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Medizin

COVID-19: Kawasaki-Syndrom bei Kindern ist eigenständige Erkrankung

Dienstag, 9. Juni 2020

/sudok1, stock.adobe.com

London und New York – Die schweren entzündlichen Erkrankungen, die seit dem Beginn der COVID-19-Pandemie vereinzelt bei Kindern beobachtet wurden, unterscheiden sich nach 2 neuen Fallserien im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.10369 und 10374) deutlich vom Kawasaki-Syndrom.

Die Studien bestätigen die Einschätzung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die in den letzten Wochen Falldefinitionen für eine eigenständige Erkrankung veröffentlicht haben.

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An einem Kawasaki-Syndrom erkranken vor allem Kleinkinder. Die Erkrankung beginnt mit hohem Fieber, das über mindestens 5 Tage anhält. Begleitend kommt es zu einem Exan­them, einer Lymphadeno­pathie, Bindehautinjektionen, zu Erythemen und Ödemen an Händen und Füßen und zu Veränderungen der Lippen und Mundschleimhaut. Die Kinder erholen sich allmählich von der Erkrankung. Bei einigen kommt es allerdings zu dauer­haften kardialen Schäden, darunter zur Bildung von Aneurysmen in den Herzkranz­gefäßen und in anderen Arterien.

Die Symptome werden auf eine Vaskulitis zurückgeführt, deren Ursache jedoch auch 5 Jahrzehnte nach der Erstbeschreibung durch den japanischen Pädiater Tomisaku Kawasaki noch immer unbekannt ist. Der Erkrankung geht jedoch häufig eine Infektion voraus, die zu Beginn des Kawasaki-Syndroms meist abgeklungen ist. Die meisten Experten vermuten deshalb eine Reaktion des Immunsystems auf Antigene des Erregers.

Als in diesem Frühjahr vereinzelt Kinder in Europa und Nordamerika erkrankten, wo das Kawasaki-Syndrom normalerweise selten ist, fiel der Verdacht schnell auf das neue Coronavirus SARS-CoV-2. Tatsächlich haben die meisten Kinder Antikörper gegen das SARS-CoV-2, während der Nachweis von Erregergenen im Abstrich (nur noch) selten positiv ausfällt.

Inzwischen wurden mehr als 200 Fälle beschrieben, darunter 58 aus Großbritannien, die ein Team um Michael Levin vom Imperial College London jetzt vorstellt. Pädiater aus dem Irving Medical Center in New York berichten über 17 Kinder.

Die Kinder waren zwischen 4 Monate und 17 Jahre alt. Das mediane Alter lag bei 8 bis 9 Jahren und war damit deutlich höher als beim klassischen Kawasaki-Syndrom, das typischerweise bei Kindern unter 5 Jahren (Durchschnitt 2,7 Jahre) beobachtet wird.

Auffällig ist, dass die Kinder häufig zu bestimmten ethnischen Gruppen gehören. Das klassische Kawasaki-Syndrom wird vor allem in Asien beobachtet. Die jetzt mit SARS-CoV-2 assoziierte Erkrankung trat in Großbritannien vor allem bei Kindern afroameri­kanischer, karibischer und hispanischer Abstammung auf.

Von den 58 Kindern in Großbritannien gehörten nur 12 zur weißen europastämmigen Bevölkerungsgruppe. In New York fällt eine Häufung von Kindern aus der Gruppe der aschkenasischen Juden auf (6 von 17 Fällen). Dort hatten nur 2 der 17 Kinder Vorfahren aus Europa.

Auch die Symptome unterscheiden sich vom klassischen Kawasaki-Syndrom. Die von der American Heart Association vorgeschlagenen Kriterien erfüllten in der britischen Serie nur 13 der 58 Kinder. Levin beschreibt 2 weitere klinische Formen. Bei der ersten Gruppe, zu der 23 Kinder gehörten, kam es zu einem persistierenden Fieber und zu einem starken Anstieg der Entzündungsparameter.

Organschäden oder ein Hautausschlag wie bei einem toxischen Schocksyndrom fehlten. In der zweiten Gruppe mit 29 Kindern kam es dagegen zu einem Kreislaufschock mit einer Pumpschwäche der linken Herzkammer und einem Anstieg des Troponins, einem Serummarker für Herzmuskelschäden. Diese Kinder benötigten positiv inotrope Medikamente zur Stabilisierung der Herzfunktion.

Aneurysmen in den Koronararterien, die am meisten gefürchtete Komplikation, wurden bei 8 von 55 untersuchten Kindern entdeckt. In der Fallserie aus den USA wurde bisher nur bei einem Patienten ein Aneurysma in einer Koronararterie gefunden.

Aufgrund der Unterschiede sprechen beide Forschergruppen von einem neuen Krank­heitsbild, für das es noch keine einheitliche Nomenklatur gibt. Lewin bezeichnet es als „pediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with SARS-CoV-2“ (PIMS-TS).

Die US-Autoren übernehmen die CDC-Terminologie, die die Erkrankung als „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) Associated with Coronavirus Disease 2019“ bezeichnet. Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat im Mai eine Falldefinition zum „Multisystem inflammatory syndrome in children and adolescents with COVID-19“ veröffentlicht. © rme/aerzteblatt.de

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Julian_Haegele
am Dienstag, 9. Juni 2020, 20:52

Wiederholung: Kawasaki bei Rotavirenimpfung

Das Thema hatten wir schon einmal, die Fakten bleiben dieselben:
1. Dass das Kawasaki-Syndrom als Nebenwirkung der RotaTeq-Impfung beschrieben wird, ist falsch und wird in dem durch den unten verlinkten Artikel zitierten Statement des PEI auch nicht so geschrieben. In dem verlinkten Artikel wird es auch nicht so wiedergegeben. Es wird nur von einer Meldung von drei Verdachtsfällen gesprochen, da bei drei Kindern in zeitl. Zusammenhang mit der Impfung ein Kawasaki-Syndrom aufgetreten ist. Die Aufarbeitung dieser Meldungen findet keinen Beweis für einen Zusammenhang und wird so Zusammengefasst:
"Eine statistische Analyse hat gezeigt, dass weltweit die Anzahl der nach Impfung tatsächlich beobachteten Fälle weit geringer ist als die rein zufällig im zeitlichen Abstand zur Impfung zu erwartenden Fälle. Diese statistische Analyse wurde auch durch Zwischenergebnisse einer Sicherheitsstudie nach der Zulassung von RotaTeq in den USA bestätigt."
Das ist ein riesengroßer Unterschied zu der Behauptung, dass es als Impfnebenwirkung beschrieben wird!
2. Die Impfserie mit RotaTeq MUSS ZWINGEND bis zum Alter von 32 Wochen abgeschlossen sein, somit kann der Zusammenhang mit der Impfung, warum auch immer er hier bestehen sollte, allein auf Grund der Altersverteilung ausgeschlossen werden.
LNS

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