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Medizin

Multiplen Krebserkrankungen auf der Spur

Freitag, 5. Juni 2020

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Alexandria – Einige Menschen entwickeln im Verlauf ihres Lebens mehrere primäre Krebserkrankungen. Einige dieser Krebserkrankungen treten dabei häufiger bei ein und demselben Patienten auf als andere, wie anlässlich der virtuellen Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) berichtet wurde (DOI: 10.1200/JCO.2020.38.15_suppl.1502).

17 % der Patienten mit einer Krebsdiagnose waren in den USA schon vorher einmal an einem andern Primärtumor erkrankt, berichtete Karen Anne Cadoo vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York.

Solche Patienten mit 2 und mehr Malignomen untersuchte sie mit ihren Co-Autoren hinsichtlich ihrer Charakteristika und genetischen Eigenschaften. Das Ziel war, Treiber­mutationen zu identifizieren, die eine Grundlage für die genetische Beratung sein können. Nicht melanozytäre Hautkrebserkrankungen wurden dabei nicht in die Auswertungen einbezogen.

Patienten hatten prospektiv einem Test mit dem Next-Generation-Sequencing Panel MSK-IMPACT mit potenziellen Krebsgenen zugestimmt. Ein Teil der Patienten war auch mit der Analyse von 76 Keimbahnmutationen, die für Krebs prädisponieren, einverstanden.

Von den 24.417 mit MSK-IMPACT untersuchten Patienten wiesen 4.341 (18 %) multiple primäre Krebserkrankungen auf. 80 % dieser Patienten waren an 2 Karzinomen im Verlauf ihres Lebens erkrankt, 16 % an 3 und 4 % sogar an mehr als 4 Krebserkrankungen.

Die höchste Zahl an Krebserkrankungen hatte ein Patient mit 7 Karzinomen. 44 % der Patienten waren männlich. Das mediane Alter bei der ersten Krebsdiagnose lag bei 58 Jahren, vor dem 18. Lebensjahr waren nur 2 % der Patienten erstmals an Krebs erkrankt. Gut die Hälfte (51 %) der Krebspatienten hatte irgendwann geraucht.

Die Forscher verglichen die Assoziation von Karzinomen jeweils paarweise. Für Kombinationen, die bei mindestens 5 Patienten auftraten, wurden altersadjustierte, geschlechtsspezifische, standardisierte Inzidenzverhältnisse (SIR) errechnet.

Bei Männern fanden sich besonders häufig die Kombinationen Blasen- und Prostata­karzinom (7 %), 2 unabhängige Melanome (6 %) und Prostata- und Lungenkarzinom (6 %). Prostatakarzinom ist eine häufige Krebserkrankung und so fand sich das Prostata­karzinom auch in 7 der häufigsten Karzinompaare, erklärte Cadoo.

Bei Frauen waren 2 unabhängige Mammakarzinome das am häufigsten vorkommende Paar (15 %) gefolgt von Brust- und Lungenkrebs (8 %) und 2 Lungenkarzinomen (6 %). Das Mammakarzinom als häufige Krebserkrankung der Frau war hier sogar bei 9 der Paare vertreten.

Bei den Männern ergab sich die höchste altersadjustiert SIR für ein Melanom nach einem ersten Melanom (SIR 28,2) gefolgt von einem Pankreaskarzinom nach einem Melanom (SIR 10,61), einem Kolonkarzinom nach einem vorangegangenen Kolonkarzinom (SIR 7,75) sowie einem Pankreas- nach einem Prostatakarzinom (SIR 7,46).

Bei Frauen war die altersadjustierte SIR für ein Melanom nach einem ersten Melanom mit 38,9 noch höher. Besonders häufig fand sich auch ein Ovarialkarzinom nach einem Uterus­­karzinom (SIR 18,62) oder nach einem Melanom (SIR 14,73).

Ebenfalls war die SIR hoch für ein Pankreaskarzinom nach einem Melanom (SIR 13,24), für einen Lungenkrebs nach einer ersten Lungenkrebserkrankung (SIR 12,99) und einem Pankreaskarzinom nach einem Mammakarzinom (SIR 10,17). Diese Inzidenzraten liegen klar über dem, was man normalerweise erwarten würde, erklärte Cadoo.

Bei 324 der 1.580 Patienten (21 %) mit einem Keimbahnmutationstest fand sich eine pathogene oder wahrscheinlich pathogene Genvariante. In 48 % war dies eine Verän­derung mit hoher Penetranz, in 20 % mit moderater Penetranz. Die übrigen Varianten waren von geringer Penetranz oder unklarer Signifikanz.

Von 159 Patienten mit einer Keimbahnmutation mit hoher Penetranz waren 132 (84 %) an mindestens einem Tumor erkrankt, der mit dieser Keimbahnmutation assoziiert ist. Die häufigsten krebsassoziierten Mutationen mit hoher Penetranz waren Veränderungen von BRCA 2 (45 von 159 Patienten) und BRCA 1 (30 von 159 Patienten) sowie MSH2 (23 von 159 Patienten).

55 % der Patienten wiesen einen „loss of heterogenity“ auf, unter den Patienten mit Keimbahnmutationen hoher Penetranz waren es sogar 69 %. Aktuell laufen am Memorial Sloan Kettering Cancer Center weitere Untersuchungen mit Patienten mit multiplen Primärtumoren, beispielsweise zum Vergleich der Allelhäufigkeiten dieser Patienten mit Patienten, die nur an einem Krebs erkrankt sind. © FK/aerzteblatt.de

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