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Politik

Outcome beim Wechsel einer Hüft- oder Knieprothese hängt von Fallzahl ab

Donnerstag, 28. Mai 2020

/dpa

Berlin – Die Qualität bei Hüft- und Knieprothesenwechseln ist auch von der Fallzahl in ei­ner Einrichtung abhängig: Je häufiger der Eingriff in einer Klinik erfolgt, desto seltener kommt es zu Komplikationen oder Todesfällen. Das zeigen zwei Studien des Wissen­schaft­lichen Instituts der AOK (WIdO), die im Journal of Arthroplasty veröffentlicht wor­den sind (DOI: 10.1016/j.arth.2019.05.005 und DOI: 10.1016/j.arth.2019.11.045).

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zeigen die Ergebnisse, dass Prothesenwechsel in spezialisierten Zentren durch­geführt werden sollten.

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In die Studie zum Hüftprothesenwechsel sind anonymisierte Daten aus rund 17.800 Wech­sel-OPs eingeflossen, die zwischen 2014 und 2016 bei mehr als 16.300 AOK-Versi­cherten stattfanden. Danach musste bei jeder siebten Operation innerhalb eines Jahres neu operiert werden. 2,6 Prozent der Patienten starben innerhalb von 90 Tagen nach dem Eingriff.

In Kliniken, die nur wenige Operationen pro Jahr durchführten, gab es höhere Komplika­tions- und Sterblichkeitsraten als in den Krankenhäusern mit hohen Fallzahlen. So lag die Revisionsrate in Kliniken mit jährlich zwölf oder weniger Fällen um ein Viertel höher als in Kliniken mit mindestens 53 Fällen pro Jahr, die Sterblichkeitsrate lag um 113 Prozent höher. Auch in Kliniken mit 13 bis 24 Eingriffen pro Jahr waren die Komplikationsraten um 18 beziehungsweise 79 Prozent erhöht.

Bei der Studie zum Knieprothesenwechsel konnten die Wissenschaftler Daten zu rund 23.600 aseptischen Wechsel-OPs zwischen 2013 und 2017 bei knapp 21.600 Patienten berücksichtigen. Die Gesamtrate der Fälle, in denen innerhalb eines Jahres eine erneute, nicht geplante Operation notwendig war, lag bei 8,5 Prozent.

In Kliniken mit mehr als 53 OPs pro Jahr war die Revisionsrate mit 7,4 Prozent niedriger als in Kliniken mit niedrigen Fallzahlen – gemeint sind weniger als zwölf OPs pro Jahr. Diese hatten eine Revisionsrate von 9,4 Prozent. Das entspricht einer Risikoerhöhung in Kliniken mit niedrigen Fallzahlen um das 1,44-fache.

Das Risiko für unerwünschte Ereignisse wie Blutungen oder Infektionen lag in der Gruppe der Kliniken mit den höchsten Fallzahlen mit 2,4 Prozent ebenfalls niedriger als in der Gruppe der Kliniken mit den niedrigsten Fallzahlen (3,4 Prozent).

„Der Wechsel eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks ist ein komplexer medizinischer Eingriff, der viel operative Erfahrung und spezielle medizinische Logistik erfordert“, sagte Andreas Halder, Vizepräsident der DGOOC und Mitautor der Studie. „Die Studien zeigen, dass ein Prothesenwechsel in Kliniken mit höheren Fallzahlen seltener mit Komplikatio­nen verbunden ist und daher in spezialisierten Zentren erfolgen sollte“, lautet sein Fazit.

Der ärztliche Direktor der Sana Kliniken Sommerfeld wies daraufhin, dass in spezialisier­ten Zentren wie dem „Endoprothetikzentrum“ (EPZ) sowie dem „Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“ (EPZmax) der DGOOC bereits heute Mindestmengen für Wech­seloperationen gelten. So müssten in einem EPZmax mindestens 50 Wechseloperationen pro Jahr erfolgen.

Der Geschäftsführer des WIdO, Jürgen Klauber, fordert, die aktuellen Mindestmengenre­gelungen auszuweiten. „Die Einführung von gesetzlichen Mindestmengen für die Prothe­senwechsel an Hüfte und Knie ist überfällig“, sagte er. Es sei unverständlich, dass nur für die deutlich komplikationsärmere Erstimplantation einer Knieprothese in Deutschland seit 2004 eine gesetzliche Mindestmenge von 50 Eingriffen gelte. © hil/aerzteblatt.de

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