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Medizin

Studie: Hydroxychloroquin schützt nach Virusexposition nicht vor COVID-19

Donnerstag, 4. Juni 2020

/Sherry Young, stock.adobe.com

Minneapolis – Die Einnahme von Hydroxychloroquin hat in einer randomisierten Studie Personen nach einem Kontakt mit einer mit SARS-CoV-2 infizierten Person nicht vor Symptomen einer COVID-19-Infektion geschützt.

Dies kam in einer placebokontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2016638) heraus.

Das Malariamittel Hydroxychloroquin, das in-vitro die Vermehrung von SARS-CoV-2 stoppen kann, ist derzeit auch als Mittel zur Vermeidung einer Erkrankung bei Personen in der Diskussion, die Kontakt mit einem Infizierten hatten.

Ein Team um David Boulware von der Universität von Minnesota in Minneapolis hat über die sozialen Medien 821 asymptomatische Personen rekrutiert, die sich im Haushalt oder am Arbeitsplatz einer Person mit COVID-19 länger als 10 Minuten auf weniger als 6 Fuß Distanz (1,83 Meter) genähert hatten und von denen 719 dabei keinen Mund-Nase-Schutz getragen hatten. Die übrigen 102 Teilnehmer hatten einen Mund-Nase-Schutz aber keinen Augenschutz getragen.

2/3 der Teilnehmer kamen aus dem Gesundheitswesen, wo sie Kontakt zu einem infizierten Patienten hatten. Die Studie wurde am 17. März begonnen. In den ersten Tagen gab es keine Möglichkeit, alle Kontaktpersonen auf SARS-CoV-2 zu testen. Nach dem 23. März war jedoch ein positiver PCR-Test bei dem Kontakt Voraussetzung für die Teilnahme.

Die Teilnehmer mussten sich innerhalb von 4 Tagen nach der Exposition gemeldet haben. Sie erhielten dann per Boten 19 Tabletten, die sie in den folgenden 5 Tagen (4 Tabletten sofort, 3 weitere Tabletten nach 6 bis 8 Stunden und an den folgenden 4 Tagen jeweils 3 Tabletten) einnehmen sollten. Die Tabletten enthielten bei der Hälfte der Teilnehmer jeweils 200 mg Hydroxychloroquin und in der anderen Gruppe ein Placebo.

Der primäre Endpunkt der Studie war eine COVID-19-Erkrankung. Der Nachweis einer Infektion mit SARS-CoV-2 wurde nicht gefordert. Die Diagnosen wurden per E-Mail erfragt.

Wie Boulware berichtet, kam es in der Hydroxychloroquin-Gruppe bei 49 von 414 Teilnehmern (11,8 %) zu einer Erkrankung mit Symptomen von COVID-19. In der Placebo-Gruppe erkrankten 58 von 407 Teilnehmern (14,3 %).

Dies deutet auf eine mögliche schwache Wirkung einer Postexpositionsprophylaxe hin, doch die Differenz von 2,4 %-punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 2,2 bis 7,0 %-punkten nicht signifikant. Eine durch Labortest bestätigte SARS-Co-V2-Infektion wurde in der Hydroxychloroquin-Gruppe bei 11 Patienten (2,7 %) gegenüber 9 Patienten (2,2 %) in der Placebo-Gruppe diagnostiziert, was eher gegen eine Wirksamkeit von Hydroxychloroquin spricht.

Die Behandlung war erwartungsgemäß häufiger mit Nebenwirkungen verbunden (40,1 versus 16,8 %). Es kam jedoch zu keinen ernsthaften Komplikationen. Hydroxychloroquin kann durch eine Verlängerung des QT-Intervalls lebensgefährliche Arrhythmien auslösen, was aber bei den jüngeren Teilnehmern der Studie (Alter 31 bis 51 Jahre) nicht zu erwarten war, von denen 3/4 keine Vorerkrankungen hatten. Die meisten COVID-19-Erkrankungen verliefen milde. In beiden Gruppen kam es jeweils zu einer Hospitalisie­rung, aber zu keinem Todesfall.

Die Studie ist nur eine von derzeit etwa 60 auf ClinicalTrials.gov gelisteten Studien, die den Wert von Hydroxychloroquin zur Prävention von COVID-19 untersuchen. Die größte Studie ist die HERO-HCQ-Studie mit 15.000 Teilnehmern aus dem Gesundheitswesen, deren Ergebnisse bereits im Juli vorliegen sollen. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #748250
Julian_Haegele
am Freitag, 5. Juni 2020, 19:24

Rion.r, verwechselt?

Meinten Sie evtl. diese Studie(n)? Wobei hier Fake nicht erwiesen, die Daten jedoch unklar sind:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/113530/COVID-19-Journals-ziehen-umstrittene-Surgisphere-Studien-zurueck?rt=d27f3a567fcd270867d77f0471744eca
Avatar #831621
Rion.r
am Freitag, 5. Juni 2020, 18:33

Fake Studie

Liebes Aerzteblatt-Team,

Wissenschaft auf Abwägen... Die Studie basiert auf falsche Daten.

Dieser Artikel sollte korrigiert werden um keine Angst zu verbreiten.
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