NewsÄrzteschaftTransplantations­medizin: Kritik an Rapid-Report zur Mindestmengen­regelung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Transplantations­medizin: Kritik an Rapid-Report zur Mindestmengen­regelung

Mittwoch, 27. Mai 2020

/dpa

Berlin – Scharfe Kritik an der Mindestmengenregelung in der Transplantationsmedizin üben die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) und der Bundesver­band Niere (BN).

Auch nach dem „Rapid Report“ des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Ge­sund­heitswesen (IQWiG) fehlt nach Auffassung der Gesellschaften die nötige wissen­schaft­li­che Evidenz, also der Nachweis, dass die Qualität des Behandlungsergebnisses von der Menge der erbrachten Leistungen abhängt.

Anzeige

Laut dem DGIM-Vizepräsidenten Jürgen Floege ist die in den „Rapid Report“ eingeflosse­ne Datenbasis mangelhaft und rechtfertigt Mindestmengen nicht: „Drei von fünf Studien kommen aus den USA mit nicht vergleichbaren Rahmenbedingungen“, sagte er.

Die Zahl der Krankenhaustage nach einer Transplantation sei viel geringer und der häu­figste Grund für einen Transplantatverlust sei dort, dass sich viele Patienten ihre immun­suppressiven Medikamente nicht leisten könnten und sie absetzten. „Eine Situation, die wir glücklicherweise nicht haben“, so Floege.

Er betonte, die einzige deutsche Studie, die in die Auswertung eingegangen sei, komme zu einem höchst fragwürdigen Ergebnis. Demnach sei die Sterblichkeit in Kranken­häu­sern, die nicht die Mindestmengen erfüllen, nach Nierentransplantationen deutlich höher (57 Prozent), aber nicht nach Lebertransplantation.

„Allein das ist ein starker Hinweis, dass hier mit viel zu kleinen Daten gearbeitet wurde, die mehr oder weniger zufällige Befunde liefern. Warum sollte die technisch und medizi­nisch anspruchsvollere Lebertransplantation im Gegensatz zur Nierentrans­plantation nicht von Mindestmengen abhängig sein?“, fragt der Aachener Experte. Das sei wissen­schaftlich nicht plausibel.

„Wir plädieren dafür, zunächst erst einmal das 2016 vom Bundestag beschlossene Trans­plantationsregister umzusetzen und Daten zu erheben, bevor politische Entscheidungen ohne valide Basis getroffen werden“, erklärte Christian Hugo, Generalsekretär der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG).

Transplantationszentren müssen laut der aktuellen Regelung jährlich mindestens 25 Nie­ren- beziehungsweise 20 Lebertransplantationen durchführen. „Letztlich wird rund ein Drittel aller regionalen deutschen Transplantationszentren schließen und die Patienten müssen zur Nachsorge weitere Wege auf sich nehmen“, warnen die Verbände. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER