NewsMedizinMetastasierter Brustkrebs: Soll der Primärtumor nach der Chemo raus?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Metastasierter Brustkrebs: Soll der Primärtumor nach der Chemo raus?

Samstag, 30. Mai 2020

/ZB - Fotoreport

Alexandria – Die Entfernung des intakten Primärtumors nach der Chemotherapie verbessert die Prognose von Frauen mit einem neu diagnostizierten metastasierten Brustkrebs nicht. Das zeigen die Ergebnisse der bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellten Studie E2108 (DOI: 10.1200/JCO.2020.38.18_suppl.LBA2) der Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG).

Wie Seema Ahsan Khan von der Northwestern University in Chicago erläuterte, haben etwa 6 % aller Frauen mit neu diagnostiziertem Brustkrebs eine metastasierte Erkrankung bei intaktem Primärtumor. Ergebnisse retrospektiver Studien hatten darauf hingedeutet, dass eine lokoregionäre Therapie möglicherweise das Überleben der Patientinnen verbessert. Bislang konnte dies aber noch nicht in randomisierten Studien zweifelsfrei geklärt werden.

Deshalb initiierte die ECOG-Studiengruppe die Phase-III-Studie E2108, die bei Patientinnen mit Stadium IV-Mammakarzinom eine lokoregionäre Therapie nach der initialen Chemotherapie mit einer palliativen Standardtherapie verglich.

Alle Studienteil­nehmerinnen erhielten zunächst entsprechend der Patientencharakter­istika und Tumormerkmale eine bestmögliche Systemtherapie. Trat innerhalb von 4 bis 8 Monaten danach kein Progress auf, wurden die Patientinnen randomisiert entweder einer Resektion des intakten Primärtumors unterzogen oder nicht. Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben, ein wesentlicher sekundärer Endpunkt war die lokoregionäre Tumorkontrolle.

Wie Khan berichtete, wurden 390 Patientinnen in der Studie registriert. 256 von ihnen konnten randomisiert werden, bei 131 erfolgte nur die systemische Therapie, bei 125 auch die Entfernung des Primärtumors. Nach median 59 Monaten waren 121 Patien­tinnen verstorben und 43 wiesen einen lokoregionären Progress der Erkrankung auf.

Über 3 Jahre hatten 68,4 % der Patientinnen, bei denen der Primärtumor entfernt worden war, und 67,9 % ohne diesen Eingriff überlebt, sodass sich kein Unterschied im primären Endpunkt ergab. Die Hazard Ratio betrug 0,9 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,80 bis 1,49 (p = 0,63). Auch das progressionsfreie Überleben war vergleichbar.

Allerdings wies 1/4 der Patientinnen ohne entfernten Primärtumor lokal ein Rezidiv oder einen Progress der Erkrankung auf. Dies war bei den operierten Patientinnen nur bei 10,2 % der Fall war (p = 0,003).

Die Entfernung des Primärtumors ging aber 18 Monate nach dem Eingriff mit einer schlechteren gesundheitsbezogenen Lebensqualität nach dem Fragebogen FACT-B (Functional Assessment of Cancer Therapy - Breast Cancer) einher. 6 Monate und 30 Monate nach Therapie fand sich kein Unterschied in der operierten und nicht operierten Gruppe.

Khan konstatierte, dass die frühe chirurgische Lokaltherapie das Überleben von Frauen mit einem metastasierten Mammakarzinom und intaktem Primärtumor nicht verbessern kann, obwohl die lokoregionäre Kontrolle nach Entfernung des Primärtumors 2,5 Mal besser war als bei alleiniger palliativer Therapie. © FK/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Juli 2020
Melbourne – Der PARP-Inhibitor Olaparib, der zur Behandlung des fortgeschrittenen Ovarial- und Mammakarzinoms bei Patientinnen mit BRCA1/2-Mutationen zugelassen ist, kann möglicherweise die
Brustkrebs: Behandlung mit Olaparib könnte ovarielle Reserve gefährden
5. Juni 2020
Alexandria – Die zielgerichtete Therapie mit Tucatinib zusätzlich zu Trastuzumab und Capecitabin verlängert deutlich das Überleben von Frauen mit einem metastasierten HER2-positiven Brustkrebs, die
Tucatinib verbessert Prognose des HER2-positiven Mammakarzinom auch bei Hirnmetastasen
5. Juni 2020
Alexandria – Auch mit längerer Beobachtungszeit belegt die MINDACT-Studie, dass es bei einigen Patienten mit Brustkrebs sicher möglich ist, nach dem MammaPrint-Testergebnis auf die Chemotherapie zu
Brustkrebs: Wann nach genetischem Testergebnis auf die Chemotherapie verzichtet werden kann
3. Juni 2020
Köln – Patientinnen nach der Menopause mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs können von einer initiale endokrinen Therapie mit Ribociclib
Brustkrebspatientinnen könnten von Ribociclib profitieren – aber deutliche Nebenwirkungen
30. Mai 2020
Alexandria – Eine Erstlinientherapie mit Pembrolizumab zusätzlich zur Chemotherapie senkt das Risiko für Progress oder Tod beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom (TNBC) mit PD-L1-Expression
PD1-Hemmer kann Progressrisiko beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom senken helfen
30. Mai 2020
Alexandria – Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) statt Taxan plus Trastuzumab führt nicht zu einer höheren Wirksamkeit oder weniger Nebenwirkungen in der adjuvanten Therapie des frühen HER2-positiven
T-DM1 kann adjuvanten Standard nicht ersetzen
28. Februar 2020
Köln – Biomarkertests für Frauen mit primärem Brustkrebs sollen Patientinnen identifizieren, die auf eine adjuvante Chemotherapie verzichten können, weil sie ein niedriges Rezidivrisiko haben. In der
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER