NewsÄrzteschaft„Die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Pflegeexperten wird die ambulante Primärversorgung stabilisieren“
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Ärzteschaft

„Die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Pflegeexperten wird die ambulante Primärversorgung stabilisieren“

Dienstag, 9. Juni 2020

Bad Neuenahr-Ahrweiler – Die Zahl der Hausärzte in ländlichen Regionen nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Um ältere, chronisch kranke Patienten trotzdem gut versorgen zu können, wurde in der Region Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Projekt gestartet, bei dem akademisch geschulte Pflegeexperten die Hausärzte bei der Versorgung der Patienten unterstützen, zum Beispiel bei Hausbesuchen.

An dem Projekt „HandinHand“, das durch den Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bun­desausschusses (G-BA) finanziell unterstützt wird, sollen in den nächsten Jahren circa 1.500 Patienten im Alter von über 60 Jahren versorgt werden. Umgesetzt wird das Projekt von der Marienhaus Unternehmensgruppe, einem christlichen Träger von sozialen Ein­richtungen, zu dem unter anderem 14 Krankenhäuser und 20 Alten- und Pflegeheime gehören.

Leiter des Projekts ist der Allgemeinarzt Gunther Lauven, der als Professor am RheinAhr­Campus Remagen der Hochschule Koblenz tätig ist. Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt erklärt er, wie die Zusammenarbeit zwischen den Hausärzten und den Pflege­experten funktionieren soll und wieso das Projekt bundesweiten Vorbild­charakter haben könnte.

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Fünf Fragen an Gunther Lauven, Hochschule Koblenz

DÄ: Wie kam es zu der Idee, das Projekt „HandinHand“ durchzuführen?
Gunther Lauven: Die Marienhaus Unternehmensgruppe hat eine lange Tradition, die aus der Pflege kommt, und der Innovationsfonds bot uns die Möglichkeit, etwas Neu­es auszuprobieren. Von daher lag es nahe, die de­mo­grafiebedingten Herausforderungen bei der Sicher­stellung aufsuchender hausärztlicher Primär­versorgung mit pflegerischem Know-how und Engagement zu ver­knüpfen.

Wir stützen uns dabei auf sehr positive internationale Erfahrungen mit Advanced Nursing Practice. So etwas gibt es bisher bei uns in Deutschland kaum, erst recht nicht in der Regelversorgung.

DÄ: Wie ist derzeit der Sachstand?
Lauven: Nach sehr umfassenden Vorbereitungen mit vielen Partnern konnten wir im März 2020 in die Patientenversorgung einsteigen und bis Ende Mai mehr als 70 Patienten – bei bisher 13 teilnehmenden Ärzten – für uns gewinnen.

Die Coronakrise hat den Start erschwert, aber nicht unmöglich gemacht. Teilweise erle­ben wir, dass „HandinHand“ gerade in dieser Krise seine Stärken zeigen kann: Alte, multi­morbide und immobile Patienten fallen in unserem System schneller durchs Raster, da springen wir bei. Geplant ist, die Neurekrutierung von Patienten im September 2021 zu beenden. Das Projekt soll bis zum März 2022 laufen.

DÄ: Wie genau soll die Zusammenarbeit zwischen den an dem Projekt teilnehmenden Hausärzten und Pflegeexperten ablaufen?
Lauven: Die Hausärzte screenen ihren Patientenstamm auf geeignete Patienten, sprechen diese an, klären auf und holen das Einverständnis ein. Nach der Zu­weisung an uns führen die Pflegeexperten Erstbesuche durch und er­stellen einen Arbeits­plan.

Nach dessen ärztlicher Freigabe werden bei allen Folgebesuchen Statusberichte erstellt und an den Arzt übermittelt. Bedarfsweise erfolgen Telefonaustausche oder auch gemein­same Patientenbesuche. Ziel ist es, den Gesundheitszustand der Klienten langfristig sta­bil zu halten.

DÄ: Welche Ergebnisse erhoffen Sie sich von dem Projekt?
Lauven: Der wissenschaftliche Endpunkt von „HandinHand“ ist eine Reduktion der Kran­kenhauseinweisungsquote in der Interventionsgruppe gegenüber einer Kontroll­gruppe.

Die Kontrolldaten stammen von der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. Darüber hinaus wollen wir auch wissen, wie gut diese Versorgungsform von Patienten, Angehörigen und Ärzten angenommen wird und wie zufrieden diese mit „HandinHand“ sind. Die ersten Er­fahrungen sind zumindest sehr positiv. Gesundheits­ökonomische Analysen runden das wissenschaftliche Programm ab.

DÄ: Glauben Sie, dass das Projekt „HandinHand“ als Vorbild für andere Regionen in Deutschland werden kann?
Lauven: Ja. Wir glauben, dass die Zusammenarbeit zwischen speziell ausgebildeten Pfle­geexperten und Hausärzten ein neuer, allseits gewinnbringender und stabilisierender Pfei­ler in der ambulanten Primärversorgung sein kann und auch sein wird. Deshalb stre­ben wir nach positivem Projektausgang eine Überführung in die Regelversorgung an.

Die Marienhaus Unternehmensgruppe kann sich Pflegeexpertencenter in ihrem Versor­gungsgebiet Rheinland-Pfalz und Saarland sicherlich an vielen Standorten vorstellen. Bundesweit ist es ebenfalls und ganz gewiss eine attraktive Option. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #722003
Hausarsch
am Freitag, 12. Juni 2020, 10:33

Ich hafte gern

Ja, so läufst!
Dann braucht man den Arzt nur noch als haltenden Büttel.
Haften für die Therapie.
Haften (Regresse) für die Verordnungen.
Ach ja,
weshalb eigentlich "nur" die Bezeichnung "PFLEGEFACHKRAFT".
Bei uns sind das alles Manager
Wundmanager,
Fussmanager,
Stomamanager,
u.s.w.
Die Titel werden von der Industrie nach Schulungen im eigenem
Unternehmen vergeben.
So wird die Ware in die Arztpraxen und Kliniken gedrückt.
Alle freuen sich, die Damen und Herren Manager über ihre Titel
und die Industrie über die Umsätze.
Was passiert wohl mit dem System, wenn die Ärzte anfangen nachzudenken?
Avatar #722003
Hausarsch
am Freitag, 12. Juni 2020, 10:25

Ich hafte gern

Ja, so läufst!
Dann braucht man den Arzt nur noch als haltenden Büttel.
Haften für die Therapie.
Haften (Regresse) für die Verordnungen.
Ach ja,
weshalb eigentlich "nur" die Bezeichnung "PFLEGEFACHKRAFT".
Bei uns sind das alles Manager
Wundmanager,
Fussmanager,
Stomamanager,
u.s.w.
Die Titel werden von der Industrie nach Schulungen im eigenem
Unternehmen vergeben.
So wird die Ware in die Arztpraxen und Kliniken gedrückt.
Alle freuen sich, die Damen und Herren Manager über ihre Titel
und die Industrie über die Umsätze.
Was passiert wohl mit dem System, wenn die Ärzte anfangen nachzudenken?
Avatar #722321
Hennighausen
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 01:06

Notwendige Neuerung

Derartige Modelle sind sind notwendig und zukunftsweisend. Die fachliche Kompetenzverteilung dürfte keine wesentlichen Probleme bereiten, die rechtliche Seite evtl. eher. Ähnlich Modelle sind ja schon am Laufen, z. B. AGNES in den neuen Bundesländern oder die Einführung/ Etablierung des Physician Assistant.
LNS

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