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Medizin

Schwangerschaft: Forscher entdecken natürliche „Pumpe“ für die Plazenta

Dienstag, 16. Juni 2020

/Crystal light, stock.adobe.com

Nottingham – Die Plazenta ist nicht wie bisher angenommen ein unbewegliches Organ an der Wand des Uterus. Es kommt vielmehr zu regelmäßigen „Kontraktionen“, die von der darüber liegenden Uterusmuskulatur ausgelöst werden und die laut einer Studie in PLOS Biology (2020; DOI: 10.1371/journal.pbio.3000676) den Abtransport des venösen Blutes aus der Plazenta in den Kreislauf unterstützen.

Die Plazenta versorgt den Feten mit Nährstoffen und Sauerstoff und entfernt Stoffwechselschlacken und Kohlendioxid. Der Austausch erfolgt im intervillösen Raum. Hier sind der Blutkreislauf der Mutter und der fetale Kreislauf allerdings anatomisch klar getrennt.

Das Blut der Mutter umspült die Zotten des fetalen Kreislaufs, die mit zahlreichen Verästelungen baumartig in den intervillösen Raum ragen. Blutgase und Nährstoffe überwinden die trennende Zellschicht per Diffusion oder durch aktiven Transport.

Ein Team um Penny Gowland von der Universität Nottingham in England hat den Blutfluss in der Plazenta mit der Phasenkontrast-Angiographie (PCA), einer Variante der Magnet­resonanztomografie, genauer untersucht. Ähnlich wie bei der Doppler-Sonografie wird der Blutfluss farblich dargestellt.

Dort ist erkennbar, wie das Blut über die Spiralarterien mit höherer Geschwindigkeit in den intervillösen Raum gespritzt wird. Im intervillösen Raum fällt die Blutflussgeschwin­digkeit deutlich ab. Gowland vermutet, dass der langsame Blutfluss eine Voraussetzung für einen effektiven Austausch ist.

Die Untersuchungen an 34 gesunden Schwangeren und 13 Frauen mit Präeklampsie deuten darauf hin, dass die Blutflussgeschwindigkeit bei Schwangeren mit Präeklampsie stärker variiert, was den Austausch der Nährstoffe stören und die intrauterinen Wachs­tums­­störungen der Feten erklären könnte.

Die eigentliche Überraschung der Studie war jedoch, dass das Volumen der Plazenta regelmäßigen Schwankungen unterliegt. Das Organ verkleinert sich periodisch. Die Kontraktionen erfolgen im Abstand von etwa 10 Minuten. Dabei vermindert sich das Volumen der Plazenta um bis zu 40 %.

Verursacht wird dies durch die Kontraktion der darüber liegenden Uterusmuskulatur. Sie bleiben von den Schwangeren unbemerkt im Gegensatz zu den „Braxton-Hicks“-Kontraktionen oder Vorwehen, bei denen sich der gesamte Uterus kontrahiert.

Die Forscher bezeichnen die neu entdeckten Bewegungen als „utero-plazentare“ Pumpe. Ihr Zweck sei wohl, die regelmäßige Entleerung des intervillösen Raums zu unterstützen, vermutet Gowland. Es bleibt abzuwarten, ob die Befunde von anderen Gruppen bestätigt werden können. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #727359
svenne
am Samstag, 20. Juni 2020, 06:51

Was sind stoffwechselschlacken?

Könnte der Autor des Textes erläutern, was unter "Stoffwechselschlacken" in diesem Zusammenhang zu verstehen ist?
Vielen Dank
LNS

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