NewsPolitikCannabisaufklärung für Jugendliche gestartet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Cannabisaufklärung für Jugendliche gestartet

Freitag, 29. Mai 2020

/dpa

Berlin – Jugendliche sollen erstmals mit einer Kampagne in den sozialen Medien über die gesundheitlichen Risiken des Marihuanakonsums aufgeklärt werden. Die Bundesdro­gen­beauftragte Daniela Ludwig (CSU) stellte heute gemeinsam mit der Leiterin der Bun­deszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Heidrun Thaiss, in Berlin die neue digitale Strategie „Mach dich schlau“ vor.

Auf Plattformen wie Youtube, Instagram und TikTok wolle man Jugendliche dort errei­chen, wo sie mittlerweile durchschnittlich drei Stunden am Tag verbringen. „Weniger Flyer, mehr soziale Medien“, fasste Ludwig zusammen.

Anzeige

Sie wolle „weg von erhobenen Zeigefingern“ und hin zu einer „jugendgerechten Präventi­ons­arbeit auf Augenhöhe“, sagte sie. Dafür müsste sich auch die Sprache der Aufklärungs­kampagne dem Medium und der Zielgruppe anpassen. Zudem betonte sie, dass die sozia­len Medien auch die Möglichkeit bieten, direkt mit der Zielgruppe zu interagieren.

In der Kommunikation würde man damit „Neuland betreten“, so die CSU-Abgeordnete. Aber „eine Kampagne lebt davon, dass sie auch hinterfragt wird“, meinte sie weiter. Auch für Lehrer solle es neue Materialien geben, mit denen sie über Marihuana und dessen Kon­sum aufklären könnten. Die Informationen würden aktuell im BZgA zusammengestellt und noch im Sommer verfügbar gemacht werden, so die Politikerin.

Cannabis oft verharmlost

Die Chefin der BZgA, Heidrun Thaiss, erinnerte daran, dass die in Deutschland häufigste konsumierte illegale Droge Cannabis oft verharmlost werde. Der Konsum habe in den vergangenen zehn Jahren zugenommen, auch unter Jugendlichen. Unter den Zwölf bis 17-jährigen hätte bereits jeder Zehnte einen Joint probiert. Jeder Zehnte 18- bis 25-jährige konsumiere die Droge regelmäßig.

Dabei habe der Konsum gerade für Jugendliche, deren zentrales Nervensystems bis zum 20 Lebensjahr noch nicht vollständig entwickelt sei, gesundheitliche Folgen. Mit steigen­der Dosis nehme besonders bei jüngeren Konsumenten das Risiko für Psychosen und Schizophrenien zu, so die Humanmedizinerin Thaiss.

Ziel der neuen Aufklärungskampagne sei es daher, jungen Erwachsenen die Risiken von Marihuana bewusst zu machen, sie zu einer kritischen Auseinandersetzung zu befähigen und so den Einstieg in einen Konsum wenigstens zu verzögern, wenn nicht zu verhindern.

Jugendliche wollen „keine Belehrungen, sondern Fakten“

In einem bundesweiten Wettbewerb hatte die BZgA zusammen mit der Drogenbeauf­trag­ten dafür nach den besten Konzepten gesucht. Das Gewinnerprojekt der Medienagentur „Buzz Medien“ wurde ebenfalls heute vorgestellt.

Die relevanten Informationen seien bereits alle im Internet verfügbar, meinte der Ge­schäftsführer Kay Lübbers. Er wolle nun gemeinsam mit der BZgA daran arbeiten, sie an­schaulich und in den sozialen Medien zugänglich zu gestalten.

Gemeinsam mit seinem Team habe er eine Gruppe von 50 Jugendlichen zu ihren Meinun­gen und Ideen für eine solche Kampagne befragt. Dabei sei klar, sie wollen „keine Beleh­rungen, sondern Fakten“ um selbst entscheiden zu können.

Nun startet das Projekt zunächst mit kurzen Beiträgen, die Fakten zum Cannabiskonsum in einer Minute zusammenfassen. Auch den Titel der Kampagne „Mach dich schlau“, sei von der befragten Zielgruppe selbst mit ausgewählt worden.

SPD und FDP für Entkriminalisierung

Nach Meinung von Parlamentariern anderer Fraktionen geht das Konzept nicht weit ge­nug. Grundsätzlich begrüßte Dirk Heidenblut, drogenpolitischer Sprecher der SPD-Bun­des­tagsfraktion, die Kampagne. „Allein bei coolen Social Media-Posts, schrillen Sharepics und bunten Luftballons darf es nicht bleiben“, kritisierte er in einer Mitteilung.

In einem Positionspapier hatte die SPD-Bundestagsfraktion im Februar gefordert, dass künftig der Besitz kleiner Mengen zum Eigengebrauch nicht mehr strafrechtlich verfolgt, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden solle. Heidenblut nannte dies „einen konkreten Vorschlag für einen ersten Schritt raus aus dem vollkommen sinn­losen und schädlichen Cannabisverbot“. Er halte eine kontrollierte Abgabe für den besten Weg.

Auch von der FDP kam Kritik. Die Hauptkonsumentengruppe der 18 bis 25-Jährigen wer­de nicht explizit angesprochen, so der drogen- und suchtpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Wieland Schinnenburg. Auch er sprach sich für die kontrollierte Abgabe von Marihuana aus. So könne „der Schwarzmarkt ausgetrocknet, der Jugendschutz am besten gewährleistet sowie Polizei und Justiz entlastet“ werden.

Daniela Ludwig entgegnete auf eine ähnliche Kritik im Rahmen der Pressekonferenz be­reits vorweg: Sie halte den „Flickenteppich“ der Regelungen einzelnen Bundesländer zum Eigenbedarf ebenfalls für „nicht zielführend“. Die neue Kampagne fokussiere sich auf den Jugendschutz. „Für Jugendliche ist die Legalisierung oder kontrollierte Abgabe keine Lö­sung“, meinte Ludwig. Sie würden sich die Droge dann weiterhin auf illegale Weise be­schaffen. © jff/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. Juni 2020
Wien – Die Vereinten Nationen (UNO) rechnen wegen der Coronakrise mit einer Zunahme des weltweiten Drogenkonsums. Von steigenden Arbeitslosenzahlen bis hin zu Einsparungen bei Präventionsprogrammen
UNO rechnet mit Zunahme des weltweiten Drogenkonsums
12. Juni 2020
Berlin – Durch die geplant Mehrwertsteuerabsenkung der Bundesregierung spart die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) Millionen. Ärger gibt es aber nach wie vor um Alkohol und Tabak. Die Senkung der
Mehrwertsteuersenkung: Einsparung für Kassen, Ärger um Alkohol
28. April 2020
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat eine FAQ-Liste zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger auf Basis der Betäubungs­mittel­verschreibungs­verordnung (BtMVV) und der
BÄK informiert über Substitutionstherapie opioidabhängiger Menschen
21. April 2020
Bernau/Karlsruhe − Ein Richter aus Bernau lässt das Cannabisverbot in Deutschland vom Bundesverfassungsgericht prüfen. Jugendrichter Andreas Müller hat eine entsprechende Vorlage nach Karlsruhe
Richter lässt Cannabisverbot in Karlsruhe prüfen
8. April 2020
Berlin – Ein in Berlin geplanter Modellversuch zur kontrollierten Abgabe von Cannabis als Genussmittel kann voraussichtlich nicht in die Tat umgesetzt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Bundesinstitut lehnt Modellversuch zu Cannabis in Berlin ab
31. März 2020
Berlin − Trotz massiver Probleme wegen der Coronakrise will die Bundesregierung die therapeutische Behandlung suchtkranker Menschen aufrecht erhalten. In den vergangenen Tagen habe „zumindest
Therapien für suchtkranke Menschen sollen trotz Coronakrise weitergehen
26. März 2020
Berlin – Das aktuelle Wissen über die medizinischen Wirkungen von Cannabis sowie mögliche Risiken stellt eine kürzlich veröffentlichte Kurzinformation für Patienten zusammen. Auch nötige Schritte, um
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER