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Medizin

COVID-19: ECDC sieht begrenzte Optionen zur Reinigung und Wiederverwendung von Atemschutzmasken

Mittwoch, 10. Juni 2020

/Maridav, stock.adobe.com

Stockholm – Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hält es nur in Ausnahmefällen für gerechtfertigt, Atemschutzmasken wiederzu­verwenden. In einem Technical Report bewertet die EU-Behörde die verschie­denen Optionen zur Aufbereitung.

Technisch gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Partikel-filtrierende Atemschutzmasken (FFP) von Kontaminationen zu befreien. Dies kann durch Chemikalien, Hitze, Dampf, Gas oder auch Strahlung erfolgen. Jedes Verfahren hat Vor- und Nachteile. Eine chemische Reinigung kann mit Wasserstoffperoxid, Alkohol oder Bleichmittel erfolgen.

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Die ECDC hält lediglich die Verwendung von Wasserstoffperoxid-Dampf für (bedingt) praktikabel. Eine Studie der FDA habe gezeigt, dass das Verfahren NP95 Respiratoren (das Äquivalent zu FFP2-Masken) effektiv dekontaminieren kann.

Nach zweimaliger Wiederaufbereitung kam es in einer weiteren Studie aus den Nieder­landen jedoch zu einer Verformung, die die Filtrierfähigkeit der Maske infrage stellt. Ein Nachteil der Methode ist laut der ECDC, dass Rückstände von Wasserstoffperoxid über Tage in den Masken nachweisbar waren.

Alkohol könnte SARS-CoV-2 ebenfalls sicher inaktivieren, die Aufbereitung schädige jedoch die Maske, was in einer Studie zu einem deutlichen Abfall der Filtrierfähigkeit geführt habe, heißt es im Report. Die ECDC rät deshalb von diesem Verfahren ab. Auch Chlor-basierte Bleichmittel sollten nicht verwendet werden, weil sie die Filtrierfähigkeit gefährden und der Geruch auch nach vollständiger Trocknung oft nicht verflogen sei.

Eine Begasung mit Ethylenoxid, die bei bestimmten schwer zu reinigenden Endoskopen verwendet wird, ist nach Einschätzung des ECDC bedingt zur Dekontaminieren von Atemschutzmasken geeignet. Das Gas sei in der Lage, die Viren zu inaktivieren, schreiben die ECDC-Experten. Der Nachteil seien jedoch Rückstände des gesundheitsschädlichen Gases, die in den Masken bleiben können.

Einwände bestehen auch gegen eine Hitzebehandlung. Die Viruskonzentration könne durch feuchte oder trockene Hitzeanwendung deutlich reduziert werden. Bei höheren Tempe­raturen komme es jedoch zu Beschädigungen im Material, die die Filtrierfähigkeit infrage stellen würden. Die ECDC rät deshalb auch von der Verwendung von Autoklaven ab, die häufig eine Temperatur von 121°C erreichen.

Temperaturen von unter 100°C seien weniger schädlich für das Material, sie würden allerdings eine längere Dauer (z.B 70°C trockene Wärme über 60 Minuten) erfordern. Das ECDC hält eine Hitzebehandlung deshalb nur für bedingt praktikabel. Autoklaven und eine Dampfsterilisierung sollten nicht verwendet werden. Von Mikrowellen wird ebenfalls abgeraten.

Eine Behandlung mit Gammastrahlen, die bei der Herstellung von medizinischen Geräten und in der Lebensmittelindustrie verwendet werden, ist in den meisten Kliniken nicht möglich. Studien weisen laut ECDC auf eine Verformung der Atemschutzmasken hin, weshalb von diesem Verfahren abgeraten wird.

Eine vielversprechende Methode sei die germizide UV-Bestrahlung (UVGI). Die UV-Strahlung schädigt nach Einschätzung des ECDC das Material der Atemschutzmasken nicht. Ein prinzipieller Nachteil sei jedoch, dass Viren, die sich im Schatten der Stahlen befinden, nicht erreicht würden. Die Effektivität könnte deshalb stark vom Fabrikat der verwendeten Maske abhängen. Teilweise wurden lange Expositionszeiten, in einer Studie bis zu 266 Minuten, benötigt. Das ECDC hält das Verfahren nur für bedingt geeignet.

Eine Methode, die ohne physikalische oder chemische Methoden auskommt, ist die Wiederverwendung der Atemschutzmaske nach zwischenzeitiger Lagerung, da Viren mit der Zeit verfallen.

Ein aus Sicht des ECDC durchaus machbarer Ansatz („quite feasible approach“) ist die Austeilung von 5 Atemschutzmasken an einzelne Personen, die die Atemschutzmasken dann im Wechsel tragen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Atemschutzmasken keine sichtbaren Verunreinigungen aufweisen, zu denen es bei Eingriffen an intubierten Patienten (etwa der Saugreinigung der Atemwege, der Entnahme von Sonden oder bei Extubationsversuchen) schnell kommen kann.

Auch in irgendeiner Weise beschädigte oder nicht passende Masken sollten unabhängig von der Aufbereitungsmethode nicht wiederverwendet werden. Ein Tipp des ECDC ist, bei bestimmten Tätigkeiten eine chirurgische Gesichtsmaske über der Atemschutzmaske zu tragen. Auch die Verwendung von neuen unbenutzten Atemschutzmasken, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, könnte bei ordnungsgemäßer Lagerung überlegt werden. © rme/aerzteblatt.de

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