NewsMedizinStudie: Doxycyclin kann Vergrößerung eines Bauchaorten­aneurysmas nicht aufhalten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Doxycyclin kann Vergrößerung eines Bauchaorten­aneurysmas nicht aufhalten

Dienstag, 16. Juni 2020

/ Henrie, stock.adobe.com

Baltimore − Eine Behandlung mit dem Antibiotikum Doxycyclin, das über eine Inhibition der Matrix-Metallopeptidasen das weitere Wachstum eines Bauchaortenaneurysmas hemmen soll, hat sich in einer größeren randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 2029-2038) als unwirksam erwiesen.

Die Idee, das Bauchaortenaneurysma mit einem Antibiotikum zu behandeln, lässt sich bis in die späten 1990er Jahre zurückverfolgen. Damals wurde diskutiert, ob Infektionen der Gefäßwände an der Entstehung der Atherosklerose beteiligt sind. Chlamydia pneumoniae galt als Verursacher und Doxycyclin als mögliche Behandlung.

Diese Hypothese einer infektiösen Genese der Atherosklerose wurde bald wieder verlassen, doch die Behandlung mit Doxycyclin überlebte. Dem Antibiotikum wurde jetzt eine antientzündliche Wirkung zugeschrieben, die über die Hemmung der Matrix-Metallopeptidasen in den Gefäßwänden das weitere Wachstum der Aneurysmen verhindern sollte.

Die Ergebnisse der damals veranlassten Studien waren nicht schlüssig. In einer ersten kleineren Studie aus Finnland mit 32 Teilnehmern schien es, als ob Doxycyclin tatsächlich das Wachstum von Bauchaortenaneurysmen verlangsamen könnte (Journal of Vascular Surgery, 2001; DOI: 34: 606-10).

Eine spätere Studie aus den Niederlanden mit 268 Teilnehmern kam jedoch zu einem gegenteiligen Ergebnis. Nach einer 18-monatigen Behandlung mit Doxycyclin kam es zu einer, wenn auch nur leichten Beschleunigung des Aneurysmenwachstums (Annals of Internal Medicine, 2013; 159: 815-823). Die Aussagekraft der Studie litt jedoch unter einer unvollständigen Nachbeobachtung der Teilnehmer, weshalb sich das US-National Institute on Aging zusammen mit der University of Maryland School of Medicine in Baltimore zu einer weiteren Placebo-kontrollierten Studie entschloss.

Am „Non-invasive Treatment of Abdominal Aortic Aneurysm Clinical Trial“ (N-TA(3)CT) nahmen an 22 US-Zentren insgesamt 265 Patienten teil, bei denen ein infrarenales Bauchaortenaneurysma in einer Größe von 3,5 bis 5,0 cm bei Männern und 3,5 bis 4,5 cm bei Frauen diagnostiziert worden war. Die Patienten wurden auf eine 2-jährige Behandlung mit Doxycyclin (100 mg/die) oder Placebo randomisiert. Der primäre Endpunkt war die Entwicklung der Aneurysma-Größe während der Behandlung.

Die Studie wurde im Mai 2013 begonnen, die Rekrutierung verlief jedoch schleppend. Erst im Januar 2017 konnte die Behandlung bei den letzten Patienten begonnen werden. Die Ergebnisse wurden jetzt von Michael Terrin vom der University of Maryland School of Medicine in Baltimore und Mitarbeitern vorgestellt.

Im Gegensatz zur niederländischen Studie gelang es, den Kontakt zu den meisten Patienten aufrecht zu halten und nach 2 Jahren bei Abschluss der Behandlung eine erneute Computertomografie des Abdomen durchzuführen. In dieser Zeit hatten sich 13 von 113 Patienten (10 %) in der Doxycyclin-Gruppe und 9 von 112 Patienten (7 %) in der Placebo-Gruppe zu einer Reparatur ihres Aneurysmas entschlossen. In der Doxycyclin-Gruppe waren 3 Patienten (3 %) und in der Placebo-Gruppe 4 Patienten (4 %) gestorben.

Bei den anderen Teilnehmern war es zu einem weiteren Wachstum des Bauchaorten­aneurysmas um durchschnittlich 0,36 cm gekommen. Die Ergebnisse in diesem primären Endpunkt der Studie waren in beiden Gruppen exakt gleich (Differenz 0 cm), und das 95-%-Konfidenzintervall war nach beiden Seiten mit 0,07 cm relativ eng. Damit ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein wesentlicher Vorteil (oder Nachteil) durch die Behandlung übersehen wurde.

Mit den Ergebnissen von „N-TA(3)CT“ dürfte die Idee einer Antibiotika-Behandlung des Bauchaortenaneurysmas nach 2 Jahrzehnten endgültig zu Grabe getragen werden. Die deutschen Fachgesellschaften raten bereits aufgrund der Ergebnisse der niederländischen Studie von einer Behandlung mit Doxycyclin ab. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. Juli 2020
Berlin – Pharmaunternehmen und Großhändler haben im vergangenen Jahr 670 Tonnen Antibiotika an Tierärzte in Deutschland weitergegeben. Das waren 52,2 Tonnen oder 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Abgabe von Antibiotika in Tiermedizin sinkt weiter
28. Juli 2020
Columbus/Ohio – Eine Antibiotikabehandlung kann bei einer unkomplizierten Appendizitis häufig eine Operation vermeiden. In einer US-Studie blieben 2/3 der pädiatrischen Patienten im ersten Jahr nach
Antibiotika können 2 von 3 Operationen bei unkomplizierter Appendizitis vermeiden
22. Juli 2020
Bochum – An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) entsteht in Zusammenarbeit mit dem Lead Discovery Center in Dortmund ein neues „Center für systembasierte Antibiotikaforschung“ (Cesar). Seit Mitte des
Neues Zentrum für Antibiotikaforschung in Bochum
21. Juli 2020
Hamburg – Frauen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) erhalten in Deutschland seltener eine optimale medikamentöse Therapie als Männer, was in einer Analyse von
PAVK: Frauen erhalten seltener Medikamente als Männer
9. Juli 2020
Berlin – In der Antibiotikapipeline der Pharmaindustrie herrscht bereits seit Jahren gähnende Leere – bei stetig zunehmenden Antibiotikaresistenzen. Investitionen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar
Initiative der Pharmaindustrie soll Antibiotikaentwicklung wiederbeleben
2. Juli 2020
Köln – Die Kombination der beiden Wirkstoffe Ceftolozan und Tazobactam erweitert das Spektrum der Antibiotikatherapie bei Erwachsenen mit schweren Infektionen in Lunge, Harnwegen, Nierenbecken und
Kombination von Ceftolozan mit Tazobactam erweitert Antibiotikatherapie
2. Juli 2020
Oakland/Kalifornien – Werden die Risiken von Makrolid-Antibiotika weiter unterschätzt? Obwohl seit langem bekannt ist, dass die Mittel über eine Verlängerung des QT-Intervalls das Risiko auf tödliche
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER