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Medizin

Bakteriämie: CRP-Wert kann Dauer der Antibiotikatherapie steuern

Dienstag, 9. Juni 2020

/Dr.Gary Gaugler, OKAPIA

Genf – Die Antibiotikatherapie einer unkomplizierten Bakteriämie mit g­­­ramnegativen Erregern kann ohne Nachteile für den Patienten von 14 auf 7 Tage verkürzt werden. Dies kam in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 2160-2169) heraus, in der sich auch eine CRP-geleitete Therapie als gleichwertig erwies.

Gramnegative Bakteriämien sind eine häufige und potenziell lebensgefährliche Infektion. Die Ärzte entscheiden sich meist für eine 14-tägige Antibiotikabehandlung statt der sonst üblichen 7-tägigen Behandlung, die bei leichteren Infektionen üblich ist. Es ist allerdings nicht erwiesen, dass die zusätzlichen 7 Tage die Heilungschancen verbessern.

Ein Team um Angela Huttner von der Universitätsklinik in Genf hat jetzt in einer rando­misierten Studie untersucht, ob eine 7-tägige Behandlung zu gleich guten Ergebnissen wie eine 14-tägige Behandlung führt. In einer dritten Gruppe wurde die Dauer der Behandlung von der Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP) abhängig gemacht.

An der PIRATE-Studie nahmen an 3 Schweizer Schwerpunktkliniken insgesamt 504 Patienten teil, bei denen eine gramnegative Bakteriämie diagnostiziert worden war. Bei allen Patienten war eine Behandlung mit einem Antibiotikum begonnen worden, das sich bei einer Resistenztestung als wirksam erwiesen hatte.

Bei 1/3 der Patienten wurde die Behandlung über die üblichen 14 Tage durchgeführt. In der zweiten Gruppe wurde die Behandlung nach 7 Tagen beendet. In der dritten Gruppe wurde ab dem 5. Tag täglich der CRP-Wert bestimmt. Die Antibiotika-Behandlung wurde fortgeführt, bis der CRP-Wert um mindestens 75 % gefallen war. Primärer Endpunkt der Studie war ein Therapieversagen, definiert durch ein Rezidiv der Infektion oder das Auftreten von Komplikationen, eine erneute Antibiotikatherapie oder der Tod des Patienten.

Wie Huttner berichtet, lag die Dauer der CRP-geführten Therapie zwischen 5 und 28 Tagen, median waren es 7 Tage. Zu einem klinischen Versagen kam es nur bei 4 von 164 Patienten (2,4 %) im Vergleich zu 11 von 166 Patienten (6,6 %) bei einer festen Behandlungsdauer von 7 Tagen und zu 9 von 163 Patienten (5,5 %) bei der üblichen Behandlungsdauer von 14 Tagen.

Demnach könnte die CRP-geführte Therapie am ehesten zum Ziel führen. Die Differenz von 3,1 %-punkten zur 14-tägigen Behandlung lag mit einem einseitigen 97,5-%-Konfidenzintervall von minus unendlich bis 1,1 %-punkten weit unter der vorgegebenen Non-Inferioritätsmarge von 10 %-punkten, so dass die Gefahr, dass ein größerer Nachteil übersehen wurde, sehr gering ist.

Auch die 7-tägige Behandlung erfüllte mit einem einseitigen 97,5-%-Konfidenzintervall von minus unendlich bis 6,3 %-punkten die Non-Inferioritätsmarge, wenn auch der statistische „Sicherheitsabstand“ nicht so groß ausfiel.

Nach Ansicht von Hutter ist der CRP-Wert, obwohl er nicht spezifisch für Infektionen ist, durchaus bei einer unkomplizierten Bakteriämie geeignet, die Dauer einer Antibiotika-Behandlung zu bestimmen. Die frühere Regel, dass alle Patienten mit einer schweren Infektion, eine 14-tägige Antibiotikagabe benötigen, ist nach Ansicht der Genfer Infektiologin heute nicht mehr zeitgemäß. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #640189
Dr. Stockmann
am Mittwoch, 10. Juni 2020, 10:22

Wertvolle Studie

Ich kann mich den Einschätzungen der kommentierenden Kollegen Woly und Bodalche nicht anschließen. Es handelt sich um eine wertvolle Arbeit, die eine simple Strategie in Richtung rationaler Antibiotikatherapie darstellt.

Die Wertigkeit des PCT ist in diesem Zusammenhang auf Basis der Datenlage aus meiner Sicht eher zu hinterfragen (@Bodalche: Welche "wesentlich besseren Daten zum PCT" gegenüber dem CRP kennen Sie?).

Wenn gleich keine unkomplizierte gramneg. Bakteriämie, dennoch Grund zum Nachdenken über das PCT bei:
- Cochrane Review 2017: Effectiveness and safety of procalcitonin evaluation for reducing mortality in adults with sepsis, severe sepsis or septic shock
https://doi.org/10.1002/14651858.CD010959.pub2
- RCT 2018: Procalcitonin-Guided Use of Antibiotics for Lower Respiratory Tract Infection
https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa1802670
Avatar #625606
Woly
am Dienstag, 9. Juni 2020, 22:29

?

Schließe mich dem Kollegen an
Nullinformation- lesen überflüssig
Avatar #602316
Bodalche
am Dienstag, 9. Juni 2020, 21:23

PCT ?

Was will man uns mit dieser „Studie“ sagen? Wesentlich bessere Daten liegen doch zum PCT seit Jahren vor.
Avatar #602316
Bodalche
am Dienstag, 9. Juni 2020, 21:19

Und das PCT.

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