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Während Coronakrise auf psychische Gesundheit achten

Dienstag, 2. Juni 2020

/Racle Fotodesign, stock.adobe.com

München – Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat an die Menschen im Frei­staat appelliert, während der Pandemie auf ihre psychische Gesundheit zu achten. „Coro­na hat unser Leben stark verändert. Die meiste Zeit zu Hause zu verbringen, eventuell nicht mehr zur Arbeit gehen zu können und nur noch eingeschränkte Kontaktmöglich­kei­ten zu haben, war und ist für alle Menschen eine neue, zum Teil psychisch sehr belasten­de Situation“, sagte die CSU-Politikerin.

Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen könnten sich Beschwerden während der Krise verstärken. Aus diesem Grund müsse das Bewusstsein für mögliche Folgen der Pan­demie auf die eigene psychische Gesundheit und die der Mitmenschen wachsen, forderte Huml. Die Kampagne des Gesundheitsministeriums „Bitte stör mich – Aktiv gegen De­pres­sionen“ werde darum aktuell auf das Thema Corona ausgeweitet.

Der Ministerin zufolge sollen die Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Bayern generell erweitert werden. Ab Juli 2021 sollen zum Beispiel bayernweit Krisen­dienste für Menschen in psychischen Notlagen rund um die Uhr erreichbar sein.

Bei der Hotline des Krisendienstes Psychiatrie hat sich die Zahl der Anrufe nach einer kurzzeitigen Steigerung auf rund 180 Anrufe pro Tag zu Beginn der Krise wieder auf das Normalmaß von 140 pro Tag eingependelt, teilte die zuständige Regierung von Ober­bayern auf Anfrage mit.

„Viele Menschen waren besorgt und verängstigt“, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. „Häu­fig genannte Problemfelder sind Ängste vor Ansteckung, Isolation, Überforderung mit der Situation vor allem für Familien mit Kindern und für Alleinlebende“. Dazu kämen Zukunftssorgen, Angst um an COVID-19 erkrankte Angehörige oder um den Arbeitsplatz.­­

Grundsätzlich sei die Situation für Menschen, die ohnehin schon an einer psychischen Erkrankung wie einer Depression leiden, besonders schwierig. „Wenn jemand vor der Coronakrise bereits seelisch unter Druck stand, kann die aktuelle Situation das berühmte Fass zum Überlaufen bringen“, sagte die Sprecherin. „Durch die Belastung kann getriggert werden, was vorher gerade noch unter Kontrolle war.“

Viele Menschen seien in der Krise erstmal damit beschäftigt, den Alltag zu organisieren, sagte der Ärztliche Direktor des Isar-Amper-Klinikums in Haar bei München, Peter Brie­ger: „Wie versorge ich mein Kind, wie besorgen ich Klopapier?“ Wenn der Lockdown noch länger gedauert hätte, hätte die Situation schwieriger werden können. Und auch so be­fürchtet er eine „Bugwelle mit ein paar Wochen Verzögerung“. Denn psychische Auswir­kun­gen der Krise träten erst zeitverzögert ein.

„Es könnte sein, dass jetzt so viele soziale Faktoren in die Brüche gehen“, sagte Brieger: „Dauerhaft Kurzarbeit, Arbeitsverhältnisse gehen verloren, Partnerschaften gehen in die Brüche, finanzielle Belastungen entstehen oder die Leute betrinken sich daheim aus Lan­geweile. Das sind alles Risikofaktoren für Suizid.“ Und noch einen Risikofaktor sieht er: „Ich glaube, langfristig ist Homeoffice nicht gut für die seelische Gesundheit von Men­schen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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