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Lungenultraschall erlaubt schnelle Verlaufskontrolle bei COVID-19

Dienstag, 26. Mai 2020

/picture alliance, Dirk Waem, BELGA

Berlin – Die mit Luft gefüllte Lunge gilt eigentlich als schlecht sonografierbar. Für die Einschätzung sowie Verlaufskontrolle von COVID-19-Patienten in der Notaufnahme und auf der Intensivstation erweist sich der Lungenultraschall jedoch in den vergangenen Wochen zunehmend als unverzichtbar.

Im Vergleich zu anderen Lungenerkrankungen „lassen sich die typischen peripheren Verdichtungen, die bei einer COVID-19-Infektion auftreten, zuverlässig erfassen und im Verlauf sonografisch beurteilen“, sagte Dirk-André Clevert, Leiter des Interdisziplinären Ultraschall-Zentrums im Klinikum der Universität München-Großhadern bei einer virtu­ellen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschallmedizin (DEGUM).

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Rund 7,6 Prozent aller COVID 19-Erkrankten werden intensivmedizinisch behandelt. Grund dafür ist meist die durch SARS-CoV-2 ausgelöste Pneumonie. Sie kommt schlei­chend, bleibt lange unbemerkt, kann dann aber innerhalb von wenigen Stunden zu schwe­ren Atemproblemen führen, die eine sofortige Behandlung auf der Intensivstation erfordern.

„Die Veränderungen der Lunge müssen bei den Intensivpatienten regelmäßig überprüft werden“, erklärte Josef Menzel, Direktor der Medizinischen Klinik II im Klinikum Ingol­stadt und Neupräsident der DEGUM. „Neben der klinischen Überwachung bedarf es einer regelmäßigen Bildgebung, um das Krankheitsbild besser zu beurteilen und recht­zeitig die richtigen Schritte einzuleiten.“

Auf der Intensivstation könne aber nur der konventionelle Röntgenthorax oder der Lun­genultraschall angeboten werden – die Computertomografie (CT) steht in der Regel auf den Intensivstationen nicht zur Verfügung.

„Somit müssten die schwerstkranken Patienten mit aufwendigen Lagerungs- und Trans­port­maßnahmen zum CT gebracht werden“, erläuterte Clevert, der bei der DEGUM die Sektion Radiologie leitet. Da sowohl der Transport als auch die Umlagerung für diese sehr instabilen Patienten unzumutbar seien, könne zumeist auf eine CT-Bildgebung nicht zurückgegriffen werden.

Der Lungenultraschall dagegen sei unkompliziert, strahlungsfrei, direkt am Intensivbett einsetzbar und könne beliebig oft wiederholt werden, sagte Menzel. Erfahrungen der ver­gangenen Wochen zeigten, dass die Veränderungen der Lunge mit einem Ultraschall fast genauso gut erkennbar seien wie im CT. „Das Zusammenspiel aus der klinischen Sympto­matik und den erfassten sonografischen Pathologien ermöglicht eine verbesserte Ein­schätzung über den Verlauf der Erkrankung.“

Die Bedeutung des Ultraschalls der Lunge wurde lange unterschätzt, es galt – so Menzel – die Vorstellung, dass lufthaltige Organe nicht sonografiert werden können. Hier sei ein Paradigmenwechsel erforderlich.

„Bei Atemnot sollte nicht reflexartig einen Röntgen­thorax oder falls vorhanden ein CT angefordert werden.“ Dies gelte auch für die Notaufnahme. „Bedenkt man, wie lange ein Patient in einer Notaufnahme auf eine Röntgen- oder CT-Untersuchung warten muss, so liegt auch der Zeitvorteil des Ultraschalls klar auf der Hand“, erklärte er.

„Der Lungenultraschall ermöglicht direkt vor Ort und in Echtzeit einen Blick auf die Lun­ge des Patienten zu werfen“, sagte Konrad Friedrich Stock, Oberarzt im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.

Eine standardisierte Anleitung für die Durchführung eines Lungenultraschalls bei COVID-19-Patienten hat die DEGUM bereits im April herausgegeben. Sie hilft „sowohl Anfängern als auch Profis dabei, zeitsparend und standardisiert Lungenultraschallbefunde zu erhe­ben und zu dokumentieren“, so Stock.

Bis auf einige retrospektive Analysen kleiner Fallzahlen aus China und Italien ist die wissenschaftliche Evidenz zum Lungenultraschall bei COVID-19 derzeit noch gering. Eine Multicenterstudie soll mehr Daten liefern. Basierend auf dem Lungenultraschallprotokoll der DEGUM startet die Registerstudie zunächst an der TU München, weitere Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen folgen. © nec/aerzteblatt.de

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