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Medizin

T-DM1 kann adjuvanten Standard nicht ersetzen

Samstag, 30. Mai 2020

/dpa

Alexandria – Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) statt Taxan plus Trastuzumab führt nicht zu einer höheren Wirksamkeit oder weniger Nebenwirkungen in der adjuvanten Therapie des frühen HER2-positiven Mammakarzinoms. Das zeigte die anlässlich der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellte Primäranalyse der KAITLIN-Studie.

Die Standardtherapie des frühen Mammakarzinoms mit HER-Amplifikation oder – Überexpression ist eine Chemotherapie gefolgt von einer gegen HER2 gerichteten Therapie über eine Jahr. Rezidive bleiben aber ein Problem, insbesondere bei Patien­tinnen mit hohem Risiko. Zudem können die Nebenwirkungen der Therapie die Patientinnen erheblich belasten.

Mit der Phase-III-Studie KAITLIN hofften die Wissenschaftler um Nadia Harbeck vom Brustzentrum der Universität München (LMU) eine wirksamere und besser verträgliche Alternative etablieren zu können. Im Behandlungsregime mit einem Taxan und den HER2-gerichteten Wirkstoffen Trastuzumab und Pertuzumab wurde dazu Taxan und Trastuzumab durch T-DM1 ersetzt.

T-DM1 ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das aus dem Antikörper Trastuzumab und dem Chemotherapeutikum DM1 besteht, die stabil miteinander verbunden sind. Wenn T-DM1 in die Krebszellen aufgenommen wird, soll es diese durch Freisetzung von DM1 zerstören.

Wie Harbeck berichtete, nahmen an der randomisierten, offenen Studie 1.846 Patientinnen mit einem HER2-positiven frühen Mammakarzinom teil, das bereits reseziert worden war. Es wurden sowohl Patientinnen mit befallenen Lymphknoten eingeschlossen als auch Patientinnen mit hormonrezeptornegativem und nodal negativem Tumor, wenn dieser größer als 2 cm gewesen war.

Innerhalb von 9 Wochen nach der Operation begannen zunächst alle Patientinnen eine anhtrazyklinhaltige Chemotherapie über 3 bis 4 Zyklen. Anschließend erhielten die Patientinnen in der experimentellen Gruppe 18 3-wöchige Zyklen mit T-DM1 in einer Dosis von 3,6 mg/kg kombiniert mit Pertuzmab. Dabei lag die Startdosis des anti-HER2-Antikörpers bei 840 mg, anschließend wurde die Therapie mit 420 mg fortgesetzt.

Im Vergleichsarm der Studie bestand die Therapie aus 3 bis 4 Zyklen eines Taxans sowie Pertuzumab in derselben Dosierung wie in der experimentellen Gruppe. Wenn indiziert, war eine Bestrahlung oder endokrine Therapie nach mindestens 4 Zyklen der HER2-gerichteten Therapie möglich.

Die Studie hatte 2 primäre Endpunkte: zum einen das Überleben ohne invasive Krankheit (Invasive Disease Free Survival, IDFS) bei Patientinnen mit befallenen Lymphknoten, zum anderen das IDFS in der gesamte Population (Intention-to-Treat-, ITT-Population). Das Gesamtüberleben und verschiedene patientenberichtete Endpunkte sowie die Sicherheit wurden ebenfalls ausgewertet.

Wie Harbeck jetzt berichtete, wurden nach einer medianen Beobachtungszeit von 57 Monaten die vorab definierten Ziele der koprimären Endpunkte nicht erreicht. Bei den 1.658 nodal positiven Patientinnen war das IDFS-Risiko in beiden Studienarmen vergleich­­bar hoch. Die Hazard Ratio lag bei 0,97 und das 95-%-Konfidenzintervall überschritt die 1 (0,71 bis 1,32). Das auf 3 Jahre bezogene IDFS lag bei Standardtherapie bei 94,1 % und bei dem experimentellen Regime mit T-DM1 bei 92,8 %.

In der ITT-Kohorte waren die Ergebnisse mit denen der nodal positiven Patientinnen vergleichbar. Auch hier reduzierte T-DM1-Pertuzumab nicht das Risiko für ein IDFS-Ereignis. Die Hazard Ratio lag hier bei 0,98 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,72 bis 1,32 und einem 3-Jahres-IDFS von 94,2 % bzw. 93,1 % in den beiden Gruppen.

Subgruppenanalysen ergaben keinen Hinweis auf eine Patientenpopulation, die möglicherweise doch von dem Ersatz von Taxan-Trastuzumab durch T-DM1 profitieren könnte.

Auch die Nebenwirkungen waren mit T-DM1 und Perutuzumab nicht geringer als bei Standardbehandlung. Über die Hälfte der Patienten entwickelten in beiden Behand­lungs­gruppen im Studienverlauf Nebenwirkungen des Grads 3 und höher, mehr als 20 % auch schwere Nebenwirkungen. Zudem brachen im experimentellen Studienarm mit 16 % deutlich mehr Patientinnen die Therapie mit T-DM1 ab als in der Standardgruppe die Trastuzumab-Behandlung beendeten (4,0 %).

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Nur hinsichtlich der Verschlechterung der Lebensqualität zeigte sich ein kleiner Vorteil des T-DM1-Regimes: Sowohl der Gesundheitszustand als auch körperliche Funktion, Rollenfunktion und kognitive Funktion nahmen nach eigener Einschätzung der Patien­tinnen etwas weniger schnell ab als mit Taxan, Trastuzumab und Pertuzumab.

Und noch etwas Positives konnte Harbeck den vorgestellten Studienergebnissen abgewinnen: Sogar in der Hochrisikopopulation von Patientinnen mit befallenen Lymphknoten waren mit beiden Behandlungsregimen hohe IDFS-Raten erreicht worden. Die Chemotherapie mit dualer HER2-gerichteter Therapie bleibt nach diesen Ergebnissen aber weiter Standard beim frühen HER2-positiven Mammakarzinom mit hohem Risiko. © FK/aerzteblatt.de

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