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Medizin

GnRH-Antagonist Relugolix bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom wirksamer

Mittwoch, 17. Juni 2020

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Myrtle Beach/South Carolina – Der orale GnRH-Antagonist Elagolix hat in einer Phase- 3-Studie die Testosteronwerte von Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom rascher gesenkt und häufiger eine chemische Kastration erreicht als das langjährige Standardmedikament Leuprolid.

Ein wesentlicher Vorteil könnte laut der Studie im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2004325) die deutlich niedrigere Rate von Herz-Kreislauf-Ereignissen gewesen sein. Die Ergebnisse wurden auch auf der in diesem Jahr virtuellen Tagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt.

Die Entdeckung des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) Anfang der 1970er Jahre und die folgende Entwicklung von Leuprolid hat Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom die früher übliche operative Entfernung der Hoden (Kastration) erspart.

Der GnRH-Agonist (oder eines seiner Nachfolgeprodukte) steigert anfangs zwar die Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH aus der Hypophyse, was die Testosteron­produktion steigert. Nach einigen Wochen kommt es aufgrund einer Desensitisierung der Rezeptoren an der Hypophyse jedoch zu einem Abfall der Hormone, was als „chemische Kastration“ bezeichnet wird.

Mittlerweile ist es möglich, die chemische Kastration mit GnRH-Antagonisten auch ohne anfänglichen Hormonschub zu erzielen. Der erste GnRH-Antagonist Degarelix hat allerdings den Nachteil, dass er monatlich injiziert werden muss, was häufig zu Lokal­reaktionen führt. Der neue GnRH-Antagonist Relugolix, der in Japan bereits zur Behandlung von Uterusmyomen zugelassen ist, ist dagegen oral verfügbar.

Der Hersteller hat das Mittel in der HERO-Studie an 930 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom mit Leuprolid verglichen. Insgesamt 622 Patienten wurden mit Relugolix behandelt, die anderen 308 Patienten wurden auf Injektionen mit Leuprolid im Abstand von 3 Monaten randomisiert.

Primärer Endpunkt der Studie war die Suppression der Testosteronkonzentration im Blut unter das „Kastrationslevel“ von 50 ng/dl. Dies wurde unter der Behandlung mit Relugolix bei der Mehrzahl der Patienten bereits nach 4 Tagen erreicht, während es unter der Behandlung mit Leuprolid zu dem erwarteten anfänglichen Hormonschub kam. Nach etwa 4 Wochen wurde aber auch in dieser Gruppe das „Kastrationslevel“ erreicht. Für den primären Endpunkt maßgeblich war der Zeitraum zwischen der 5. Woche bis zum Ende der Studie nach der 48. Woche.

Wie Neal Shore vom Carolina Urologic Research Center in Myrtle Beach/South Carolina und Mitarbeiter berichten, erreichten in der Relugolix-Gruppe 96,7 % (95-%-Konfidenzintervall 94,9 bis 97,9 %) eine chemische Kastration gegenüber 88,8 % (84,6 bis 91,8 %) in der Leuprolid-Gruppe. Die Differenz von 7,9 %-punkten (4,1 bis 11,8 %-punkte) war signifikant und dokumentiert damit eine Überlegenheit von Relugolix.

Da Relugolix nicht schlechter verträglich ist als Leuprolid (eine Ausnahme ist die höhere Rate von Diarrhöen und Obstipationen) und bisher keine Sicherheitsprobleme auftraten, sind damit im Prinzip die Voraussetzungen für die Zulassung gegeben, die der Hersteller in den USA dieser Tage auch beantragt hat.

Der GnRH-Antagonist Relugolix könnte noch einen weiteren wichtigen Vorteil gegenüber Leuprolid (und anderen GnRH-Agonisten) haben. Unter der Behandlung kam es signifikant seltener zu kardiovaskulären Ereignissen.

Die Häufigkeit von schweren kardiovaskulären Komplikation (MACE) betrug 2,9 % gegenüber 6,2 % in der Leuprolid-Gruppe (Hazard Ratio 0,46; 0,24 bis 0,88). Besonders deutlich war der Unterschied bei den Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen in der Vorgeschichte. Die Häufigkeit von MACE betrug hier in der Leuprolid-Gruppe 17,8 % gegenüber 3,6 % in der Relugolix-Gruppe.

Patienten mit Prostatakarzinom befinden sich in der Regel in einem höheren Alter, in dem kardiovaskuläre Erkrankungen häufig sind. Da das Prostatakarzinom langsam voranschrei­tet, sterben mehr Patienten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als am Tumor.

Es ist deshalb wichtig, dass die Krebsbehandlung das MACE-Risiko nicht weiter erhöht, weshalb Relugolix insbesondere bei Patienten mit Vorerkrankungen die bessere Wahl sein könnte, wie Celestia Higano von der University of Washington in Seattle im Editorial schreibt. © rme/aerzteblatt.de

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