der Grippewelle 2018) im Jahr 2018 insgesamt 26.777 Menschen in Deutschland, im Jahr 2020 waren es 19.501, im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 waren es 21.288.

Betrachtet man die Kalenderwoche 14 (vorläufiger Höhepunkt der Sterblichkeit zu Zeiten der Coronapandemie) so starben 20.038 Menschen im Jahr 2018 und 20.368 Menschen im Jahr 2020, der Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 lag bei 18.480.

Im Jahr 2018 hat somit die Grippewelle auf ihrem Höhepunkt zu einer Übersterblichkeit im Vergleich zu den Vorjahren von knapp 5.500 Toten in einer Woche geführt, während die Abweichung zu den Vorjahren während der Coronapandemie in einer Woche weniger als 2.000 betragen hat.

Schließlich lassen die Kurven im Jahresverlauf erkennen, dass ebenfalls eine Hitzewelle (hier die von 2018) zu einer im Vergleich des Durchschnitts der Jahre zuvor erheblichen Übersterblichkeit führen kann. Zahlen der John Hopkins University zufolge sind aktuell bundesweit mehr als 8.300 Menschen im Zusammenhang mit dem Erreger SARS-CoV-2 gestorben.

In Sachen Methodologie macht das Statistische Bundesamt darauf aufmerksam, dass sich die Zahlen noch leicht verändern können. Bei den vorläufigen Daten handele es sich um eine reine Fallzahlauszählung der eingegangenen Sterbefallmeldungen aus den Standes­ämtern ohne die übliche Plausibilisierung und Vollständigkeitskontrolle.

Aktuelle Aussagen zur Zahl der Sterbefälle seien erst mit einem Verzug von etwa vier Wo­chen möglich. Durch die verzögerten Meldungen könnten sich die ersten Ergebnisse für das Jahr 2020 noch einmal leicht erhöhen. Die Sonderauswertung wird derzeit wöchent­lich aktualisiert. © mls/aerzteblatt.de

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