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Politik

Streit über Öffnung von Schule und Kita

Donnerstag, 28. Mai 2020

/picture alliance, abaca

Berlin – Der Streit über die Wiederöffnung von Schulen und Kindergärten in der Corona­krise verschärft sich. Immer mehr Bundesländer planen inzwischen eine schrittweise Rückkehr zum Regelbetrieb – obwohl es bisher keine gesicherten Erkenntnisse über die Ansteckungsgefahr gibt, die von Kindern ausgeht.

„Die Wahrheit ist, dass wir aktuell eine Studienlage haben, die keine echten Schlüsse zu­lässt, inwieweit Kinder zur Verbreitung des Virus beitragen“, sagte Bundesgesundheits­mi­nister Jens Spahn der Augsburger Allgemeinen. Es gebe „sehr unterschiedliche Bewertun­gen“. Das mache es „besonders schwer, politische Entscheidungen zu treffen.“

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Spahn wies darauf hin, dass es fast täglich neue wissenschaftliche Erkenntnisse über das Virus SARS-CoV-2 gebe. Das zwinge auch die Politik, Einschätzungen zu verändern und Maßnahmen anzupassen. „Besonders schwierig sind die Bereiche Kindergarten und Schu­le“, sagte er.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hatten alle Bundesländer Mitte März Schulen und Kitas geschlossen. Inzwischen werden der Schulbetrieb und die Betreuung in den Kitas überall schrittweise wieder hochgefahren, eine einheitliche Linie gibt es aber nicht.

Schleswig-Holstein zum Beispiel hatte gestern entschieden, dass dort alle Grundschüler schon vom 8. Juni an wieder zur Schule gehen sollen – und zwar ohne Abstandsregeln. Die Kitas sollen Anfang Juni von der Notfallbetreuung in den eingeschränkten Regelbe­trieb gehen können. Bis zum Beginn der Sommerferien am 29. Juni sollen die Kitas wie­der landesweit zu 100 Prozent ausgelastet sein.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht dadurch die Gesundheit von Erzieherinnen und Lehrkräften gefährdet. Man halte die Pläne für verfrüht, sagte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. Je größer die Gruppe, desto größer sei die Gefahr für die Gesundheit der Pädagogen.

Bürger sollten weiterhin untereinander 1,5 Meter Abstand halten, für 25 Kinder in oft zu kleinen und nur schlecht zu belüftenden Grundschulklassen solle das aber nicht gelten. „Was für ein Widerspruch“, kritisierte Henke.

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, warnte davor, den Schulbetrieb bereits jetzt wieder voll aufzunehmen. „Das setzt nämlich ein völlig neues Hygiene- und Gesundheitsschutzkonzept voraus, das man nicht so einfach aus dem Hut zaubern kann“, sagte Meidinger der Passauer Neuen Presse.

Wenn man auf Abstandsregeln verzichten und alle Schüler in den Präsenzunterricht zu­rückholen wolle, würden Atemschutzmasken im Unterricht, umfassende Testungen, klei­ne Lerngruppen während des gesamten Schultags und regelmäßige Lüftungen notwen­dig. „Das derzeit geltende Hygienekonzept der Kultusministerkonferenz müsste komplett überarbeitet werden“, so Meidinger.

Das Deutsche Kinderhilfswerk warnte hingegen vor gravierenden Folgen für Kinder und Jugendliche, wenn Schulen und Kitas nicht bald wieder vollständig öffnen sollten. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Kollateralschäden auswachsen“, sagte Präsident Tho­mas Krüger der Welt. Das Fehlen der gewohnten Lehr- und Lernumgebung sei ein schwe­rer Eingriff in die Lebenswelt und die Grundrechte der Kinder, der auch ihre psycho-sozia­le Entwicklung beeinträchtige.

Zu befürchten seien außerdem spätere Nachteile auf dem Arbeitsmarkt: „Wir bekommen es hier, wenn wir nicht schnell den Weg der vollständigen Öffnung von Schulen und Kitas gehen, womöglich mit einer verlorenen Generation zu tun“, sagte Krüger.

Die Linke bekräftigte ihre Forderung, noch vor der Sommerpause zu einem Gipfeltreffen im Kanzleramt einzuladen. „Ein wesentliches politisches Ziel der kommenden Wochen sollte es sein, dass mit dem Ende der Sommerferien bundesweit Schulen und Kitas ihren Regelbetrieb wieder aufnehmen können“, sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch der Neuen Osnabrücker Zeitung. © dpa/aerzteblatt.de

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