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Medizin

Infektion mit SARS-CoV-2 erhöht postoperative Sterblichkeit

Dienstag, 2. Juni 2020

/beerkoff, stock.adobe.com

Birmingham – Chirurgische Patienten haben bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 ein deutlich erhöhtes Risiko auf einen tödlichen Verlauf von COVID-19. In einer internationalen Kohortenstudie im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31182-X) starb fast jeder vierte Patient innerhalb von 30 Tagen nach der Operation.

Auf dem Höhepunkt der COVID-19-Epidemie haben viele Kliniken chirurgische Eingriffe auf ein Minimum begrenzt. Nicht immer lassen sich Operationen jedoch vermeiden. Die „COVIDSurg Collaborative“ hat jetzt die Ergebnisse von 1.128 SARS-CoV-2 infizierten Patienten zusammengetragen, die bis Ende März an weltweit 235 Kliniken (darunter 4 in Deutschland) operiert wurden.

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Bei 3/4 handelte es sich um eine Notoperation, bei dem anderen Viertel waren die Operation geplant. Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten wurde die Infektion erst nach der Operation bemerkt.

Wie ein Team um Aneel Bhangu von der Universität Birmingham berichtet, betrug die 30-Tage-Gesamtmortalität 23,8 %. Am höchsten war sie nach größeren Eingriffen wie Hüft- oder Darmkrebsoperationen (26,9 %). Aber auch nach vergleichsweise kleineren Opera­tionen wie Appendektomie oder Hernienreparatur starben 16,3 % der Patienten.

Die Mortalität war nach Notfalloperationen höher als nach geplanten Eingriffen (25,6 % versus 18,9 %). Die Mortalität war bei Männern höher als bei Frauen (28,4 % versus 18,2 %) und bei Patienten ab 70 Jahren) höher als bei jüngeren Patienten (33,7 % versus 13,9 %).

Die Todesfälle wurden zu 82,6 % durch pulmonale Komplikationen verursacht, die bei etwa der Hälfte der Patienten auftraten. Die Mortalität der Patienten mit Lungenkompli­ka­tionen betrug 38,0 %.

Obwohl die Studie keine Vergleichsgruppe hatte, dürfte kaum daran zu zweifeln sein, dass die Infektion mit SARS-CoV-2 für den Anstieg der Mortalität verantwortlich war, die nach elektiven Operationen normalerweise bei etwa 1 % liegt.

Der Editorialist Paul Myles von der Monash University in Melbourne vermutet allerdings, dass die Zahlen die Situation dramatischer darstellen, als sie in Wirklichkeit ist. Es sei wahrscheinlich, dass Patienten mit einem ereignislosen postoperativen Verlauf seltener auf SARS-CoV-2 getestet und daher nicht in die Analyse einbezogen wurden. Dadurch könnte sich ein „Ascertainment bias“ ergeben, der die Ergebnisse verzerrt.

Zu bedenken sei auch, dass die meisten Patienten aus Italien, Spanien, Großbritannien und den USA gemeldet wurden, deren Gesundheitssysteme in der frühen Phase der COVID-19-Pandemie weitgehend überfordert waren, was ebenfalls zu schlechteren Behand­lungsergebnissen führen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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