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Medizin

COVID-19: Jena hat durch frühe Maskenpflicht viele Infektionen vermieden

Montag, 8. Juni 2020

/picture alliance, EUROPA PRESS, María José López

Mainz – In der thüringischen Stadt Jena ist es durch die frühzeitige Einführung einer Maskenpflicht gelungen, die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 „praktisch auf null“ zu senken. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie der Universität Mainz, die heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die Studie bestätigt die Ergebnisse einer Meta-Analyse der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), die der Mund-Nase-Bedeckung in der letzten Woche ebenfalls eine gute Schutzwirkung attestiert hatte.

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Während in einigen Ländern Ostasiens der Mund-Nase-Schutz während der Grippe-Wellen bereits seit Jahren verbreitet ist, wurde die Schutzwirkung gegen Atemwegs­erreger wie SARS-CoV-2 von westlichen Epidemiologen (und auch von der WHO) lange bezweifelt. Es gab sogar Bedenken, wonach die Masken die Träger zu unvorsichtigen Handlungen verleiten könnten, weil sie sich in falscher Sicherheit wiegen.

Die Entscheidung der Stadt Jena, das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ab dem 6. April im öffentlichen Raum zur Pflicht zu machen, wurde deshalb andernorts als übertrieben eingestuft.

Nach und nach folgten andere Kommunen wie Nordhausen (14. April), Rottweil (17. April) und Braunschweig (25. April) der Vorbild Jenas. Landesweit wurde der Mund-Nasen-Schutz in Sachsen am 20. April, in Sachsen-Anhalt am 22. April, in Thüringen am 24. April und in den meisten anderen Ländern ab dem 27. April zur Pflicht.

Die unterschiedlichen Termine der Maskenpflicht haben es einem Team um den Makro­ökonom Klaus Wälde von der Universität Mainz ermöglicht, die Auswirkungen mathematisch zu berechnen.

Die Forscher bedienten sich dabei der synthetischen Kontrollmethode (“synthetic control method“), mit der in Wirtschafts- und Politikwissenschaft die Auswirkungen von Reformen untersucht werden.

Die Studie verglich die Fallzahlen an COVID-19 nach der Maskenpflicht mit der Entwick­lung in einer Gruppe von ähnlichen kreisfreien Städten und Landkreisen, in denen es noch keine Maskenpflicht gab.

Für dieses „synthetische Jena“ wurden Städte wie Darmstadt, Cloppenburg, Trier und Rostock ausgewählt, die etwa die gleiche regionale Bevölkerungsdichte haben und in denen das Durchschnittsalter der Bevölkerung, der Anteil von Senioren, die Ausstattung mit Ärzten und Apotheken vergleichbar sind.

Die Studie ergab, dass 20 Tage nach der Einführung der Maskenpflicht in Jena die Gesamt­zahl der dort registrierten COVID-19-Fälle lediglich von 142 auf 158 gestiegen war. Im „synthetischen Jena“ kam es den Berechnungen zufolge dagegen zu einer Zunahme von 143 auf 205 COVID-19-Fälle.

Die Zunahme in Jena entsprach also nur etwa 1/4 (22,9 %) der Zunahme in der Vergleichs­gruppe. Dies waren die kumulativen Fälle seit Beginn der Epidemie. Bei der täglichen Wachstumsrate kam es zu einem Rückgang um 60,1 %. Tatsächlich hat es in Jena wenige Tage nach der Einführung der Maskenpflicht kaum noch Neuerkrankungen gegeben.

Bereits in den ersten 10 Tagen betrug der Rückgang der kumulativen Erkrankungen gegenüber dem „synthetischen Jena“ 12,8 %. Dies ist erstaunlich, weil die mediane Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zu den ersten Symptomen, 5,2 Tage beträgt. Hinzu kommen noch einmal 2 bis 3 Tage, die vom Abstrich bis zur Meldung an das Robert-Koch-Institut vergehen, auf dessen Zahlen die Berechnungen beruhen.

Wälde vermutet, dass viele Menschen in Jena die Maskenpflicht bereits einige Tage vor dem Stichtag umgesetzt haben. Die Stadtregierung hatte die Maßnahme am 30. März ange­kündigt. Danach waren die Internetsuchanfragen zum Thema Mund-Nase-Schutz angestiegen, was Wälde als Indiz betrachtet.

Die Zahlen decken sich in etwa mit den Ergebnissen der WHO-Meta-Analyse. Dort war für den Mund-Nase-Schutz eine Reduktion des Infektionsrisikos von 85 % ermittelt worden. Diese Ergebnisse haben die WHO in den letzten Tagen zu einer allgemeinen Empfehlung bewogen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #833054
Meersehen
am Mittwoch, 17. Juni 2020, 20:22

kann man anders sehen

Auch das Wetter könnte die entscheidende Rolle gespielt haben. In Jena war es laut accuweather.com bis Anfang April relativ kalt. Am 5.4. stieg dann die Temperatur entsprechend dieser Quelle sprunghaft auf 17° C und am 6.4., dem Tag der Einführung der Maskenpflicht, sogar auf 22° C Tageshöchsttemperatur an. Der ganze April war dann durch milde Temperaturen geprägt. Den Autoren ist sicher bekannt, dass das Infektionsgeschehen stark von den Außentemperaturen abhängt. Es ist daher schwer nachvollziehbar, warum dies in der Studie keine Berücksichtigung fand!
Avatar #644877
Hinzkunz
am Mittwoch, 17. Juni 2020, 19:31

BB-DD, Wilhelm

Herr Böhme, Sie sprechen mir aus der Seele! Ich hoffe, dass Ihr Beitrag nicht erneut durch die Redaktion des Ärzteblatts gelöscht wird. Wilhelm, an der Maske ist nichts schlimm. Und interessant ist es den Kenntnisstand über die Wirksamkeit von allerlei Maßnahmen stets zu vermehren. Viele Grüße
Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 17. Juni 2020, 16:53

Warum die Theorie nicht stimmt, dass in Jena...

....arbeitet Dr. Rabe hervorragend auf:

https://impf-info.de/82-coronoia/314-coronoia.html#maskierter-schwachsinn-in-jena-11-06-2020
Avatar #38287
Bretscher
am Sonntag, 14. Juni 2020, 14:30

Übertragungsrelevant

sind die herangezogenen Daten der Vergleichsstädte nicht, "die etwa die gleiche regionale Bevölkerungsdichte haben und in denen das Durchschnittsalter der Bevölkerung, der Anteil von Senioren, die Ausstattung mit Ärzten und Apotheken vergleichbar sind." Ich weiß nicht, wie man den Makroökonomen mit seinen Statistiken auf falscher Vergleichsbasis so unkritisch veröffentlicht. Hätte er wenigstens wirtschaftliche, kulturelle oder sportliche Strukturen zum Vergleich herangezogen. Aber auch solche Vergleiche sind in ihrer Relevanz nicht bewiesen, wie aus der Analyse der Ursachen von Hotspots und Verbreitungen in einzelen Städten und Regionen bekannt ist. Oft beruht die Verbreitungsdichte offensichtlich auf reinem Zufall von der Anwesenheit infizierter Personen. Wie sagt Denis Scheck in seinen Buchbesprechungen: ist das lesenswert oder kann es weg?
Avatar #832124
Methoden-Check
am Freitag, 12. Juni 2020, 23:46

Unrealistisch schneller Effekt

Laut den Daten der Studie "wirkt" die Maskenpflicht bereits nach 3-4 Tagen - da scheint sich die Anzahl der Neuinfektionen (nach Meldedatum) in Jena im Vergleich zu anderen vergleichbaren Städten und Landkreisen zu reduzieren. Das ist allerdings absolut unmöglich. Eine Wirkung einer Maßnahme in so kurzer Zeit ist absolut unrealistisch. Zwischen Ansteckungszeitpunkt und Meldedatum vergehen laut Robert Koch-Instituts in etwa 2-3 Wochen. Laut einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts können sich deswegen ergriffene Maßnahmen erst nach 2-3 Wochen in den Fallzahlen laut Meldedatum zeigen (https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/6601.2/16_2020_2.Artikel.pdf?sequence=3&isAllowed=y). Dort heißt es:

"Ein Effekt der jeweiligen Maßnahmen kann jedoch erst mit einem Zeitverzug von 2 – 3 Wochen erkennbar sein, u. a. wegen der bis zu 14-tägigen Inkubationszeit von SARS-CoV-21 und zusätzlich, weil es zwischen Erkrankung und Erhalt der Meldungen am Robert Koch-Institut (RKI) einen Zeitverzug gibt."

An was es auch immer liegt, dass die Kurve der Neuinfektionen (nach Meldedatum) in Jena angeblich flacher ist als in anderen Städten und Landkreisen (an der Auswahl der synthetischen Kontrollgruppe, an unterschiedlichen Teststrategien oder an irgendwelchen anderen Faktoren) - an der Maskenpflicht kann es nicht liegen - und auch nicht an der Kampagne für die Maskenpflicht 1 Woche vorher, auch dafür ist die Zeit zu kurz.
Avatar #831974
BB-DD
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 20:33

@Hinzkunz und Wilhelm

Zunächst: Statistiker bin ich nicht, ich bin Chemiker. Und doch muss ich mich oft mit der Signifikanz von Messergebnissen und deren Bewertung auseinandersetzen. Deshalb rege ich mich auch so sehr darüber auf, wenn ein wissenschaftlich nicht haltbarer Beitrag benutzt wird, um die Maskenpflicht zu rechtfertigen. Dabei geht es noch nicht einmal um diese Maskenpflicht selbst, sondern schlichtweg um den Schaden, der mit solchen unhaltbaren Wirksamkeitsnachweisen der wissenschaftlichen Fachwelt zugefügt wird. Genauso habe ich mich in meinem gelöschten Beitrag auch über die ursprüngliche Prognose zu den Infektionszahlen geäußert, auf deren Grundlage die Kontaktbeschränkungen beschlossen wurden: In diesem Modell kann jeder jeden anstecken, wie eine chemische Reaktion unter starkem Rühren. Das ist so weit weg von einer möglichen Ausbreitungskinetik, dass es einfach inakzeptabel ist, das als Entscheidungsgrundlage zu benutzen.
Natürlich habe ich auch eine persönliche Meinung zum Tragen der Maske und zu anderen Maßnahmen. An dieser Stelle beginnt aber vor allem der gesellschaftspolitische Diskurs, der bereits seit Beginn der "Corona-Krise" vermieden wird. Wie setzen wir uns mit dem Altern der Bevölkerung und den Todesrisiken auseinander? Betrachten wir ein zeitlich möglichst langes Leben als erstrebenswert, oder evtl. lieber ein etwas kürzeres, das dafür lebenswert bleibt - und nicht die letzten 5 Jahre aus dem Warten auf ein Ableben. Wem bürden wir den Schaden auf? Unserer jungen Generation, indem wir sie nicht in die Schule schicken?
Für mich hängt dieser Diskurs aber natürlich durchaus von möglichst seriösen wissenschaftlichen Erkenntnissen ab. Ich möchte gern überzeugt werden, dass es tatsächlich nötig ist, diese Maske verpflichtend zu tragen, denn ich kann nicht erkennen, dass es in ähnlichen Situationen wie der schweren Grippewelle vor zwei Jahren irgendjemanden gegeben hätte, der dies in Erwägung gezogen hätte. Und es geht noch weiter, auch die Intensivkapazitäten waren damals bei 95% Auslastung. Hat jemand danach gerufen, das Land stillzulegen, weil das Gesundheitssystem am Limit war? Die Ärzte haben den Mist ausgebadet - und jetzt wieder. Der eigentliche Skandal ist, dass die Ärzte keine Schutzausrüstung hatten, und davon wurde erfolgreich abgelenkt. Nun kenne ich auch die leider wenig sachlich geführte Diskussion um die Gefährlichkeit der Grippe vs. Corona. Ich muss allerdings sagen, die Gefahr von Grippe gegen Corona zu wichten - beide haben nicht wenige Überträger ohne Erkrankungen, können Folgeschäden verursachen, zum Tod führen, die Zahlen von schweren Erkrankungen hängen von vielen Faktoren ab (Teilimunität einer Population, zusätzlichen Infektionen) - das ist gar nicht so entscheidend. Viel entscheidender ist der Umgang mit der Gefahr. Die Grippe kann gerade auch bei Kleinkindern sehr schwere Verläufe haben, es gibt hohe Fallzahlen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, und nachweislich sterben viele junge Menschen an diesem Virus, jedes Jahr in Deutschland, nicht irgendwo. Ja es sind nicht tausende, aber immerhin UNSERE KINDER, das wichtigste Gut einer Gesellschaft. Aber das spielt keine Rolle. Schule offen, Kita offen - mit einem Zettel, das in der Einrichtung die Virusgrippe aufgetreten ist. Und wissen Sie was, ich befürworte sogar, dass die Kita und die Schule offen bleibt, weil mir die soziale und kulturelle Entwicklung und das psychische Wohl meiner Kinder sehr viel bedeuten. Diese nehmen ganz sicher Schaden, wenn ich die Kinder Wochenlang isoliere, einen normalerweise auftretenden Schnupfen und Husten mit einer recht geringen Chance auf Komplikation muss ich grundsätzlich in Kauf nehmen. Man kann sich nicht absondern, das ist gerade für die vielen Einzelkinder heute der Horror - und sie leiden lange darunter. Spielplatzsperre, 14-Tage-Quarantäne für einen 7-jährigen in der 70m2-Wohnung weil eine Lehrerin eine Erkältung hat, Digitalbeschulung? Der Junge soll Lesen und Schreiben lernen. Das geht mit dem Papa, aber er braucht den Kontakt zur Klasse. Kinder sind auf soziale Kontakte angewiesen. Irre, sage ich Ihnen! Impfung, die ja für die Grippe immer vorgebracht wird und mit der man auch wieder versucht, die Coronamaßnahmen zu rechtfertigen? Ja, das ist auch so was. Wirksamkeit oft nicht vorhanden, falls es gut läuft 50%, bei einer Impfquote von nicht mal 20% der Bevölkerung. Das hat doch keinen Einfluss auf den Verlauf einer Grippesaison! Medikamente für die Behandlung der Grippe? Das ist doch ein Märchen. Aussitzen heißt die Devise. Bett, Tee, Ruhe. Die Argumente zerfallen zu Staub. Die Bevölkerung auf eine Impfung für Corona einzuschwören, um die "Maßnahmen" bis dahin aufrecht zu erhalten ist doch einfach nur absurd. Schauen wir in die Altersheime, an dieser Stelle wird es am deutlichsten: Die Virusgrippe bricht viele hundert Mal im Jahr in solchen Einrichtungen aus, alte Menschen sterben nu mal daran (mit und vor allem ohne Nachweis - der Mensch war eben alt und seine Zeit war gekommen, Test wird doch gar nicht gemacht - und ist auch gar nicht wichtig, das können auch andere Viren gewesene sein). Es interessiert niemanden, nur auf einmal bei Corona. Das Heim wird wegen Grippe nicht geschlossen, Besuche dürfen stattfinden. Berechtigterweise! Und das hat einen guten Grund. Die Wahrscheinlichkeit, die 95-jährige Oma innerhalb der nächsten 3 Monate ohnehin zu verlieren, liegt mit einem Sterbealtersmedian für Frauen in Deutschland von etwa 83 sicher bereits im Prozentbereich, und es ist schlichtweg eine moralische Bodenlosigkeit solchen Menschen den Kontakt zum einzigen verbleibenden Lebensanker zu verweigern. Das hat nichts damit zu tun, dass ich alte Leute gefährden will, sondern sie nicht eines würdigen Lebensendes berauben. Wenn ich selbst erkennbar krank bin, gehe ich doch die Oma sowieso nicht besuchen! Und wenn ich nicht weiß, dass ich eine Krankheit habe, dann ist das eben auch ein Risiko des täglichen Lebens, mit dem jeder einzelne grundsätzlich belastet ist. Das kann man nicht ausschließen. Und genau das zeigt sich doch an den Corona-Ausbrüchen in den Heimen. Wurden die durch Lockdown etc. verhindert? Nein. Ein Freund ist Altenpfleger und wird wöchentlich getestet. Und? Wer sagt, dass er nicht am Folgetag nach dem Test schon ansteckend ist? Kann man die Maßnahmen den Bewohnern weiter zumuten - sie 8 Wochen lang und jetzt weiter in "Einzelhaft" im Zimmer mit sich allein lassen? Nein. Ich kenne einen solchen Fall aus der eigenen Familie. Die Oma ist jetzt in der psychiatrischen Klinik, weil sie in ihren einsamen Gedanken im Luftschutzkeller saß und an die schlimmste Zeit ihres Lebens erinnert wurde - ohne den Kontakt zu ihren Kindern und Enkeln, die sie hätte auf andere Gedanken bringen können. Der vermeintliche Infektionsschutz und die Lebensverlängerung darf doch nicht auf Kosten eines würdigen Lebens geschehen. Man kann doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, jedes Krankheitsrisiko durch Absonderung auszuschließen. Und natürlich haben auch Sie recht, Wilhelm. Anhusten oder anniesen geht nicht. Und nur, weil ich die Maskenpflicht ablehne, werde ich das nicht gutheißen und unterstützen. Dafür sollten wir aber nicht die Maskenpflicht einführen, sondern mal an einer konsequenteren Erziehung arbeiten - das ist der richtige Weg für eine funktionierende Gesellschaft. Interesse füreinander, nicht die Absonderung. Ich möchte keine Gesellschaft haben, in der ich das Gesicht des anderen nicht sehen kann. Wenn man das so praktiziert, noch dazu, ohne dass es einen erkennbaren Nutzen gibt, dann wird man es nie wieder los. Es verändert die Gesellschaft hin zu der Einstellung, dass das Gegenüber nur noch das Schlechte für einen selbst bedeuten kann. Wenn jemand selbst krank ist und aus Verantwortungsgefühl anderen gegenüber heraus, die Maske aufsetzt, dann kann ich das unterstützen, nicht aber, weil jeder per se als infektiös angesehen wird. An der Stelle greift eines ins andere: Das Maß ist komplett verloren gegangen - und dann versucht man mit windigen wissenschaftlichen Ergebnissen, die übertriebenen Maßnahmen zu rechtfertigen. Beste Grüße. B. Böhme
Avatar #760158
wilhem
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 15:36

Hinzkunz

Was ist interessant? Und warum ist so schlimm, eine Maske zu tragen? Man kann ja darüber diskutieren, ob eine Pflicht geben muss. Mir ist aber lieber in einem vollbesetzen Bus, dass mir die anderen Fahrgäste nicht ins Gesicht husten oder Niesen. Da muss ich nicht wie hier die Kommentatoren ausschließlich die Studienergebnisse infragestellen. Oder wollen die Kommentatoren, dass man sich da anhustet?
Avatar #644877
Hinzkunz
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 15:25

Zensur

Unglaublich, ich habe diese Diskussion passiv verfolgt. Es waren interessante Beiträge. Einige kritische Beiträge wurden jedoch gelöscht. Kann das im Ärzteblatt sein? Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Wenn hier jemand eine Erklärung dafür hat, warum diese Beiträge fehlen, besonders der Beitrag von dem Statistiker von Anfang Juni, dann bitte melden. Kann doch nicht sein, dass auf eine offene und kontroverse Diskussion hier redaktioneller Einfluss genommen wird! MFG
Avatar #831974
BB-DD
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 11:27

Argumente gegen die Maske unerwünscht?

Mein Kommentar mit ausführlicher Argumentation vor allem gegen die Akzeptanz dieser Studie als wissenschaftlich valide wurde leider gelöscht. Wieso? Dann doch die Bitte an die Redaktion, mir eine Begründung zu liefern. Deshalb nochmal und in aller Deutlichkeit:
Eine statistische Auswertung auf Basis von 148 Infizierten zu machen, wo sich aus wenigen Infizierten mehr oder weniger bereits Änderungen im Prozentbereich ergeben (z.B. Ausbruch in Altersheim zufälligerweise nicht aufgetreten, in Vergleichsgemeinde hingegen doch) und daraus die Sinnhaftigkeit der Maskenpflicht abzuleiten, ist wissenschaftlich unseriös und schlichtweg methodisch inakzeptabel. Ich verwies auf die Entwicklung der ebenso dünnen Fallzahlen in Rostock, die vor Einführung der Maske vier Wochen lang konstant waren, nach Einführung der Maske deutlich anstiegen um anschließend wieder konstant zu bleiben und quasi den genau gegenteiligen Schluss nahelegen, ich wies darauf hin, doch bitte in Jena nicht den 25%-igen Bevölkerungsanteil der Uni-Belegschaft/Studentenschaft zu vergessen, die im gleichen Zeitraum das Semester beendeten und mutmaßlich zu einem großen Teil die Stadt verließen bzw. in Rostock wieder ankamen, ich verwies auf die statistisch aussagekräftigere Entwicklung in München, bei der mit Einführung der Maskenpflicht kein Effekt in der Entwicklung der Infiziertenzahlen (Trendänderung, Knick etc.) zu verzeichnen ist, und auch Bremen mit seit März linear steigender Infiziertenzahl - unabhängig von Maske, Schulschließung, Lockdown etc. war Thema. Für mich ist die Maskenpflicht nur eine von vielen Maßnahmen, die weder nachgewiesenermaßen wirksam noch in irgendeinem Zusammenhang zur Entwicklung der Coronainfektionen in Deutschland zu stehen scheinen. Dabei bleibe ich.
Avatar #105266
Dr.Felsch
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 10:30

Referenz: Advice on the use of masks in the context of COVID-19, WHO - Interim guidance, 5 June 2020

file://bbmagf1.bbmag.bbraun.com/home/felsbe01/Documents/neu/WHO-2019-nCov-IPC_Masks-2020.4-eng.pdf
Avatar #760158
wilhem
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 08:50

Veraltet WHO vom 8. Juni


Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat am vergangenen Freitag ihre Richtli­nien zum Tragen von Atemschutzmasken gegen die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 aktualisert. Sie rät nun zum Gebrauch von Masken besonders an Orten, an denen das Virus weit verbreitet ist sowie in Situationen, in denen Abstand halten nur schwer möglich ist.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus nannte als Beispiele den öffent­li­chen Nahverkehr, Geschäfte sowie andere geschlossene und stark frequentierte Bereiche.

„Überall dort, wo es zu Übertragungen in der Öffentlichkeit kommen kann, raten wir Men­­schen über 60 Jahren oder Menschen mit Vorerkrankungen zudem, eine medizinische Maske zu tragen“, fügte er hinzu.

https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=1&nid=113563&s=masken&s=who
Avatar #743305
Maddy0466
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 21:32

WHO ändert ihre Meinung: Schutzmasken können Risiko einer Corona-Ansteckung erhöhen

Die WHO hatte zuvor gesagt, dass Schutzmasken aus Stoff oder aus Supermärkten empfehlenswert seien. Nun behauptet sie, dass solche Masken das Risiko einer Ansteckung auch erhöhen können. Stattdessen empfiehlt sie, dreilagige Masken aus Baumwolle, thermoplastischen Kunststoff und Polyester, die täglich in einer verdünnten Chlorlösung gewaschen werden sollen. Doch wie sollen die genäht werden, wenn sie ausverkauft sind?
DEUTSCHE WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN
WHO ändert ihre Meinung: Schutzmasken können Risiko einer Corona-Ansteckung erhöhen
18.05.2018, Schweiz, Genf: Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO). (Foto: dpa)
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Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) sieht das allgemeine Tragen von einfachem Mund- und Nasenschutz in der Öffentlichkeit skeptisch. Sie hatte ihre bis dahin kritische Haltung gegenüber dem Tragen von Mundschutz in der Allgemeinbevölkerung zwar kürzlich geändert: Selbstgemachte Masken aus Stoff oder solche aus dem Supermarkt seien durchaus empfehlenswert in öffentlichen Verkehrsmitteln, Läden und anderen Einrichtungen, wo ein Abstand von mindestens einem Meter nicht eingehalten werden könne, heißt es in Anfang der Woche veröffentlichten Empfehlungen.

Die Organisation warnte aber erneut, dass solche Masken das Risiko einer Ansteckung auch erhöhen können. Etwa, wenn die Masken oft angefasst oder zeitweise nach unten ans Kinn und dann wieder über Mund und Nase gezogen würden. Außerdem könne ein falsches Sicherheitsgefühl die Träger veranlassen, weniger oft die Hände zu waschen oder weniger Abstand zu halten. Die Masken machten nur Sinn, wenn sie sachgemäß verwendet und alle anderen Vorgaben eingehalten werden, zitiert die dpa die WHO.

Die Masken sollten demnach aus drei Schichten bestehen: einer inneren etwa aus Baumwolle, einer zweiten aus einem thermoplastischen Kunststoff wie Polypropylen und einer äußeren aus Polyester. Sie sollten nur mit sauberen Händen und nur an den Halterungen angefasst und einmal am Tag bei mindestens 60 Grad oder in einer verdünnten Chlorlösung gewaschen werden. Medizinische Masken seien sinnvoll für Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Corona-Patienten sowie ihre Pflegekräfte und Menschen ab 60 oder gesundheitlich vorbelastete, hieß es von der WHO auch.
Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 09:43

Alternative zur Maskenpflicht:

Die Erfahrung nach den ersten Öffnungen und mit den „Hotspots“ zeigt, dass ein nennenswertes Infektionsrisiko vorwiegend in geschlossenen Räumen besteht, in denen viel und laut gesprochen oder gesungen wird. Von einem Buspassagier, der still seine Zeitung liest oder einem Konzertbesucher, der andächtig lauscht, dürfte wohl kaum eine Gefahr ausgehen. Bei Feiern und Festen, wo man gegen laute Musik und die Geräuschkulisse der anderen anbrüllen muss, ist ein Infektionsrisiko absolut plausibel. Wie wäre es statt einer Maskenpflicht also mit einem allgemeinen Sprechverbot? Da 99,9% jeglicher menschlicher Kommunikation sowieso nur aus Unsinn besteht, würde daraus kein großer Schaden entstehen, oder?
Avatar #822318
Nostradamus
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 09:20

Nochmal, keinerlei Berücksichtigung der Testanzahl, auch in dieser Studie

Es werden Fallzahlen ausgewertet, ohne eine Überprüfung bzw. Korretur der Effekte durch Schwankung der Testanzahl im Beobachtungszeitraum. Das ist grob Falsch!
Avatar #105266
Dr.Felsch
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 09:17

Gegenhypothese

Mir drängt sich aus eigenem Erleben die Hypothese auf, daß die Pflicht eine Gesichtsmaske zu tragen, den Leuten soziale Kontakte einfach verleidet und sie deshalb weniger Orte der Begegnung aufsuchen und statt dessen zuhause / allein bleiben, was die Übertragungsrate reduziert, aber eben um den Preis der Lebensfreude.
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 9. Juni 2020, 14:47

Gegenvorschläge

@Wilhelm:
Die Maskengegner argumentieren nicht? Ok, ich probiere es mal:
Belgien: früher Lockdown, heftige Restriktionen. Nachbar Niederlande: später reagiert, weniger Restriktionen. Effekt: Deutlich mehr Tote in Belgien. Fazit: Restriktionen und Lockdown bringen wenig bis nichts.
Maskenpflicht ist seit Wochen in NL aufgehoben: Deutsche fahren zum Shoppen über die Grenze, da es dort lockerer zugeht. Und - wo beobachten wir heftige Neuinfektionen dadurch? Ist nicht der Fall.

Dann Schweden: Wenn Maskentragen und heftige Restriktionen so viel bringen würden, hätten wir dort nicht ca. 4000 Todesfälle verzeichnen müssen, sondern viel mehr wie in England, Spanien, Italien, Belgien etc.

Dann Demos mit 10.000en von Teilnehmern, Distanzregeln und Maskenpflicht wird missachtet. Ergebnis: Keine hohen Neuinfektionszahlen dadurch.
Fazit: Maskentragen ist Augenauswischerei. Da gebe ich Doc Montgomery recht. Das macht im OP bzw. im Krankenhaus Sinn, aber nicht in der Öffentlichkeit.
LNS

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