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Medizin

Netzhaut-Diagnostik per Smartphone bewährt sich

Mittwoch, 24. Juni 2020

Das Smartphone im augenärztlichen Einsatz: Dr. Maximilian W. M. Wintergerst (zweiter von rechts) schult augenärztliches Hilfspersonal am Sankara Eye Hospital in Bangalore, Indien. /Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Bonn – Eine Augenuntersuchung per Smartphone könnte in Schwellenländern helfen, die diabetesbedingte Veränderungen der Netzhaut frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftler der Universität Bonn zusammen mit Ärzten des Sankara Eye Hospital in Bangalore, Indien. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Ophthalmology erschienen (DOI: 10.1016/j.ophtha.2020.05.025).

Schäden der Netzhaut aufgrund von Diabetes gelten laut den Forschern inzwischen als häufigste Erblindungsursache bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter. „Wenn man eine solche Retinopathie rechtzeitig erkennt und behandelt, kann man den Sehverlust oft verhindern“, erläutert Maximilian Wintergerst von der Augenklinik am Universitäts­klinikum Bonn.

Ein wichtiger Punkt sei eine bessere Kontrolle des Diabetes. Daneben sei es aber auch möglich, die Netzhaut mit Laserlicht zu behandeln. Dies verödet die betreffenden Netzhautabschnitte, sodass dort keine Wachstumsfaktoren mehr ausgeschüttet werden. Diese können ansonsten zur Bildung krankhafter Gefäße und Flüssigkeitseinlagerungen in der Netzhaut führen.

Die Wissenschaftler haben 4 unterschiedliche Methoden verglichen, die eine Augen­spiegelung mit einem handelsüblichen Mittelklasse-Smartphone ermöglichen sollen. Nicht alle lösten dieses Versprechen gleich gut ein.

„Am besten schnitt in unserem Test ein Adapter mit Speziallinse ab, der am Smartphone befestigt wird“, erklärt Wintergerst. „Mit ihm ließen sich fast 80 Prozent aller Netzhaut­veränderungen erkennen, auch in frühen Stadien. Fortgeschrittene Schädigungen ließen sich damit sogar zu 100 Prozent diagnostizieren“, so Wintergerst.

Im Rahmen der Studie hat augenärztliches Hilfspersonal eines großen Krankenhauses in Bangalore die Untersuchung durchgeführt. Im Schnitt benötigten diese pro Untersuchung 1 bis 2 Minuten. Dabei dokumentierten sie die Veränderungen der Netzhaut, indem sie mit der Smartphone-Kamera den Augenhintergrund ihrer Probanden filmten.

„Dadurch kann die Untersuchung auch von geschulten Laien durchgeführt werden. Zur Diagnose werden die Bilder dann über das Internet an den Augenarzt geschickt“, erläutert Robert Finger von der Augenklinik am Universitätsklinikum Bonn.

Die Wissenschaftler hoffen, mit ihrer Forschung die augenheilkundliche Versorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern. Im Augenblick arbeiten sie bereits an einer Weiterentwicklung: Mittels einer App soll dazu auf den Smartphones, mit denen die Untersuchung gemacht wird, für jeden Betroffenen eine verschlüsselte elektronische Patientenakte angelegt werden.

In ihr werden nicht nur die Aufnahmen gespeichert, sondern auch der Befund des Mediziners, der sie begutachtet hat. Außerdem arbeiten die Forscher an einer automa­tischen Vorauswertung der Aufnahmen mit Hilfe künstlicher Intelligenz. © hil/aerzteblatt.de

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