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Medizin

COVID-19: Behandlungsdauer mit Remdesivir kann halbiert werden

Donnerstag, 28. Mai 2020

/picture alliance, Ulrich Perrey, dpa-POOL

Foster City/Kalifornien − Eine Verkürzung der Behandlungsdauer mit Remdesivir auf 5 statt der üblichen 10 Tage hatte in einer internationalen randomisierten Studie keine Nachteile für die (nicht intubierte) Patienten mit COVID-19, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2015301) publizierten Ergebnisse zeigen.

Das empfohlene Schema für Remdesivir, das derzeit im Rahmen von Heilversuchen eingesetzt wird, demnächst aber zugelassen werden dürfte, besteht aus einer 10-tägigen Behandlung mit 200 mg am ersten Tag und 100 mg an den folgenden Tagen. Es wurde aufgrund von tierexperimentellen Daten zur MERS-Erkrankung entwickelt. Beim Menschen hat es sich in einer klinischen Studie zur Behandlung von Ebolainfektionen als sicher erwiesen.

Aufgrund des absehbar hohen Bedarfs und um Lieferengpässe zu vermeiden, hat sich der Hersteller frühzeitig zu einer Vergleichsstudie entschlossen. Dort wurde die Behandlung bei der Hälfte der Patienten nach den ersten 5 Tagen beendet.

An der randomisierten offenen Studie (ohne Placeboarm) nahmen an 55 Kliniken in 8 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 397 Patienten teil, bei denen eine durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Pneumonie diagnostiziert worden war und deren Sauerstoffsättigung auf 94 % oder weniger abgefallen war. Die Patienten durften allerdings noch nicht mechanisch beatmet werden und es durfte keine Hinweise auf ein Multiorgan­versagen gegeben haben.

Bei diesen Patienten schien es am ehesten vertretbar zu sein, die Behandlungsdauer auf 5 Tage zu verkürzen. Der primäre Endpunkt der Studie war der klinische Zustand, der mit einer 7-Punkte-Skala beurteilt wurde. Sie reichte von 1 (Tod) über 2 (invasive mechanische Beatmung oder ECMO), 3 (nicht-invasive Beatmung oder High-flow-Sauerstoffgabe), 4 (Low-flow-Sauerstoffgabe), 5 (Krankenhausaufenthalt ohne zusätzlichen Sauerstoffbedarf, aber mit spezifischer medikamentöser Behandlung), 6 (Krankenhausaufenthalt ohne spezifische medikamentöse Behandlung) bis 7 (kein Klinikaufenthalt).

Das Ziel der Behandlung war eine Verbesserung um mindestens 2 Punkte am Tag 14. Es wurde nach Angabe des Teams um Diana Brainard vom Hersteller in Foster City/Kalifornien nach der 5-tägigen Behandlung von 64 % der Patienten erreicht. In der Gruppe, die 10 Tage mit Remdesivir behandelt wurde, erreichten nur 54 % das Ziel.

Die Erklärung für das schlechtere Ergebnis nach der längeren Behandlung ist laut Brainard in den ungünstigeren Patienteneigenschaften in der Gruppe mit 10-tägiger Behandlung zu suchen. Tatsächlich verschwanden die Unterschiede nach einer statistischen Korrektur, die die Ungleichverteilung ausglich.

Für eine alternative Erklärung, die die schlechteren Ergebnisse auf die Toxizität vom Remdesivir zurückführen würde, gab es keine Hinweise. Eine Zunahme der schweren unerwünschten Ereignisse wie Lungenversagen und Sepsis in der 10-Tages Gruppe dürfte Folge der schwereren Erkrankung gewesen sein.

Das Virustatikum war bereits in der Ebola-Studie gut vertragen worden. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse in der aktuellen Studie waren Übelkeit (9 % der Patienten), eine Verschlechterung der Atemproblematik (8 %) und eine Obstipation (7 %). Eine wichtige Komplikation ist ein Anstieg der Leberenzyme, der bei 7 % der Patienten auftrat. Sie führte in der 5-Tage Gruppe bei 2,5 % und in der 10-Tage Gruppe bei 3,6 % der Patienten zum vorzeitigen Abbruch er Behandlung.

Da die Studie keine Placebogruppe hatte, sind keine Aussagen zur Effektivität möglich. Wichtig ist der Hinweis, dass an der Studie keine beatmeten Patienten teilnahmen. Das 5-Tage-Schema dürfte deshalb nur für Patienten mit leichteren Erkrankungen infrage kommen.

Die vor wenigen Tagen veröffentlichten Ergebnisse einer internationalen Placebo-kontrollierten Studie haben ergeben, dass Remdesivir die besten Ergebnisse bei Patienten erzielt, die noch nicht beatmet werden müssen. In der Studie waren alle Patienten über 10 Tage behandelt worden. © rme/aerzteblatt.de

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