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Medizin

COVID-19-Medikament: Dutzende Wissenschaftler kritisieren Studie zu Hydroxychloroquin

Freitag, 29. Mai 2020

/picture alliance, David J. Phillip, AP

Paris − Dutzende Forscher aus der ganzen Welt haben sich besorgt über eine unlängst veröffentlichte Studie zum Einsatz von Hydroxychloroquin als Coronamedikament geäußert, die die WHO zur Aussetzung klinischer Tests mit dem Malariamittel veranlasste.

Die Studie sei von „vielen Wissenschaftlern rings um die Welt im Detail geprüft“ worden, hieß es in einem gestern Abend veröffentlichten offenen Brief. „Diese Prüfungen haben sowohl Besorgnis angesichts der Methodik als auch der Erhebung der Daten ausgelöst.“

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In dem offenen Brief wird eine lange Liste von aus Sicht der Unterzeichner problema­tischen Punkten angeführt. Unter anderem wird die Weigerung der Autoren kritisiert, anderen Wissenschaftlern Zugang zu den Daten zu geben.

Auch werde nichts über die Länder und die Krankenhäuser gesagt, aus denen die Daten kommen. Unterzeichnet wurde der offene Brief von Forschern verschiedenster Bereiche unter anderem von der Harvard-Universität und dem Imperial College London.

Die Studie war vor einer Woche in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht worden. Ihr zufolge kann eine Behandlung von COVID-19-Erkrankten mit Hydroxychloroquin möglicherweise die Sterblichkeitsrate erhöhen. Daraufhin hatten mehrere Länder die Behandlung von COVID-19-Erkrankten mit dem Malariamittel untersagt, die Weltgesund­heitsorganisation WHO setzte klinische Tests mit dem Mittel unter Verweis auf die Studie aus.

Für die Studie hatten Forscher der Harvard Medical School in Boston und des Universi­täts­spitals Zürich die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Sie kamen nach eigenen Angaben zu dem Ergebnis, dass Hydroxychloro­quin sowie der verwandte Wirkstoff Chloroquin nicht nur keinen Nutzen bei COVID-19-Patienten hätten, sondern möglicherweise wegen schwerer Nebenwirkungen sogar das Sterberisiko erhöhten.

Hydroxychloroquin und Chloroquin werden seit langem als Mittel gegen Malaria eingesetzt. Ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Patienten mit der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Atemwegserkrankung COVID-19 war bereits vor der Studie in The Lancet umstritten. Die Zeitschrift ihrerseits erklärte nun, sie habe „verschiedene Fragen“ zu der Studie erhalten. Sie seien an die Autoren weitergeleitet worden, diese würden sie demnächst beantworten.

Vor Veröffentlichung der Studie hatte unter anderem US-Präsident Donald Trump das Medikament in höchsten Tönen gelobt und mitgeteilt, er nehme es zur Vorbeugung gegen das Coronavirus ein. Am vergangenen Sonntag sagte Trump dann allerdings in einem Interview, er habe die Einnahme von Hydroxychloroquin inzwischen beendet. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #795594
Corporesanum
am Donnerstag, 18. Juni 2020, 23:09

Hydrochloroquin

In den USA sind die Mediziner mit den Unterschieden in der Behandlung von verschiedenen Ethnien vertraut. Das dürfte während des MedizinStudiums ein wirklich wichtiges Modul sein. Es betrifft eine ganze Reihe von Medikamenten angefangen bei Aspirin.
Avatar #771752
catch-the-day
am Samstag, 30. Mai 2020, 10:43

Selektive Wirkung

Hydrochloroquin kann eine schwere Hämolyse bei G6PD-Mangel auslösen, der insbesondere bei Menschen aus Malariagebieten auftritt. Schäden durch Behandlung mit Hydorcholoquin treten in den USA fast ausschließlich bei Menschen auf deren Vorfahren aus Afrika stammen.
Insofern kann Hydrochloroquin als "selektives" Medikament gewertet werden ... welche Folgen und Ursachen seine Empfehlung hat, kann sich jeder selber ausdenken.
LNS
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