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Magnetresonanz­tomografie: Gadolinium aus Kontrastmitteln gelangt zunehmend in die Umwelt

Donnerstag, 11. Juni 2020

/picture alliance, imageBROKER

Tokio − Das in Kontrastmitteln für die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzte Metall der seltenen Erden Gadolinium gelangt über die Abwässer in die Umwelt. In Tokio, der Hauptstadt des Landes mit der weltweit höchsten Dichte an MRT-Geräten, ist die Belastung in den letzten beiden Jahrzehnten um mehr als das 5-fache gestiegen, was japanische Forscher im Marine Pollution Bulletin (2020; 154: 111148) für bedenklich halten.

Gadolinium wird aufgrund seiner magnetischen Eigenschaften häufig als MRT-Kontrastmittel eingesetzt. Da das Metall hoch-toxisch ist, werden Chelatkomplexe verwendet, in denen Gadolinium fest gebunden ist. Die Chelate werden nach der Untersuchung über die Nieren ausgeschieden, weshalb Gadolinium lange als völlig unbedenklich eingestuft wurde. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert.

Bei Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion kann es zu Ablagerung von Gadolinium im Gewebe kommen, wo sich das Metall aus den Chelaten lösen und das Gewebe schädigen kann. Dies kann zu einer nephrogenen systemischen Fibrose führen mit deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität.

Die Arzneimittelbehörden haben deshalb in den letzten Jahren die Verwendung von Gadolinium-Kontrast­mitteln eingeschränkt und einige Mittel mit sogenannten linearen Chelaten ganz verboten.

Mit dem Urin gelangt Gadolinium in die Abwässer. Klärwerke sind derzeit nicht in der Lage, die seltene Erde zu entfernen. Damit wird das Metall in die Umwelt und damit auch ins Grundwasser geleitet. Vor allem in Orten, die ihr Trinkwasser durch die Filtration von Flusswasser gewinnen, sind die Konzentrationen erhöht.

Eine Untersuchung der Bremer Jacobs Universität hat Gadolinium im letzten Jahr in einer Untersuchung sogar in den Softdrinks einer bekannten Fast-Food-Kette gefunden (Science of The Total Environment (2019; 687: 1401-1408).

Auch hier ist Gadolinium vermutlich unschädlich, solange das Metall an Chelate gebunden ist. Forscher der Tokyo Metropolitan University weisen jedoch darauf hin, dass sich Gado­linium unter dem Einfluss von UV-Licht aus den Chelaten lösen kann und dann wieder in der natürlichen, toxischen Form vorliegt.

Nach Ansicht von Kazumasa Inoue und Mitarbeitern kann die Gadolinium-Belastung der Umwelt deshalb nicht per se als unbedenklich eingestuft werden. Die Untersuchungen der Forscher zeigen, dass die Konzentrationen in den Abwässern vor allem in Großstädten in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind.

In Tokio wurden in den einzelnen Klärwerken Gadolinium-Konzentrationen zwischen 0,1 und 138,8 ppt („part per trillion“) gemessen. Ob diese Belastungen Natur und Umwelt schaden, ist derzeit unbekannt. Weitere Untersuchungen sind nach Ansicht der Forscher jedoch notwendig, da sich die anthropogene Exposition mit Gadolinium in den letzten 22 Jahren um den Faktor 5,0 bis 6,6 erhöht habe.

Die Konzentration dürfte in den nächsten Jahren weiter steigen, weil der Bedarf an MRT-Untersuchungen vermutlich weiter ansteigen wird, schreiben die Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #639543
SnakeOil
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 19:27

Kraut und Rüben

Hier wird leider einiges durcheinander geworfen.
Die Behörden haben lineare Gd-haltige Kontrastmittel nicht wegen der bei Niereninsuffizienten auftretenden nephrogenen systemischen Fibrose verboten. Die ist, bei bestimmungsgemäßem Einsatz (Höchstdosis und GFR beachten), kein Thema mehr. Es gibt seit Jahren keinen dokumentierten Fall mehr. Der Widerruf der Zulassung für die meisten linearen Gd-haltigen Kontrastmittel durch die EMA 2018 beruht auf der Beobachtung von Gd-Ablagerungen im Gewebe (z.B. im Gehirn) bei Nierengesunden. Die Bedeutung dessen ist allerdings noch völlig unklar. Die FDA hat deswegen diesen Schritt noch nicht vollzogen. Das Internet dagegen ist voll mit (pseudo)wissenschaftlichen Aussagen zur "Gd deposition disease". Das von Chuck Norris 2017 gegen einen KM-Hersteller angestrengte Verfahren wegen V.a. Gd-Vergiftung seiner Frau wurde von ihm 2018 eingestellt. Fazit: Ja, jede KM-Gabe muss wohlüberlegt und medizinisch begründet sein, ist aber bei einigen Untersuchungen (z.B. Mamma-MRT) unverzichtbar.
LNS

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