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Medizin

Melanom: Tumorinfiltrierende Lymphozyten bieten neue Chance nach Immun- und zielgerichteter Therapie

Samstag, 30. Mai 2020

/lavizzara, stock.adobe.com

Alexandria – Wenn ein fortgeschrittenes Melanom mit BRAF-Mutation auf Immun­checkpoint-Inhibitoren und Tyrosinkinase-Inhibitoren nicht mehr anspricht, könnte die Therapie mit autologen tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TIL) die Überlebenschancen der Patienten verbessern. Darauf weist eine anlässlich der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellte Analyse einer Phase-II-Studie mit der TIL-Therapie Lifileucel hin.

Aktuell sind die Behandlungsmöglichen für Patienten mit einem fortgeschrittenen malignen Melanom begrenzt, wenn sie einen Progress unter einer Therapie mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor oder zielgerichteten Wirkstoffen erleiden. Die adoptive T-Zell-Therapie mit TIL soll die körpereigene Abwehr gegen das Melanom in dieser Situation wieder aktivieren und verstärken.

Das autologe TIL-Produkt Lifileucel wird derzeit weltweit in der Phase-II-Studie C-144-01 bei Patienten mit nicht resektablem oder metastasiertem Melanom untersucht. Alle Studienteilnehmer hatten zuvor unter einem Immuncheckpoint-Inhibitor oder im Falle eines BRAFV600-mutierten Melanoms auch nach einer zielgerichteten Therapie mit BRAF- und MEK-Inhibitoren einen Progress entwickelt.

Das Team um Arnod Sarnaik vom Moffitt Cancer Center in Tampa, Florida, berichtete anlässlich des ASCO-Kongresses über eine Kohorte von 66 Patienten, die im Rahmen der Phase-II-Studie Lifileucel erhalten hatten. Weltweit wurden bislang 4 Kohorten behandelt.

Für die Herstellung des TIL-Produkts wurden die Tumore am betreuenden Studienzen­trum entfernt. Die Produktion von Lifileucel fand in einem zentralen Labor statt, wo die TIL aus dem Melanomgewebe gewonnen, expandiert und kryokonserviert wurden, um sie dann an die behandelnden Zentren zurückschicken zu können.

Die Therapie selbst erfolgte nach einer mittleren Produktionsdauer von 22 Tagen wieder am jeweiligen Studienzentrum. Hier wurden eine Woche lang mit Cyclophosphamid und Fludarabin die Lymphozyten der Patienten depletiert, bevor eine einzige Infusion von Lifileucel erfolgte. Außerdem erhielten die Patienten bis zu 6 Dosen Interleukin-2, um die Aktivität der TIL gegen den Tumor zu erhöhen. Das Ansprechen auf die Therapie wurde von den Prüfärzten selbst nach RECIST-Kriterien beurteilt.

Die Patienten waren schon mehrfach vorbehandelt, die mittlere Zahl vorangegangener Therapien betrug 3,3. Alle Patienten hatten bereits einen Immuncheckpoint-Inhibitor erhalten, der gegen PD1 gerichtet war, 80 % auch eine Immuntherapie gegen den Checkpoint CTLA4. 23 % der Patienten waren auch bereits mit einer zielgerichteten Therapie mit BRAF/MEK-Inhibitoren behandelt worden. Die Patienten wiesen bei Studieneinschluss eine hohe Tumorlast auf und 44 % hatten bereits Metastasen in Leber und Gehirn.

Unerwünschte Wirkungen und Komplikationen traten vor allem kurz nach der TIL-Infusion auf und nahmen dann innerhalb von 14 Tagen rasch ab – ein Vorteil der einmaligen Therapie, betonte Sarnaik. Häufige unerwünschte Wirkungen der Behandlung wie Zytopenien, Fieber, Fatigue, Hypotension oder Tachykardie entsprachen weitgehend den bei Lymphodepletion und Interleukin-2-Gabe zu erwartenden Nebenwirkungen. 2 Patienten verstarben innerhalb von 30 Tagen nach der Infusion, einer aufgrund einer intraabdominellen Blutung, einer wegen eines akuten Lungenversagens.

Die mediane Beobachtungsdauer in der aktuellen Auswertung betrug 18,7 Monate. Laut Sarnaik sprachen 36,4 % der fortgeschritten erkrankten und stark vorbehandelten Patienten auf die Lifileucel-Behandlung an. 22 Patienten (33 %) zeigten ein partielles, 2 (3 %) ein komplettes Ansprechen. 29 Patienten (44%) waren unter der Behandlung stabil, die Krankheitskontrollrate lag damit bei 80 %.

Die mediane Dauer des Ansprechens ist bislang noch nicht erreicht und das Ansprechen wurde bei vielen Patienten im Verlauf tiefer, betonte Sarnaik. Bei 16 Patienten hält das Ansprechen bereits mehr als ein Jahr an.

Unabhängig von Alter, Allgemein, Vorbehandlung, BRAF-Mutationsstatus oder PD-L1-Status war das Ansprechen vergleichbar gut. Selbst bei Patienten, die refraktär auf eine Anti-CTLA4-Therapie oder eine BRAF-Hemmung waren, sprachen in ähnlichem Umfang wie die Gesamtgruppe an, betonte Sarnaik. Nur bei Patienten mit einem Laktatdehydro­genasespiegel, der um mehr als das Doppelte gegenüber dem Normwert erhöht war, beobachteten die Forscher einen Trend zu einem geringen Ansprechen. © FK/aerzteblatt.de

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