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Politik

Virologen: Deutschland könnte zweiter Coronawelle entgehen

Freitag, 29. Mai 2020

/Nuthawut, stock.adobe.com

Hamburg − Die Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck halten es für theoretisch möglich, dass Deutschland eine zweite Welle mit SARS-CoV-2 erspart bleibt. Das sagte beide heute Medienberichten zufolge.

„Vielleicht entgehen wir einem zweiten Shutdown“, sagte Drosten, der Virologe vom Ber­liner Universitätsklinikum Charité dem Spiegel. Die Wissenschaft habe inzwischen ein besseres Verständnis des Infektionsgeschehens. „Jetzt kennen wir das Virus genauer, wir wissen besser, wie es sich verbreitet.“

Dies ge­schehe über wenige sogenannte Super­sprea­der, also Infizierte, die für viele An­steckungen verantwortlich sind. „Und ein solches Infektionsgeschehen kann man besser kontrollieren als eine gleichför­mige Ausbreitung unterm Radar, wie wir das am Anfang angenommen haben“, sagte Dros­ten. Es gebe jetzt eine „theoretische Möglichkeit“, dass die Deutschen „ohne zweite Welle durchkommen“.

Wichtig sei nach wie vor, einen möglichen Ausbruch früh zu erkennen und zu stoppen, indem sämtliche Kontaktpersonen in Quarantäne kommen, ohne sie vorher erst langwie­rig zu testen. Dafür könnte die Zeit der Quarantäne aber deutlich verkürzt werden. Kon­taktpersonen müssten künftig nur eine gute Woche in der Isolation verbringen, denn die Inkubations­zeit und die Zeit, in der ein Mensch ansteckend sei, sei deutlich kürzer als anfangs ge­dacht, betonte Drosten.

Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck glaubt nicht, dass Deutschland von einer ge­waltigen zweiten Coronawelle überrollt wird. Er vermute, dass es immer wieder lokale Ausbrüche geben werde. „Das wird vielleicht im Herbst auch vermehrt und überraschend geschehen − aber ich glaube nicht, dass wir eine zweite Welle sehen werden, die uns re­gelrecht über­schwemmt und überfordert“, sagte Streeck den Zeitungen des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND).

Grundsätzlich sieht Streeck gute Chancen, das Virus beherrschbar zu halten. Einen ent­scheidenden Schlüssel für die Eindämmung sieht er vor allem in dem Verbot von Groß­veranstaltungen. „Die zu unterbinden, scheint am ehesten was gebracht zu haben“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn.

Als Hauptwaffe gegen das Coronavirus gilt ein Impfstoff, an dem weltweit mit Hochdruck geforscht wird. Einige Kandidaten sind in ersten klinischen Tests, mit einem Impfstoff wird in diesem Jahr allerdings nicht mehr gerechnet.

Streeck zweifelt indes an einem baldigen Erfolg der Impfstoffsuche. „Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, aber keiner hat funktioniert“, sagte er. Man müsse sich auch auf die Möglichkeit einstellen, dass kein Impfstoff gefunden werde. „Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen“, sagte Streeck.

Die Kliniken im Land sehen sich unterdessen nach Einschätzung der Deutschen Interdis­ziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin für eine zweite Infektionswelle mit dem Coronavirus gewappnet.

Die Krankenhäuser seien jetzt in einer anderen Lage als noch im Februar, sagte Präsident Uwe Janssens in einem Interview mit dem Radiosender Bayern 2. Damals sei „nichts mehr da“ gewesen und alle hätten „von Null“ gearbeitet. Eine solche Situation werde sich in diesem Umfang „ganz sicherlich nicht“ wiederholen.

In Sachen Fachpersonal und Schutzausrüstung seien die Häuser auf eine zweite Welle vorbereitet, sagte er. Auch beim Thema Schutzmasken sieht Janssens die Kliniken in einem „sicheren Fahrwasser angelangt“. Nur Schutzkittel bereiteten einigen Einrichtun­gen noch ein wenig „Kopfzerbrechen“. Diese würden aber mittlerweile auch in Deutsch­land aus Plastiktüten produziert und erfüllten ihren Zweck. © afp/dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 2. Juni 2020, 21:22

Jetzt merken die das auch langsam

War doch schon länger klar, dass es keine zweite Welle geben wird. Wir haben schließlich nicht 2018 und es handelt sich nicht um die Spanische Grippe.
Das "Einen ent­scheidenden Schlüssel für die Eindämmung sieht er vor allem in dem Verbot von Groß­veranstaltungen. „Die zu unterbinden, scheint am ehesten was gebracht zu haben“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn." ist zwar bitter, aber nicht ganz falsch. Den Rest kann man sich sparen.
Was ist dann mit Bundesligaspielen, was mit Rockkonzerten?! Düstere Zukunftsaussichten...
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