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Medizin

Alleinige Thrombektomie bei ischämischem Schlaganfall kombinierter Lyse/Thrombektomie nicht unterlegen

Dienstag, 9. Juni 2020

/Alexandr, Mitiuc stock.adobe.com

Shanghai/Berlin – Schlaganfälle sind häufig ischämischer Natur. Die Ursache ist meist ein Blutgerinnsel, das eine hirnversorgende Arterie verstopft. Eine chinesische Studie hat jetzt die Effektivität und Sicherheit einer Thrombektomie mit einer kombinierten Lyse/Throm­bektomie verglichen. Die Arbeit ist im New England Journal of Medicine erschienen (DOI: 10.1056/NEJMoa2001123).

Die Studie an 41 klinischen Zentren untersuchte die endovaskuläre Thrombektomie mit oder ohne vorangehende Lysetherapie. Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall aufgrund des Verschlusses eines großen Hirngefäßes wurden zu gleichen Teilen rando­misiert.

Es gab die Gruppe „alleinige Thrombektomie“ und die Gruppe „Lyse plus Thrombektomie“, wobei erst eine intravenöse Lyse mit dem Medikament Alteplase in der Dosierung 0,9 mg/kg Körpergewicht durchgeführt wurde, gefolgt von einer Thrombektomie.

Eine statistische Nichtunterlegenheits-Analyse untersuchte den Unterschied zwischen den Gruppen hinsichtlich der neurologischen Folgeschäden nach 90 Tagen (primärer Endpunkt). 656 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, 327 waren in der Thrombektomie-Gruppe und 329 in der Gruppe mit der Kombinationstherapie.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat die zentralen Ergebnisse der Studie zusammengefasst. Danach war die alleinige Thrombektomie der Kombinationstherapie im Hinblick auf den primären Endpunkt nicht unterlegen. (adjustierte OR 1,07; p=0,04). Jedoch war mit der Kombinationstherapie der Patientenanteil mit bereits vor der Thrombektomie erreichter erfolgreicher Reperfusion größer (7 versus 2,4 %).

Auch der Anteil an Patienten insgesamt mit erfolgreicher Reperfusion (also in beiden Gruppen nach der Thrombektomie) war mit der Kombinationstherapie höher als mit alleiniger Thrombektomie (84,5 versus 79,4 %). Die 90-Tages-Mortalität betrug in der Thrombektomie-Gruppe 17,7 und in der Gruppe mit Kombinationstherapie 18,8 % (p=0,7).

Hinsichtlich der Sicherheit gab es zwischen den Gruppen ähnliche Ergebnisse, zu schwereren unerwünschten Ereignissen kam es bei alleiniger Thrombektomie bei 37 % der Patienten versus 36,8 % in der Kombinationstherapiegruppe. Insbesondere war das Risiko symptomatischer Hirnblutungen in der Gruppe mit Thrombektomie nach Lyse statistisch nicht signifikant höher.

„Eine Überlegenheit der Kombinationstherapie ist nicht ausgeschlossen, dies ist möglich­erweise an den besseren Reperfusionsergebnissen erkennbar – hierzu sind aber weitere Studien notwendig. Auch ist letztlich immer die Frage, inwieweit chinesische Daten auf die europäische Bevölkerung übertragen werden können“, sagte Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

„Entscheidend ist und bleibt beim Schlaganfall, wie schnell die Behandlung von statten geht“, betonte der Pressesprecher der DGN, Hans-Christoph Diener. Nicht jede Klinik könne eine Thrombektomie durchführen, aber überall könne eine Lyse begonnen werden.

„Wenn darüber hinaus eine Thrombektomie indiziert ist und der Patient dazu in eine andere Klinik verlegt werden muss, entsteht ihm nach dieser Studie kein Schaden, wenn während des Transportes eine Lyse durchgeführt wird. Das ist ein relevantes Ergebnis für den klinischen Alltag“, betonte Diener. © hil/aerzteblatt.de

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