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Medizin

USA: Besitz von Handwaffen erhöht Suizidrisiko

Montag, 22. Juni 2020

/STUDIO GRAND WEB, stock.adobe.com

Stanford – Viele Menschen in den USA kaufen sich Waffen nicht nur, um sich vor Gewalttaten durch andere Menschen zu schützen. Eine wichtige Motivation ist laut einer Studie im New England Journal of Medicine (2020; 382: 2220-2229) ein beabsichtigter Suizid, der in den ersten Tagen des Waffenbesitzes um mehr als den Faktor 100 ansteigt.

Beim „2017 Las Vegas Shooting“, dem bisher schlimmsten Massenmord, hat ein Amok­läufer 59 Menschen erschossen. Das Ereignis hat die Medien über Wochen beschäftigt. In etwa die gleiche Anzahl von Menschen stirbt in den USA jeden Tag durch Schusswaffen, die sie selbst abgefeuert haben, was in der Regel von den Medien nicht zur Kenntnis genommen wird.

Dabei würden viele dieser Suizide vermutlich nicht stattfinden, wenn die Menschen keine Handfeuerwaffen besitzen würden, ist sich David Studdert von der Stanford Law School sicher. Der Jurist und Mediziner hat die Auswirkungen des Waffenbesitzes auf die Suizid­rate untersucht, was in Kalifornien leichter möglich ist als in anderen Bundesstaaten.

In Kalifornien müssen alle Waffenhändler die Personalien der Käufer notieren und dem dortigen Justizministerium mitteilen. Studdert hat die Daten mit dem Sterberegister abgeglichen.

Ergebnis: Die Besitzer von Waffen hatten ein deutlich höheres Suizidrisiko als die Nicht­besitzer. Studdert ermittelt für Männer eine Hazard Ratio von 3,34 und für Frauen eine Hazard Ratio von 7,16.

Wenn die Analyse auf Suizide durch Feuerwaffen begrenzt wurde, stieg die Hazard Ratio auf 7,82 bei Männern und auf 35,15 bei Frauen (alle Ergebnisse waren statistisch signifi­kant). Eine Feuerwaffe erleichtert offenbar die Entscheidung vieler Menschen, sich das Leben zu nehmen.

Bei vielen scheint die Suizidabsicht die eigentliche Motivation für den Waffenkauf zu sein. In den ersten 30 Tage nach dem Kauf der Waffe stieg die Suizidrate um nicht weniger als den Faktor 100. Die Todesfälle in den ersten 30 Tagen nach dem Waffenkauf waren für 14 % aller Suizide durch Feuerwaffen verantwortlich. Dabei gibt es in Kalifor­nien bereits eine 10-tägige Wartezeit, die einen „impulsiven“ Waffenkauf verhindern soll.

Das Risiko eines Suizids nahm mit der Dauer des Waffenbesitzes ab. Es war allerdings auch nach einem Jahr noch deutlich erhöht: 52 % aller Suizide ereigneten sich bei Personen, die ihre Waffe länger als ein Jahr besaßen. © rme/aerzteblatt.de

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