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Medizin

Pentarefraktäres multiples Myelom: Dauerhaftes komplettes Ansprechen auf CAR-T-Zellen gegen BCMA

Freitag, 5. Juni 2020

/David A Litman, stock.adobe.com

Alexandria – CAR-T-Zellen gegen BCMA können selbst Patienten mit 5 Rezidiven eines multiplen Myeloms noch anhaltend in Remission bringen. Zu einem hohen Anteil lassen sich dabei sogar komplette Remissionen (CR) erreichen.

Das belegen Daten aus der Phase1b/2-Studie CARTITUDE, die bei der virtuellen Jahres­tagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt worden sind. Für das CAR-T-Zellpräparat JNJ-4528, das in der CARTITUDE-Studie geprüft wird, hat deshalb die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA den Status einer Breakthrough-Therapie gegeben.

Der chimäre Antigenrezeptor (CAR) in JNJ-4528 enthält 2 verschiedene Einzelketten-Antikörperfragmente, die für das B-Cell-Maturation Antigen (BCMA) spezifisch sind. Durch diese Konstruktion soll die Avidität für BCMA im Vergleich zu früheren Generationen von CAR-T-Zellen mit identischen Antigenbindungsstellen erhöht werden.

Das B-Zell-Reifungsantigen BCMA wiederum kommt auf Plasmazellen vor, häufig auch auf den malignen eines Myeloms. Es gilt daher als aussichtsreicher Kandidat für verschiedene Formen innovativer Immuntherapien gegen das multiple Myelom.

Die Teilnehmer in der CARTITUDE-Studie waren median 60 Jahre alt und hatten ein mehrfach rezidiviertes und progredierendes multiples Myelom. Sie hatten 3-18 Vorbehandlungen erhalten, im Median waren es 5, inklusive Anti-CD38-Antikörpern und zu 86 % auch eine autologe Stammzelltransplantation. Bei 10 % lag ein extramedulläres Plasmozytom vor. 29 Patienten erhielten nach einer vorbereitenden Lymphodepletion die anvisierte Studientherapie. Zieldosis waren 0,75 x 106 lebensfähige CAR-T-Zellen pro kg Körpergewicht, median wurden 0,73 x106/kg infundiert.

Beim primären Endpunkt, der Sicherheit, wurden keine unerwarteten Nebenwirkungen beobachtet. 93 % der Teilnehmer entwickelten zwar ein Cytokine Release Syndrom (CRS), aber nur 2 Patienten höher als Grad 2. Ein Patient allerdings starb am CRS, ein weiterer an einem Progress des multiplen Myeloms und ein dritter an einer akuten Leukämie, die nicht therapieassoziiert war. Die übrigen Nebenwirkungen waren meist hämatologisch und im allgemeinen kontrollierbar.

Die Antitumorwirkung der CAR-T-Zellen war sehr hoch, die Gesamtansprechrate betrug 100 %, und 86 % der Teilnehmer (25/29) erreichten mit einer stringenten kompletten Remission (sCR) ein tiefes Ansprechen, berichtete Jesus G. Berdeja, Professor am Sarah Cannon Research Institute in Nashville, Tennessee (J Clin Oncol 38: 2020 (suppl; abstr 8505) DOI: 10.1200/JCO.2020.38.15_suppl.8505).

Die sCR ist eine vergleichsweise neue Kategorie des Ansprechens und erfordert zusätzlich zu den Kritieren für die herkömmliche CR eine Normalisierung der Konzentrationen an freien κ- und λ-Ketten der Immunglobuline. Nach median 11,5 Monaten waren 22 von 29 Teilnehmern (76 %) progressionsfrei am Leben, zu Monat 9 betrug die Rate des PFS 86 %. Die Zeit bis zum ersten Ansprechen lag bei median 4 Wochen und bis zur kompletten Response bei median 3 Monaten (1–13).

Bei 16 Patienten mit sehr gutem Ansprechen konnte die minimale Resterkrankung (MRD) bestimmt werden. 13/16 (81 %) waren MRD-negativ mit einer Anzahl maligner Zellen von maximal 1/105 Zellen und bei 11/16 (69 %) mit maximal einer malignen Zelle unter 106 Zellen.

Die MRD (Schwellenwert: ≤ 1/104 Zellen) wird über Next Generation Sequencing ermittelt. Sie gilt als prognostisch relevant und eine MRD-Negativität wird zunehmend als Therapieziel diskutiert.

Bei diesen stark vorbehandelten Patienten mit vielen Rezidiven sei eine solch hohe Ansprechrate mit teilweise dauerhaften Remissionen bemerkenswert, kommentierte Dimitrios Mougiakakos, Professor für Hämatologie und Internistische Onkologie an der Klinik für Innere Medizin 5 am Universitätsklinikum Erlangen, in einer Präsentation von Studien zur Immunonkologie bei ASCO-direct. JNJ-4528 sei ein aussichtsreicher Kandidat für eine innovative Immuntherapie bei diesen schwer behandelbaren Patienten. Eine Zulassung in den USA werde erwartet. © nsi/aerzteblatt.de

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