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Medizin

SARS-CoV-2: Fast die Hälfte der infizierten Pflegeheimbewohner ist asymptomatisch

Mittwoch, 27. Mai 2020

/Satjawat, stock.adobe.com

London − Auch in Pflegeheimen, deren Bewohner zu den am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen gehören, verlaufen Infektionen mit SARS-CoV-2 häufig asymp­tomatisch oder mit atypischen Symptomen.

Auch bei Patienten, die an COVID-19 gestorben sind, können vorher Husten und Fieber fehlen, so dass ein symptombasiertes Screening nach einer Studie in MedRxiv (2020; DOI: 10.1101/2020.05.19.20105460) in der Regel nicht in der Lage ist, die Einschleppung von Viren in die Einrichtungen frühzeitig zu erkennen.

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England wurde spät, aber umso heftiger von der SARS-CoV-2-Epidemie erfasst. Die Todesfälle traten bei älteren Menschen auf und das neue Coronavirus konnte sich in Pflegeheimen rasch ausbreiten. Ein Grund war offenbar die Strategie, freie Bettenkapa­zitäten für den staatlichen Gesundheitsdienst (NHS) zu schaffen, indem ältere Patienten in Pflegeheime „ausgelagert“ wurden, ohne sie vorher systematisch auf SARS-CoV-2 zu testen. Aber auch der Versuch, Ausbrüche durch ein symptombasiertes Screening frühzeitig zu erkennen, ist gescheitert.

Public-Health Forscher des Imperial College London haben jetzt in 4 Pflegeheimen der Hauptstadt nach den Ursachen für die rasche Ausbreitung gesucht. In den 4 Heimen war es zu schweren Ausbrüchen gekommen. Innerhalb von 2 Monaten war 1/4 der Bewohner gestorben, 3 Mal mehr als in den beiden Jahren zuvor. Alle Verstorbenen hatten im Durchschnitt 3 chronische Erkrankungen. Am häufigsten waren dies Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine Demenz.

Nachdem Besuchsverbote und Tests von symptomatischen Patienten den Anstieg der Todesfälle nicht aufhalten konnten, wurde schließlich beschlossen, alle 394 Bewohner und einen Teil des Personals zu testen.

Dabei kam heraus, dass sich von den getesteten Bewohnern 126 (40 %) infiziert hatten, weitaus mehr als vermutet. Denn 54 positiv getestete Bewohner, also mehr als 1/3, zeigten keinerlei Symptome. Und von den anderen 72 positiv getesteten Bewohnern hatten 22 keine der typischen Symptome von COVID-19 wie Husten oder Fieber. Das Personal hatte bei ihnen häufiger Verwirrung oder ein verändertes Verhalten oder eine verminderte Nahrungsaufnahme (Anorexie) bemerkt, bei denen auch Ärzte nicht an die Möglichkeit von COVID-19 gedacht hätten.

Dies erklärt auch, warum bei der Hälfte der Verstorbenen eine andere Todesursache notiert wurde, obwohl angesichts des starken Anstiegs der Sterblichkeit ein Verdacht auf COVID-19 nahegelegen hätte. Doch viele Bewohner hätten auch in den letzten Tagen vor ihrem Tod keine Symptome gezeigt, die auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 hingedeutet hätten, berichtet das Team um Frances Sanderson.

Ein symptombasiertes Screening sei deshalb ungeeignet, um effektive Gegenmaß­nahmen zu ergreifen, schreiben die Public Health-Forscher. Erst durch das systematische Testen aller Bewohner konnte das Ausmaß der Epidemie erkannt werden.

Wie das Virus in die 4 Einrichtungen gelangt ist, konnte nicht ermittelt werden. Natürlich fiel der Verdacht auf die Betreuer. In 3 Heimen wurden 70 asymptomatische Mitglieder des Personals untersucht. In einem Heim waren 3 von 19 Personen infiziert, in den beiden anderen Heimen fielen alle Tests negativ aus. Das Personal ist damit nur ein möglicher Überträger der Viren. Die Sequenzierung des SARS-CoV-2 von 17 Personen deutet darauf hin, dass das Virus möglicherweise mehrfach eingeschleppt wurde. © rme/aerzteblatt.de

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