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Medizin

Allergische Reaktionen wegen Konditionierung auch ohne Allergen möglich

Freitag, 19. Juni 2020

/Robert Kneschke, stock.adobe.com

Tübingen – Allergische Reaktionen können ohne auslösendes Allergen auftreten, wenn der Allergiker in die gleiche räumliche Umgebung zurückkehrt, in der er zuvor dem Allergen ausgesetzt war. Der Grund ist eine Konditionierung. Diese greift aber nur nach einer Schlafphase.

Das berichten Wissenschaftler um Luciana Besedovsky und Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (DOI: 10.1073/pnas.1920564117).

Für die Studie rekrutierte das Forschungsteam Probanden mit allergischem Schnupfen, die in einem neutralen Versuchsraum durch Verabreichung eines Nasensprays mit ihrem jeweiligen Allergen wie Gräser- oder Birkenpollen konfrontiert wurden. Die Stärke der bei allen Probanden auftretenden allergischen Reaktion wurde jeweils über die Menge eines bestimmten Enzyms im Nasensekret gemessen. Die Hälfte der Probanden ging nach diesem Experiment für acht Stunden schlafen, die zweite Hälfte musste bis zum kommenden Abend wach bleiben.

Eine Woche darauf wurde das Experiment im selben Versuchsraum wiederholt – nur, dass dieses Mal keine Allergene verabreicht wurden. „Die Probanden reagierten schon kurz nach Betreten des Versuchsraums mit allergischem Schnupfen. Allerdings nur die aus der Schlafgruppe“, sagt Besedovsky. Weder hätten die Versuchsteilnehmer der Wachgruppe allergisch auf die Rückkehr in den Versuchsraum reagiert noch hätte ein anderer Ort, an den die Probanden der Schlafgruppe in der zweiten Woche geführt wurden, eine solche Wirkung gehabt.

„Wie bei klassischen Lernprozessen aus anderen Zusammenhängen spielte die Schlaf­phase in unserer Studie eine entscheidende Rolle. Nur so verknüpfte das Gehirn eine bestimmte Umgebung fest mit einer allergischen Reaktion“, so Born.

„Erstaunlich ist, wie schnell das Immunsystem die fehlangepasste Reaktion erlernt. Im Experiment genügte eine einzige Allergengabe, um die allergische Reaktion mit der Umgebung zu verknüpfen“, ergänzt Besedovsky.

Mit den Ergebnissen lasse sich zumindest teilweise erklären, warum allergische Beschwerden häufig in einer Art Placeboreaktion ohne Vorhandensein des Allergens beobachtet würden, meinen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

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