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Medizin

Studie im Rhein-Main-Gebiet zeigt geringe Durchseuchung mit SARS-CoV-2

Dienstag, 26. Mai 2020

/picture alliance, Matthieu Botte, MAXPPP

Wiesbaden − Die Zahl unerkannter Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 ist im Rhein-Main-Gebiet offenbar relativ gering. Das legt eine neue Studie nahe, die heute in Wiesbaden vorgestellt wurde (MedRxiv, 2020. DOI: 10.1101/2020.05.20.20107730). Demnach wurden von 1.000 Studienteilnehmern 6 positiv getestet, 4 davon wussten nichts von ihrer Infektion.

„Unsere Ergebnisse sprechen für eine geringere Infektionsrate in der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet als in anderen Regionen Deutschlands“, sagte Sandra Ciesek, Direktorin der Medizinischen Virologie des Universitätsklinikums in Frankfurt.

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Die Studie, die zusammen mit dem Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg erstellt wurde, ist nicht repräsentativ. Untersucht worden waren Mitte April 1.000 Mitarbeiter von Infraserv, dem Standortbetreiber des Industriepark Höchst in Frankfurt. Kinder und Senioren waren nicht beteiligt, 80 % der Teilnehmer waren Männer.

Zusätzlich zu PCR-Untersuchungen zur Detektion akuter Infektionen fanden Antikörper­tests statt. Bei einem der Teilnehmer wurde eine akute Infektion festgestellt, er habe keine Symptome gezeigt und nichts von der Infektion gewusst, berichtete Ciesek. Bei 5 Personen wurden Antikörper als Zeichen einer überstandenen Infektion gefunden. 2 der positiv auf Antikörper-positiven Teilnehmer wussten von einer durchgemachten Infektion, bei 3 war dagegen keine Infektion bekannt.

Nur spezifische Antikörper sind aussagekräftig

Der Marburger Virologe Stephan Becker wies darauf hin, dass bei der Testung auf Antikörper die Spezifität eine wichtige Rolle spiele, wie sich auch in der Studie gezeigt habe. „Wir hatten im Screeningtest zunächst 29 Probanden, die positiv auf Antikörper waren“, berichtete er. Bei diesem Test werde mittels ELISA ermittelt, ob die Probanden Antikörper aufwiesen, die prinzipiell das Oberflächenprotein von SARS-CoV-2 erkennen können.

Der Goldstandard, um herauszufinden, ob es sich dabei tatsächlich um Antikörper gegen SARS-CoV-2 oder gegen ein anderes Coronavirus handelt, ist dagegen der Neutralisa­tions­test. Hierbei wird in Zellkultur-Assays untersucht, ob die Antikörper tatsächlich in der Lage sind, SARS-CoV-2 zu neutralisieren. In diesen Tests wiesen nur 5 der Studienteilnehmer neutralisierende Antikörper auf.

„Es ist deshalb auch für künftige Studien sehr wichtig zu schauen, ob positiv auf Antikörper getestete Patienten auch wirklich spezifische SARS-CoV-2-Antikörper aufweisen“, so Becker.

Bei der Interpretation der Studienergebnisse mahnte der Virologe zur Vorsicht. „Solche serologischen Studien liefern immer nur punktuelle Informationen über die untersuchte Population.“ Um ein Gesamtbild der Bevölkerung in Deutschland zu erhalten, seien noch viele weitere regionale Studien erforderlich. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #43197
Caspari-Transfusionsmedizin
am Mittwoch, 27. Mai 2020, 13:16

Fragen zur Interpretation

Die Autoren der Studie legen nahe, dass die 24 Antikörper-positiven, Neutralisationstest negativen Ergebnisse durch kreuzreagierende Antikörper gegen andere Coronaviren bedingt sind. Diese Infektionen müsste es aber auch in dem Probenpool gegeben haben, mit dem der Test geeicht wurde. Kreuzreaktionen dürften damit nicht diese Rolle spielen. Andererseits lässt sich nur dann behaupten, ausschließlich die Neutralisationstest-positive Proben seien echt positiv, wenn jede SARS-CoV-2-PCR-positive Infektion auch immer neutralisierende Antikörper zur Folge hat. Studien, bei denen diese Frage an einer ausreichend großen Zahl von Patienten geprüft wurde, sind mir nicht bekannt. Die unverzügliche Klärung dieser Fragen ist von Bedeutung für die Interpretation der demnächst verpflichtenden nichtnamentlichen Meldungen an das RKI.
Avatar #104741
urgestein
am Mittwoch, 27. Mai 2020, 13:15

Studie zeigt Problematik der Antikörper-Testung

Erwähnt werden sollte wenigstens, dass die Blutentnahmen in den ersten 2 Aprilwochen durchgeführt wurden. Wenn man davon ausgeht, dass die Antikörperbildung gut 2 Wochen dauert, gibt das den Infektkionsstand im Zeitraum von Mitte bis maximal Ende März wieder, in dem die Infektionswelle in Frankfurt erst begonnen hat. Es kann damit (neben der fehlenden Repräsentativität der Stichprobe) überhaupt keine nennenswerte Aussage aus dieser Publikation gezogen werden außer der Tatsache, dass der verwendete Test offenbar häufiger falsch positiv war als richtig positiv. Soweit aus dem paper zu entnehmen wurde der vielgepriesene Test von Roche verwendet. Entsprechende Vorsicht sollte man deshalb bei positiven serologischen SARS CoV-2-Befunden walten lassen...
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