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Medizin

PD1-Hemmer kann Progressrisiko beim metastasierten tripelnegativen Mammakarzinom senken helfen

Samstag, 30. Mai 2020

/medistock, stock.adobe.com

Alexandria – Eine Erstlinientherapie mit Pembrolizumab zusätzlich zur Chemotherapie senkt das Risiko für Progress oder Tod beim metastasierten tripelnegativen Mamma­karzinom (TNBC) mit PD-L1-Expression um 35 % im Vergleich zur Chemotherapie alleine.

Das berichtete Javier Cortes vom IOB Institut für Onkologie der Klinik Vall d´Hebron in Barcelona anlässlich der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO)

Etwa 15 bis 20 % aller Patientinnen mit der Diagnose Mammakarzinom leiden an einem TNBC. Das TNBC stellt einen besonders aggressiven Brustkrebstyp dar, der bereits in den ersten 5 Jahren nach Diagnose häufig Rezidive bildet. Daher ist der Bedarf an neuen Therapieoptionen groß.

Der Antikörper Pembrolizumab hemmt den Immuncheckpoint PD1 (programmed cell death 1). Pembrolizumab hatte bereits als Monotherapie eine Aktivität beim metasta­sierten TNBC gezeigt. In der placebokontrollierten Studie KEYNOTE-355 (Journal of Clinical Oncology, 2020; DOI: 10.1200/JCO.2018.36.5_suppl.TPS18) wird der Immun­checkpoint-Inhibitor nun zusammen mit einer Chemotherapie beim unbehandelten lokal fortgeschrittenen oder metastasierten TNBC untersucht.

Die Art der Chemotherapie (nabPaclitaxel, Paclitaxel oder Gemcitabin/Carboplatin) wählten die Prüfärzte aus. Randomisiert werden konnten auch Patienten, die in kurativer Absicht mit einem TNBC des Stadiums I bis III bereits zuvor eine Chemotherapie erhalten hatten. Dann musste die seitdem mindestens 6 Monate krankheitsfrei gewesen sein.

Die Randomisierung der Patientinnen erfolgte im Verhältnis 2 : 1 in 2 Gruppen mit einer Behandlung mit Pembrolizumab und Chemotherapie oder mit Placebo und Chemothera­pie. Die Gabe von Pembrolizumab (200 mg intravenös an Tag 1 jedes 3-wöchigen Zyklus) oder Placebo konnte bis zu 35 Mal fortgesetzt werden und endete bei Fortschreiten der Erkrankung oder wenn die Nebenwirkungen der Therapie nicht toleriert wurden.

Es gab 2 primäre Endpunkte: Das progressionsfreie Überleben nach einer verblindeten, zentralen Begutachtung gemäß RECIST v1.1-Kriterien und das Gesamtüberleben je nach PD-L1-Expression im Tumor (CPS ≥10 oder ≥1).

Cortes berichtete über die Ergebnisse der 566 Patientinnen mit Pembrolizumab-Chemotherapie (mittlere Beobachtungszeit 17,5 Monate) und von 281 Patienten im Vergleichsarm der Studie (mittlere Beobachtungszeit 15,5 Monate).

Das progressionsfreie Überleben der Patientinnen betrug mit der Kombination Pembrolizumab-Chemotherapie 7,5 Monate, mit Placebo 5,6 Monate. Die Hazard Ratio lag bei 0,82, das 95-%-Konfidenzintervall bei 0,69 bis 0,97. Allerdings erreichte der Unterschied zwischen den Studienarmen damit nicht die vorab festgelegte notwendige Größenordnung.

Die Analyse des progressionsfreien Überlebens nach PC-L1-Expression zeigte, welche Patientinnen deutlicher von der Kombinationstherapie profitieren. In der Subgruppe der Patienten mit eine CPS ≥1 profitierten die Patienten ähnlich von dem Immuncheckpoint-Inhibitor wie die Gesamtgruppe. Das progressionsfreie Überleben lag mit Pembrolizu­mab bei 7,6 Monaten und mit Placebo bei 5,6 Monaten, die Hazard Ratio betrug 0,74 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,61 bis 0,90 (p = 0,0014).

Noch deutlicher fiel der Vorteil für die Pembrolizumab-Kombinationstherapie bei den Patienten aus, die eine hohe PD-L1-Expression (CPS ≥10) aufwiesen. In dieser Gruppe wurde das auch vordefinierte Ziel für einen klinisch relevanten Vorteil für Pembrolizu­mab in Kombination mit der Chemotherapie deutlich übertroffen.

Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei den der Patientinnen, die mit Pembro­lizumab plus Chemotherapie behandelt worden waren, bei 9,7 Monaten und bei denjenigen, die Placebo und Chemotherapie erhalten hatten, bei 5,6 Monaten. Die Hazard Ratio betrug hier 0,65 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,49 bis 0,86 und einem p-Wert von 0,0012.

Die Häufigkeit schwerer unerwünschter Ereignisse vom Grad 3 und mehr waren mit Pembrolizumab kaum höher als in der Vergleichsgruppe (68,1 % vs. 66,9 %). 2 Patientinnen verstarben, beide in der Pembrolizumab-Chemotherapie-Gruppe. 5,5 % der Patienten in diesem Kombinationsarm entwickelten immunassoziierte Nebenwirkungen eines Schweregrads 3 oder 4 oder Infusionsreaktionen, die in der Vergleichsgruppe in keinem Fall registriert wurden.

Zuverlässige Daten zum Gesamtüberleben liegen aufgrund der Kürze der Beobachtung bislang noch nicht vor. Cortes betont aber schon jetzt den klinisch relevanten Vorteil der Pembrolizumab-Chemotherapie-Kombination für Frauen mit einem inoperablen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten TNBC, wenn der Tumor den Biomarker PD-L1 stark exprimiert. © FK/aerzteblatt.de

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