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Medizin

USA: Viele Leiter von Fachgesellschaften haben Interessenskonflikte mit der Industrie

Montag, 15. Juni 2020

/nito, stock.adobe.com

Brisbane − Die Mehrzahl der Leiter von 10 führenden medizinischen Fachgesell­schaften in den USA erhält Zahlungen von Herstellern der Medikamente und Medizinprodukte, die in den Leitlinien der Fachgesellschaften bewertet werden. Dies ergab eine Auswertung des „Open Payment“-Registers im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2020; DOI: 10.1136/bmj.m1505).

Der „Physician Payment Sunshine Act“ von 2010 verpflichtet die Industrie, alle Zahlungen an Ärzte ab einer bestimmten Höhe an ein im Internet für jedermann einsehbares Register zu melden. Das „Open Payment“-Register soll mögliche Interessenkonflikte transparent machen. Ob das Register Auswirkungen auf die Verordnungen hat, ist umstritten.

Tatsache ist aber, dass es weiterhin finanzielle Beziehungen der Industrie zu den medizi­nischen Meinungsführern gibt. Zu den einflussreichen „Opinion Leader“ gehören die Vorstandsmitglieder von medizinischen Fachgesellschaften, die Fortbildungs­kongresse veranstalten und in Leitlinien Therapieempfehlungen geben.

Ray Moynihan von der privaten Bond University in Gold Coast bei Brisbane/Australien hat die Zahlungen an die Vorstandsmitglieder von 10 führenden US-Fachgesellschaften für die Jahre 2017 bis 2019 analysiert.

Von den 328 Personen hatten 235 (72 %) finanzielle Zuwendungen erhalten. Insgesamt wurden in den 3 Jahren 129,9 Mio. US-Dollar (USD) gezahlt oder im Durchschnitt 31.805 USD pro Person. Davon waren 104,6 Mio. USD als Forschungsgelder deklariert. 24,7 Mio. USD waren allgemeine Zahlungen und 0,5 Mio. USD übrige Zahlungen.

Die Zahlungen variierten von Fachgesellschaft zu Fachgesellschaft sehr stark. Die Leiter der American Society of Clinical Oncology erhielten im Durchschnitt 518.000 USD. An die Leiter der American Psychiatric Association wurden dagegen im Durchschnitt nur 212 USD gezahlt.

Die größten Forschungszahlungen gingen an die Leiter der American Society of Clinical Oncology (54 Mio. USD) und das American College of Cardiology (21 Mio. USD). Die größten allgemeinen Zahlungen − einschließlich Gebühren für Beratung, Reden, Lizenzgebühren und Bewirtung − wurden an Leiter der North American Spine Society (9,5 Mio. USD) und der Orthopaedic Trauma Association (4,7 Mio. USD) geleistet.

Da die Meldefrist für 2018 und 2019 noch nicht abgelaufen ist, könnten die Zahlen noch höher sein, vermutet Moynihan, der die Zahlungen an die Leiter der Fachgesellschaften scharf kritisiert. Der gesunde Menschenverstand würde erwarten, dass Führungskräfte der Fachgesellschaften frei von finanziellen Bindungen zu Unternehmen sind, die von der Arbeit dieser Ärzteverbände enorm profitieren könnten, schreibt der Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #23023
logorrhoe
am Montag, 15. Juni 2020, 22:39

Aha

Da hat also jemand die Angaben ausgewertet, die die Autoren der Leitlinien bzw. die betreffenden Pharmafirmen aus Transparenzgründen selbst gemacht haben. Und ja, das ist in Deutschlang genauso.
Avatar #771752
catch-the-day
am Montag, 15. Juni 2020, 18:33

Gibt es Gründe zu der Annahme ...

... dass dies in Europa wesentlich anders ist?
https://www.schorlau.com/b%C3%BCcher/die-letzte-flucht/materialien/
LNS

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