NewsÄrzteschaftSchutzschirm für Vertragsärzte in Westfalen-Lippe beschlossen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Schutzschirm für Vertragsärzte in Westfalen-Lippe beschlossen

Montag, 8. Juni 2020

/bluedesign, stock.adobe.com

Dortmund – Der Coronaschutzschirm für die mehr als 15.000 westfälischen Vertragsärzte und -psychotherapeuten ist aufgespannt. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärzt­lichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat einer entsprechenden Änderung des Ho­no­rarverteilungsmaßstabs (HVM) zugestimmt.

Demnach sind ihnen 90 Prozent des Honorars im Vergleich zum Vorjahresquartal sicher, auch wenn sie während der Pandemie sinkende Fallzahlen und damit Einnahmerück­gän­ge verzeichnet haben. Zusätzlich sollen sie außerordentliche Kosten, die ihnen im Rah­men der Pandemiebekämpfung entstanden sind, erstattet bekommen.

Anzeige

„In beiden Bereichen haben wir uns schnell und positiv geeinigt“, betonte Dirk Spelmeyer mit Blick auf die Verhandlungen mit der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). „Wir ge­hören damit deutschlandweit zu den ersten KVen, die entsprechende Vereinbarungen geschlossen haben“, so der 1. Vorstandsvorsitzende der KVWL in der jüngsten Sitzung der VV.

Sie hat zwar als Präsenzsitzung stattgefunden, aber unter besonderen Bedingungen. Um die gebotenen Sicherheitsabstände einhalten zu können, saßen im Plenarsaal nur die VV-Mitglieder, der Vorstand und die Bezirksstellenleiter. Zusätzlich waren Trennwände aus Plexiglas rechts und links von jedem Sitzplatz aufgestellt. Die Mitarbeiter der Verwaltung mussten auf benachbarte Sitzungsräume ausweichen. Dorthin wurde die Sitzung live übertragen.

„Wir können aus vertragsärztlicher Sicht mit den Regelungen sowohl für den Schutz­schirm als auch für die Kostenübernahme sehr zufrieden sein“, führte Spelmeyer weiter aus. „Der Schutzschirm in Westfalen-Lippe steht. Die Kolleginnen und Kollegen haben damit Sicherheit.“ Nach Ansicht des KVWL-Chefs ist er eine „große Anerkennung der Poli­tik für unsere Arbeit“. Er sei außerdem ein Beleg für die Vorteile des Kollektivvertrags und die damit verbundene Verlässlichkeit und Partnerschaft mit der GKV.

Krankenkassen würdigen Engagement

Die Partnerschaft und Verlässlichkeit, aber auch die hohe Flexibilität aller Beteiligten wäh­rend der Pandemie lobte auch die GKV. „Mit der Errichtung von Diagnose- und Be­handlungszentren hat die KVWL wichtige Versorgungsstrukturen aufgebaut“, betonte Tom Ackermann in einem schriftlichen Statement. „Mit großem Engagement ist es gelungen, die Versorgung der Patienten aufrecht zu erhalten und eine weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“, so der Vorstandsvorsitzende der AOK NordWest.

Jetzt müssten sich die Ärzte und Psychotherapeuten darauf verlassen können, dass ihnen finanziell geholfen werde. Der Rückgang von Patientenzahlen dürfe sich nicht unge­bremst in der Vergütung widerspiegeln, so Ackermann. Der von Krankenkassen und KVWL vereinbarte Schutzschirm würdige die engagierte Arbeit, erhalte ihre Liquidität und si­che­re damit gleichzeitig die Versorgung der Patienten.

Diese Ansicht teilte auch Dirk Ruiss in seinem schriftlichen Statement. „Finanzielle Absi­cherung und Aufrechterhaltung der Versorgung waren das Gebot der Stunde“, so der Lei­ter der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen (NRW) des Verbands der Ersatzkassen (vdek) rückblickend auf die Gespräche mit der KVWL. Die vereinbarten Regelungen „ge­ben den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in Westfalen-Lippe Umsatzga­rantien und Kalkulationssicherheit, auch wenn die Zahl der Patienten zurückgegangen ist“.

Inanspruchnahme zunächst noch gering

Spelmeyer geht davon aus, dass im ersten Quartal dieses Jahres zehn bis fünf­zehn Pro­zent der westfälischen Praxen von Einnahmerückgängen betroffen sind. „Sie bekommen dann zusätzlich zu ihrer Abrechnung ein Schreiben, in dem wir ihnen mitteilen, dass sie Anspruch auf den Schutzschirm haben und wie hoch der Betrag sein wird“, erläuterte er das praktische Vorgehen.

Davon abgezogen würden allerdings andere Hilfen wie etwa Kurzarbeitergeld und die finanzielle Unterstützung, die die NRW-Landesregierung Kleinunternehmern und Solo-Selbstständigen gewährt hat, sofern die Vertragsärzte sie in Anspruch genommen haben.

Mit einem Ansturm auf den Schutzschirm rechnet Spelmeyer im zweiten Quartal. Daher sollen zunächst die Abschlagszahlungen auf dem Niveau des Vorjahrsquartals geleistet werden. Die Restzahlungen würden dann jedoch niedriger ausfallen, aber immer noch so hoch, dass jeder Vertragsarzt auf mindestens 90 Prozent seines Honorars im Vergleich zum Vorjahresquartal kommt.

Vergleichbare Regelungen sind nach Angaben Spelmeyers auch für „Jungpraxen“ getroff­en worden, die noch kein Jahr bestehen, und für Praxen, „die sich in ihrer Konstellation ver­ändert haben“. Sie müssten sich ebenso wenig existenzielle Sorgen machen wie etwa diabetologische Schwerpunktpraxen und palliativmedizinische Praxen.

Kosten für Schutzausrüstung werden erstattet

Darüber hinaus übernimmt die GKV weitgehend die zusätzlichen Kosten, die während der Pandemie entstanden sind. So ist Spelmeyer zufolge allein bei der KVWL ein Betrag von knapp 15 Millionen Euro für Schutzkleidung, Atemmasken, Desinfektionsmittel und Aus­stattung der Coronabehandlungszentren aufgelaufen.

Unklar ist zurzeit, ob und inwieweit sich die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) an dieser Kostenerstattung beteiligen werden. In den ersten Verhandlungen mit der Kassenärztli­chen Bundesvereinigung (KBV) hatten sie einer Beteiligung eine Absage erteilt. „Da müss­en wir jetzt abwarten, wie das auf Bundesebene weitergehen wird“, sagte Spelmeyer.

Der Betrag, den die PKV zu leisten hätte, „der aber überschaubar war“, sei zunächst vom Erstattungsbetrag der GKV abgezogen worden. Die GKV habe jedoch schon Bereitschaft zur Fortsetzung der Gespräche signalisiert, sollte sich die PKV weiterhin weigern. Die Kranken­kassen haben uns sogar angeboten, Schutzausrüstung vorzufinanzieren, lobte Spelmeyer ihr Engagement während der Pandemie.

Eine ähnliche Kostenerstattung soll es auch für die Vertragsärzte geben, betonte der KVWL-Chef. „Für die Beschaffung von Schutzkleidung durch die Arztpraxen selber haben wir noch eine Zusatzvereinbarung mit den Krankenkassen treffen können.“ Demnach können diese Ärzte ihre Rechnungen aus dem Zeitraum von März bis April bei der KVWL einreichen. Dazu haben sie bis Ende Juli Zeit. Die KVWL werde die Rechnungen prüfen und an die AOK NordWest als größte Krankenkasse in Westfalen-Lippe übermitteln. „Wir bekommen danach von den Kassen das Geld, das wir dann an die Mitglieder weiterge­ben.“

Spelmeyer dämpfte allerdings voreilige und zu hohe Erwartungen der Vertragsärzte an die Kostenerstattung. „Da konnten wir keine Maximalpreise aushandeln, aber dennoch sehr gute Preise.“ Mit den Kassen seien Durchschnittspreise für Atemmasken und andere Ausrüstungs­gegenstände vereinbart worden, die sich auch an der jeweiligen Zeit orien­tieren.

Denn zu Zeiten, in denen diese Materialien besonders gefragt und sogar vergriffen waren, waren sie auch besonders teuer. Das bedeute aber auch, dass einige Vertragsärzte, die ihre Ausrüstung besonders teuer eingekauft haben, unter Umständen einen Teil ihrer Kosten selbst tragen müssen. © ts/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #36576
Meichsner
am Dienstag, 9. Juni 2020, 15:45

Lachnummer

Man muß sich doch allen Ernstes fragen, wer hier wen vertritt.
Die KV als unser aller Über-Ego, von uns mit einem satten Honoraranteil versorgt ( höher als die Kosten der Privaten!) und bürokratisch üppigst ausgestatt, sollte auch endlich einmal Kante zeigen und unser aller Kassenärzte Interessen auch wirklich vertreten. Da das von den Kassen gezahlte Honorarvolumen gleich bleibt, stellt sich die Frage, wo die restlichen 10 % bleiben!
Manchem Hausarzt stellt sich die Frage, ob er überhaupt 10% Honoarverlust ( d.h. im Endefffekt Gewinnverlust, da die Kosten bekanntlich bleiben, bzw. bei Mieten, Gehältern und Sozialabgaben sogar steigen) verkraften soll.
Aber wie schon beim Militär: die vorderste Front bilden das Kanonenfutter und zwar in jedweder Hinsicht.
Dass die KV-en sich in der Krise nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, hat jeder KV-Arzt am eigenen Leibe gespürt, aber diesen "Rettungsschirm" als Nonplusultra zu feiern, ist ein schlechter Treppenwitz.
Als Mitglied einer akademischen Lehrpraxis kann ich mir jetzt schon das bemeitleidende Lächeln meiner Studenten vorstellen.
So kann ich nur entgegnen: Augen auf bei der Berufs/-Facharztwahl!
Uns wünsche ich unter diesen Kautelen: Viel Erfolg bei der Suche nach einem geeigneten und betriebswirtschaftlich ausreichend blindem Nachfolger.
LNS

Nachrichten zum Thema

8. Juli 2020
Berlin – Beschäftigte im Gesundheitswesen sind in den vergangenen Monaten besonders häufig an COVID-19 erkrankt. Das zeigt eine Analyse der Krankschreibungen von AOK-Mitgliedern durch das
Beschäftigte im Gesundheitswesen besonders häufig an COVID-19 erkrankt
8. Juli 2020
Düsseldorf – Von September an soll Deutschland in der Lage sein, innerhalb eines Jahres 2,5 Milliarden zusätzliche Masken zu produzieren. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin auf
Ab September höhere Maskenproduktion in Deutschland
8. Juli 2020
Düsseldorf – Bei der Überprüfung von Unterkünften für Arbeiter der Fleischindustrie sind bereits bis Mai zahlreiche Mängel festgestellt worden. Das teilte Nordrhein-Westfalens (NRW)
Fast 1.900 Mängel in Unterkünften der Fleischindustrie
8. Juli 2020
Schwerin – Im Rahmen der Untersuchungen auf SARS-CoV-2 bei Bewohnern und Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen Mecklenburg-Vorpommerns sind bislang knapp 44.400 Abstrichtests erfolgt. Wie das
Pflegeheime: 44.000 Tests, ein positiver Befund
8. Juli 2020
Berlin – Die Zahl der SARS-CoV-2-PCR-Tests mittel einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) hat in der 27. Kalenderwoche vom 29. Juni bis 5. Juli einen neuen Höchststand erreicht: Es erfolgten 445.989
Labormediziner raten von flächendeckenden Bevölkerungstests ab
8. Juli 2020
Köln – Ein deutsches Forscherteam hat im Blut von Personen, die sich von einer milden Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 erholt haben, gleich 28 verschiedene neutralisierende Antikörper
SARS-CoV-2: Rekonvaleszente haben hochpotente neutralisierende Antikörper
8. Juli 2020
Bielefeld – Eine neue Variante der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die einzelne Virusgene vervielfältigt und deren Existenz dann mit einer Farbreaktion anzeigt, kann den Nachweis von SARS-CoV-2 in
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER