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Politik

Organspende: Positive Tendenz trotz Coronapandemie

Freitag, 5. Juni 2020

Axel Rahmel (links), Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Jens Spahn (CDU, Mitte), Bundesge­sundheitsminister, und Kati Jordan, Oberärztin im Auguste-Viktoria-Klinikum. /picture alliance, Britta Pedersen

Berlin – Anlässlich des morgigen Tags der Organspende hat Bundesgesundheits­minister Jens Spahn (CDU) heute den positiven Trend bei diesem schwierigen Thema gewürdigt. „Die Aufmerksamkeit für die Organspende ist so groß wie nie", sagte Spahn in Berlin.

Im ersten Quartal 2020 seien trotz der Coronapandemie mehr Organe gespendet sowie deutlich mehr Spendenausweise bestellt und ausgefüllt worden. Konkret stieg die Anzahl der gespendeten Organe im Vergleichszeitraum des Vorjahres von 1.254 auf 1.300 Orga­ne.

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Als Hauptgrund für die erhöhte Aufmerksamkeit nannte Spahn die breite gesellschaft­li­che Debatte über eine Neuregelung der Organspende im vergangenen Jahr. „Diesen Rü­ckenwind sollten wir jetzt gemeinsam nutzen“, betonte der Bundesgesundheits­minister.

Er appellierte an alle Bürger sich zu informieren und eine persönliche Entscheidung zu treffen und diese auch zu dokumentieren. „Das gibt nicht nur Ärztinnen und Ärzten, son­dern auch Ihren nächsten Angehörigen die nötige Sicherheit“, erklärte der Minister.

Dass die Zahl der tatsächlichen Organspenden im ersten Quartal 2020 trotz der Pande­mie im Vergleich zum Vorjahresvergleich um acht Prozent stieg, würdigte insbesondere der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel.

Im Januar und Februar habe es im Vorjahresvergleich sogar einen Zuwachs von rund 30 Prozent gegeben. Aber auch in den anderen Monaten hätten in Deutschland Organspen­den und Transplantationen fast uneingeschränkt stattfinden können, während es in eini­gen Ländern wie Frankreich oder Spanien zu massiven Einbrüchen bei der Organspende gekommen wäre.

Auch das grundsätzliche Interesse an der Organspende sei in Deutschland 2020 deutlich gewachsen: Von Januar bis Ende April sind rund 2,23 Millionen Organspendeausweise bestellt worden, etwa 33 Prozent mehr als sonst.

„Die Maßnahmen des vergangenen Jahres haben unserer Einschätzung nach also bereits erste Wirkungen gezeigt“, konstatierte Rahmel. Die Frage nach einer möglichen Organ­spende am Lebensende werde in vielen Kliniken immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Besonders wichtig sei weiterhin, die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken zu stärken. „Denn sie haben eine Schlüsselrolle im Organspendeprozess.“

Dies bestätigte Kati Jordan, eine der rund 1.600 Transplantationsbeauftragten in Deutsch­land. Als Oberärztin im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin erlebe sie täglich, dass die Neuerungen des Gesetzes aus 2019 relevante strukturelle Verbess­erungen im klinischen Alltag brächten.

„Mehr Zeit für die Gespräche mit den Angehörigen war dabei für uns das größte Ge­schenk“, sagte sie. „Die meisten Transplantationsbeauftragten vor Ort auf den Intensiv­sta­tionen nehmen ihre Aufgaben sehr ernst und möchten der Verantwortung ausreichend gerecht werden können. Dafür hat das Gesetz endlich die Grundlage geschaffen.“

Morgen am bundesweiten Tag der Organspende soll unter dem Motto „Richtig. Wichtig. Lebenswichtig“ wieder ein Zeichen für die Bedeutung der persönlichen Entscheidung beim Thema Organspende gesetzt werden – wenn auch nur virtuell in diesem Jahr. Denn aufgrund der Coronapandemie findet der Tag der Organspende ausschließlich online statt.

Bei der Online-Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ sind alle Organempfänger bundesweit aufgerufen, ihre Botschaft des Dankes mit einem Bild auf www.organspendetag.de/aktionstag hochzuladen. Aber nicht nur Organempfänger – auch alle anderen Bürger sind eingeladen, aktiv im Netz bei der Aktion mitzumachen.

„Mehr geschenkte Lebensjahre für Organempfänger – die Organspende in Deutschland entwickelt sich in die richtige Richtung“, betonte Bundes­ärzte­kammerpräsident Klaus Reinhardt vor dem Tag der Organspende. Offensichtlich habe die intensive gesellschaft­liche und politische Debatte Anfang des Jahres über die Neuregelung der Organspende dieses wichtige Thema etwas stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

„Wir dürfen aber jetzt nicht nachlassen, das Interesse der Menschen an der Organspende weiter wachzuhalten. Nur so lässt sich diese Entwicklung verstärken“, sagte Reinhardt und verwies darauf, dass viele Menschen der Organspende grundsätzlich positiv gegen­über­stehen.

Alle seien aufgerufen, die vielfältigen Informationsangebote zur Organspende zu nutzen und dann auch den entscheidenden Schritt weiter zu gehen und die persönliche Einstell­ung zu dokumentieren. „Der Tag der Organspende ist eine gute Gelegenheit, über dieses wichtige Thema nachzudenken und einen Organspendeausweis auszufüllen“, betonte der Bundes­ärzte­kammerpräsident.

Danke an Spender

Auch viele Präsidenten von Lan­des­ärz­te­kam­mern appellierten daran, am bevorstehenden Tag der Organspende allen Organspendern zu gedenken sowie ihnen und ihren Angehöri­gen einen großen Dank auszusprechen.

„Wir sagen Danke für diese Geschenke, die anderen Menschen das Leben retten. Organ­spende bedeutet mehr Lebenszeit und Lebensqualität für diejenigen, die verzweifelt auf der Warteliste für ein neues Organ stehen“, erklärten beispielsweise der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Hans-Albert Gehle, und der Ehrenpräsident der Kammer, Theodor Windhorst.

„Wir alle sind nach wie vor gefragt, die Organspende in Deutschland zu stärken. Es ist wichtig, dass sich jeder Einzelne die Frage stellt, ob er Organspender werden möchte“, betonte Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein. „Wir müssen die Organspende zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema machen, mehr über sie reden und mehr Aufklärung betreiben“, so der Kammerpräsident.

Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, mahnte, auch in Zeiten von Corona nicht aus den Augen zu verlieren, dass in Deutschland immer noch jeden Tag Menschen sterben, denen mit einer Transplantation hätte geholfen werden können.

Er hätte sich gefreut, wenn mehr Politiker den Mut gehabt hätten, sich für die doppelte Widerspruchslösung zu entscheiden und dem Ansatz so zu einer Mehrheit zu verhelfen. „Aber nun müssen wir umso mehr auf die Kraft der guten Argu­mente setzen“, so Emami.

Jeder, der sich für Organspende entscheide, schenke durchschnittlich drei Schwerkranken eine neue Lebenschance, erläuterte Günther Matheis, Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz, anlässlich des morgigen bundesweiten Tags der Organspende.

„Jeder einzelne von uns ist gefordert, sich verantwortungsvoll mit der Organspende zu befassen und sich im besten Fall auch positiv zur Organspende zu bekennen und diese Entscheidung auch zu dokumentieren.“

Die Befürchtung, dass bei Vorliegen eines Organspende-Ausweises im Notfall nicht mehr alles medizinisch Mögliche getan wird, sei völlig unbegründet“, erklärte der Ärzte­kam­mer­präsident. © ER/aerzteblatt.de

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