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Medizin

COVID-19: Erste Erfahrungen mit Favipiravir aus Japan

Mittwoch, 3. Juni 2020

/picture alliance, Kimimasa Mayama

Toyoake/Japan – Viele Kliniken in Japan setzen zur Behandlung von COVID-19 das Grippemedikament Favipiravir ein. Nach den jetzt vorgestellten klinischen Erfahrungen eines „Compassionate Use“-Programms dürfte die Wirksamkeit vor allem bei schweren Erkrankungen begrenzt sein.

Favipiravir ist gewissermaßen die japanische Version von Remdesivir. Beide Wirkstoffe hemmen in ähnlicher Weise die RNA-abhängige RNA-Polymerase, die RNA-Viren wie SARS-CoV-2 zur Replikation benötigen.

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Beide Wirkstoffe wurden während der Ebola-Epidemie in Westafrika im Rahmen von „Compassionate Use“-Programmen eingesetzt, so dass klinische Erfahrungen vorliegen. Im Gegensatz zu Remdesivir ist Favipiravir bereits zugelassen: In Japan wird es seit 2014 als Reservemittel zur Behandlung der Influenza eingesetzt. In China wird es seit 2016 produziert, Russland hat dieser Tage die Zulassung erteilt.

Die japanischen Behörden hatten im Februar ein „Compassionate Use“-Programm für Favipiravir genehmigt und ein Register eingerichtet, dass die Erfahrungen sammelt. Bis zum 15. Mai wurden an 407 Kliniken 2.158 COVID-19-Patienten mit Favipiravir behandelt (von derzeit mehr als 16.000 bekannten Infektionen in Japan).

Favipiravir wurde zusätzlich zur üblichen Behandlung von schweren viralen Infekten eingesetzt, zu der auch andere Virustatika wie Lopinavir/Ritonavir gehören und das inhalative Steroid Ciclesonid.

Wie Yohei Doi von der Fujita Health University in Toyoake bei Nagoya und Mitarbeiter mitteilen, hatten 976 Patienten (45,2 %) eine leichte Erkrankung ohne Sauerstoffgabe. Bei 947 Patienten (43,9 %) wurde eine mittelschwere Erkrankung mit Sauerstoffbedarf diagnostiziert. Die übrigen 239 Patienten (10,9 %) hatten eine schwere Erkrankung, die eine mechanische Beatmung oder eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) erforderlich machten.

Unter den leicht erkrankten Patienten kam es nach 14 Tagen bei 87,8 % zu einer klinischen Verbesserung. Immerhin 5,1 % der Patienten waren jedoch an COVID-19 gestorben.

Von den mittelschwer erkrankten Patienten waren nach 14 Tagen 84,5 % auf dem Weg der Besserung. Die Mortalität betrug hier 12,7 %. Bei den schwer erkrankten Patienten kam es zu 60,3 % zu einer Verbesserung. Die Sterblichkeit war mit 31,7 % jedoch erheblich.

Ob die Sterblichkeit ohne Favipiravir noch höher gewesen wäre, lässt sich mangels Vergleichsgruppe nicht abschätzen. Die Sterblichkeit der mechanisch beatmeten Patienten war jedoch höher als im „Compassionate Use“-Programm zu Remdesivir, wo es nach den vor 3 Wochen vorgestellten Ergebnissen zu 6 Todesfällen unter 34 invasiv beatmeten Patienten (18 %) gekommen war (NEJM 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2007016).

Remdesivir scheint nach den ersten Ergebnissen einer randomisierten Studie am ehesten bei leicht bis mittelschwer erkrankten Patienten zu wirken, die (noch) nicht beatmet werden müssen (NEJM 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2007764).

Ob dies bei Favipiravir ähnlich ist, lässt sich mangels Daten aus randomisierten Studien bisher nicht abschätzen. In der vermutlich einzigen randomisierten Studie wurde Favipiravir in China an 240 Patienten mit dem Virustatikum Umifenovir, einem Fusionsinhibitor, verglichen. Nach den in medRxiv (2002; DOI: 10.1101/2020.03.17.20037432) vorgestellten Ergebnissen gab es keine Unterschiede in der Zahl der Patienten, die nach 7 Tagen eine Verbesserung erreichten. In der Studie mit überwiegend leichten Erkrankungen gab es keine Todesfälle.

Dem bisher nicht nachgewiesenen Nutzen von Favipiravir stehen bekannte Risiken gegenüber. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse im japanischen „Compassionate Use“-Programm waren eine Hyperurikämie bei 15,5 %. Leberschäden oder Leberfunktions­störungen traten bei 7,4 % der Patienten auf. Da Favipiravir teratogen ist, muss ein Einsatz bei Schwangeren unbedingt vermieden werden. © rme/aerzteblatt.de

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