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Medizin

Studien: Lockdown hat viele Millionen Menschenleben gerettet

Dienstag, 9. Juni 2020

/Corona Borealis, stock.adobe.com

London und Berkeley – Die Maßnahmen, die in den letzten Wochen und Monaten gegen die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 ergriffen wurden, haben weltweit viele Millionen Infektionen und Todesfälle verhindert. Zu diesem Ergebnisse kommen 2 Forschergruppen in Nature (2020; DOI: 10.1038/s41586-020-2405-7 und 2404-8).

Seit Anfang des Jahres sind weltweit mehr als 7 Millionen Menschen an COVID-19 erkrankt und mehr als 410.000 daran gestorben. Die Zahlen wären deutlich höher, wenn die Regierungen der betroffenen Länder keine Gegenmaßnahmen ergriffen hätten.

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Ein Team um Solomon Hsiang von der Goldman School of Public Policy an der Berkeley Universität in Kalifornien kommt bei seinen Berechnungen zu dem Ergebnis, dass allein in 6 Ländern 530 Millionen Infektionen vermieden wurden, weil die Regierungen Schulen und Fabriken schließen ließen und die Mobilität der Bevölkerung eingeschränkt haben. In China habe dies 285 Millionen Fälle verhindert, von denen nur 37 Millionen durch Tests erkannt worden wären, schreibt Hsiang.

Südkorea konnte nach den Berechnungen der Forscher 38 Millionen Erkrankungen (davon 11,5 Millionen bestätigte) vermeiden. In Italien hätte es ohne die Maßnahmen 49 Millionen zusätzliche Erkrankungen (2,1 Millionen bestätigte) gegeben. Im Iran wären 54 Millionen (5 Millionen bestätigte) mehr Menschen erkrankt, in den USA konnten bisher 60 Millionen Erkrankungen (48 Millionen bestätigte Fälle) und in Frankreich 45 Millionen (1,4 Millionen bestätigte Fälle) vermieden werden. Die Berechnungen beruhen auf einer „Reduced form“-Analyse, einem in der Ökonometrie bewährten Verfahren.

Die Forscher haben auch versucht, die Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen zu bewerten. Ihrer Ansicht nach haben die häusliche Isolation, die Schließung von Unter­nehmen und ein allgemeiner Lockdown des gesellschaftlichen Lebens die deutlichsten Vorteile bewirkt Die Reisebeschränkungen und Versammlungsverbote hätten dagegen unterschiedliche Auswirkungen gehabt.

Im Iran und in Italien hätten sie die Zahl der Erkrankungen vermindert, für die USA sei dies weniger klar, meint Hsiang. Für Schulschließungen konnten die Forscher in keinem Land einen Vorteil nachweisen. Ein abschließendes Urteil sei hier allerdings noch nicht möglich. Die Ergebnisse seien bisher in sich nicht schlüssig.

Der Lockdown und die anderen Maßnahmen hätten das Verhalten der Bevölkerung von einem Tag auf den anderen verändert, die Auswirkungen hätten sich jedoch im Allge­meinen erst nach 3 Wochen gezeigt. Dies bedeute im Umkehrschluss, dass die Auswir­kungen der derzeitigen Lockerungen ebenfalls erst in 2 bis 3 Wochen erkennbar werden, warnt Hsiang.

In der zweiten Untersuchung haben Forscher vom Jameel Institute for Disease and Emergency Analytics (J-IDEA) in London die Entwicklung in 11 europäischen Ländern untersucht, darunter Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien. In diesen Ländern haben sich nach den Berechnungen des Teams um Samir Bhatt 12 bis 15 Millionen Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert. Das sind 3,2 bis 4,0 % der Bevölkerung.

Die „Attack rates“ sind in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. In Deutschland haben sich nach den Berechnungen von Bhatt erst 0,85 % der Bevölkerung (710.000 Menschen) infiziert, in Spanien dagegen bereits 5,5 % und in Belgien sogar 8 %. Auch diese beiden Länder sind jedoch weit davon entfernt, eine Herdenimmunität zu errei­chen, die bei einer Basisreproduktionszahl von 3,8 bei etwa 70 % liegen würde.

Die britische Forschergruppe hat die von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC erfassten Todesfälle zu Beginn der Epidemie zur Grundlage ihrer Berechnungen gemacht. Ohne die drastischen Maßnahmen der letzten Wochen und Monate hätte es in den 11 Ländern 3,1 Millionen mehr Todesfälle mehr gegeben, schreibt Bhatt, nach dessen Berechnungen der Lockdown den größten Einfluss auf die Senkung der Basisreproduktionszahl hatte, die in allen 11 Ländern derzeit unter dem kritischen Wert von 1,0 liegt, über dem es erneut zu einem exponentiellen Wachstum kommen könnte. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

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Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 26. September 2020, 14:38

Lockdown-Effizienz

Werter plink, natürlich kann ein absoluter Lockdown mit Ausgangssperre etc. Infektionen vermindern, aber nicht verhindern. Denn die absolute Isolation gibt es nicht. Sogar im Gefängnis muß der Gefangene atmen und Einkaufen oder zum Arzt gehen etc. muss man auch. Selbst wenn auf den Strassen Soldaten die Massnahmen kontrollieren.
Der Haken ist jedoch immer: ein "flattening the curve"-Strategie dürfte die Welle in die Länge drücken, also erst recht eine Herdenimmunität verhindern. Dafür gibts eine Dauerpandemie auf niedrigeren Niveau, aber addiert evtl. genau so viele oder vielleicht sogar mehr Tote...
Avatar #825141
plink
am Samstag, 20. Juni 2020, 13:37

...Thema verfehlt!

...natürlich kann man durch einen Lockdown jede Infektionserkrankung effektiv bekämpfen - wer sollte so dumm sein dies zu bestreiten - oder auch beweisen zu wollen. Wenn Menschen sich nicht mehr begegnen können sie sich nicht anstecken. Aber darum geht es nicht - die Kernfrage lautet: ist der Lockdown in der Summe aller Wirkungen die richtige Maßnahme, um eine ganz überwiegend asymptomatisch verlaufende und ganz überwiegend sehr alte und multipel vorerkrankte Menschen betreffende Infektionskrankheit zu bekämpfen. Er ist es nicht!
Avatar #602503
Hyzerflip
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 23:34

ok

Schon wieder so ein Kappes in den Kommentaren. Klar. Eine Kampagne fürs Impfen. Logisch.
Wie entwickele ich am besten Desinformation?
Google mal: PLURV
Avatar #826947
Funkstille
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 06:58

Wo sind die

Toten durch Suizid?
"US-Wissenschaftler warnen, dass in den nächsten Jahren bis zu 75.000 Amerikaner zusätzlich entweder durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder durch Suizid ums Leben kommen werden. (Tagesschau)"
Toten durch nicht durchgeführte Operationen?
"Medizinökonomen gehen von rund 1,6 Millionen aufgeschobenen Operationen aus (Ärzteblatt)"
Wo sind die Toten, die durch die Panikpolitik ein schwächeres Immunsystem bekommen?
"Angst wirkt sich auf das Immunsystem aus (Ärzteblatt)"
Meine Oma fragt: "Wieso interessieren DIE sich plötzlich für unsere Gesundheit?"
In Europa sterben jährlich 600.000 Menschen an Krankheiten, die auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind.
"Jedes Jahr sterben nach WHO-Angaben ungefähr 600.000 Menschen in Europa an Bewegungsmangel. Durch Übergewicht und Adipositas sterben weitere 1.000.000. (Wikipedia)"
Wo ist die Bewegungs-App, die die Bewegungsmuffel vom Sofa scheucht, wo die polizeilich kontrollierte Gymnastik?
Die Corona-Pandemie ist einen riesige Marketing-Kampagne für die Erforschung und den Verkauf von Impfstoffen.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 00:06

Unerwarteter Nebeneffekt

Man kann über den Lockdown schimpfen wie man will, aber die Summe der damit verbundenen Maßnahmen ist effektiv bei der Unterbrechung übertragbarer Krankheiten.

Ein Beispiel: Wenn man beim RKI das Tool Survstat aufruft und sich die Meldezahlen für Masern nach Meldewoche aufgeschlüsselt für die letzten 4 Jahre anzeigen lässt, dann ergibt sich folgendes Bild: Im Jahr 2020 sind die wöchentlichen Meldezahlen für Masern bis einschließlich der 11. KW im langjährigen Mittel. Ab der 12. KW fallen die wöchentlichen Meldezahlen rapide ab auf etwa ein Zehntel der Durchschnittswerte und verharren bisher auf diesem Niveau. All dies ohne Änderungen des Testregimes und ohne zusätzliche masernspezifische Quarantäneregelungen.

Wahrscheinlich ist sogar der Umkehrschluss möglich: Das Verhältnis der Meldezahlen bei Masern im Vergleich zum langjährigen Mittel ist sogar geeignet als kumulativer Surrogatmarker für die Effektivität der Barrieremaßnahmen.
Avatar #720780
carmaciu
am Dienstag, 9. Juni 2020, 22:51

Diese Studie ist ein großer Irrtum

Der größte Fehler dieser Studie ist dass man den Lockdown mit der Quarantäne verwechselt. Die Hauptwirkung eines generellen Lockdowns ist die allgemeine Lahmlage der Wirtschaft und der normalen ärztlichen Versorgung. Die Verhinderung einer zu schnellen Verbreitung der Krankheit ist nur eine Nebenwirkung dieser extremen Maßnahme, bei welcher man mit schweren Kosten rechnen muss, von denen in dieser Studie kaum etwas erwähnt wurde. Des Weiteren ist ein Lockdown im Rahmen einer schon bestehenden Pandemie umso weniger sinnvoll. Der Boomerang Effekt dieser verzweifelten Maßnahmen beginnt sich leider schon zu zeigen, durch die höchsten Zahlen der Arbeitslosen, der in Kurzarbeit sich befindenden Menschen, der pleite gegangenen Firmen, u.s.w., die seit dem Zweiten Weltkrieg bekannt sind. Man spricht in dieser Studie von Millionen Erkrankten, indem man die Infizierten als Erkrankte zählt, was grundsätzlich falsch und irreführend ist. Die Berechnungen nach denen diese extremen Maßnahmen zur Vermeidung von Millionen von Toten geführt haben sind reiner Schwachsinn, denn sie stützen auf keine wissenschaftlich nachweisbaren Fakten, sondern bloß auf inhaltslose arithmetische Rechnungen.
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