NewsPolitikKrankenhäuser wollen Unterstützung von Privater Kran­ken­ver­siche­rung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhäuser wollen Unterstützung von Privater Kran­ken­ver­siche­rung

Mittwoch, 10. Juni 2020

/picture alliance

Köln – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert finanzielle Hilfen der Priva­ten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) für die Krankenhäuser ein. Die Bereitschaft der PKV, nie­dergelassenen Ärzten und Zahnärzten durch Honorarzuschläge zu helfen, sei ausdrück­lich zu begrüßen.

Es gebe aber auch im stationären Bereich hohe Ausfälle durch den Wegfall von Erlösen aus der Behandlung von Privatversicherten. „Es ist also im gleichen Maße notwendig, dass die PKV an die Krankenhäuser einen Pandemiezuschlag leistet“, erklärte dazu Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG.

Anzeige

Die PKV werde durch die Belegrückgänge im stationären Bereich von 30 bis 50 Prozent finanziell deutlich entlastet, da die Freihaltepauschale aus Bundesmitteln aufgebracht werde. Die Krankenhäuser dagegen hätten hohe Erlösausfälle bei den Wahlleistungen.

„Die PKV ist gefordert, aus ihren sich durch die Coronakrise ergebenden Überschüssen einen Beitrag zur Sicherung der Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser in dieser außeror­dentlich schwierigen Phase des Gesundheitswesens zu leisten“, so Baum.

Der PKV-Verband sieht sich zu Unrecht kritisiert: Die PKV und die Beihilfe seien vollum­fänglich an allen krisenbedingten Zusatzzahlungen bei den Krankenhausentgelten betei­ligt. Die PKV sei von der Aussetzung des Fixkostendegressionsabschlags und abweichen­den Vereinbarungen von Ausgleichssätzen für Mehr- oder Mindererlöse in gleicher Weise wie die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) betroffen.

Zudem sei man bei der Erhöhung des vorläufigen Pflegeentgeltwerts mit 270 Millionen Euro und den Mehrkosten für Schutzausrüstungen mit 24 Millionen Euro beteiligt. Wei­terhin werde die PKV Zusatzentgelte für Coronatests in Krankenhäusern wie die GKV leisten.

Mehraufwände für Hygienemaßnahmen sowie telemedizinische und telefonische Leistun­gen im ambulanten Bereich können mit zusätzlichen Entgelten abgerechnet werden. Da­zu hat der PKV-Verband entsprechende Vereinbarungen mit Bundesärzte­kammer (BÄK) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) sowie weiteren Verbänden der Leistungserbringer getroffen. Der zu erwartende Mehrbeitrag allein für zusätzliche Hygienemaßnahmen im ambulanten Bereich beläuft sich laut PKV-Verband unter Beteiligung der Beihilfe auf mehr als 300 Millionen Euro.

Auch trügen, so der PKV-Verband, die Privatversicherten laut Berechnungen des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung jährlich gut drei Milliarden Euro zum Bundes­zuschuss für den Gesundheitsfonds bei.

Dies entspreche einem Anteil von rund 20 Pro­zent, obwohl nur ungefähr zehn Prozent der Deutschen im privaten System versichert seien. Sollten weitere Pandemiekosten über ei­ne Steuerfinanzierung abgewickelt werden, so könne man davon ausgehen, dass Privat­ver­sicherte auch hier über ihre Steuern einen überproportional größeren Anteil tragen.

Laut des Verbandes der Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS Verband) belaufen sich die Honorareinbußen der niedergelassenen Ärzte für privatärztliche Leistungen infolge der Coronapandemie für April auf knapp 33 Prozent. Einige Fachgruppen haben demnach deutlich überdurchschnittliche Honorareinbußen zu verzeichnen. Analysiert wurden die Abrechnungen von insgesamt 3.571 niedergelassenen Ärzten im gesamten Bundesgebiet.

„Unsere Daten zeigen, dass die HNO-Ärzte mit fast 44 Prozent Honorareinbußen die Aus­wirkungen der Pandemie am stärksten zu spüren bekommen“, erläuterte Stefan Tilgner, Geschäftsführer des PVS Verbandes. Auch die Hausärzte lägen mit knapp 37 Prozent deut­lich über dem Durchschnitt, das gelte auch für die Kinder- und Jugendärzte, die Honorar­rückgänge von 36 Prozent zu verzeichnen haben.

Die finanziellen Auswirkungen des Wegbrechens von Patientenkontakten in den Praxen könnten schon jetzt aus eigener Kraft nur schwer kompensiert werden, mahnte Tilgner. Existenzbedrohende und damit strukturverändernd wirkende Einbußen müssten im Zu­sammenspiel aller Akteure verhindert werden. © aha/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juli 2020
Berlin – Die Zahl der Fälle in den Notaufnahmen ist während der Coronapandemie seit Mitte März um bis zu 40 Prozent gesunken. Das berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen
Weniger Fälle in Notaufnahmen während der Pandemie
3. Juli 2020
Berlin – Das deutsche Gesundheitssystem verfügt trotz bestehender Probleme über eine „starke Basis“. Dies hat die im internationalen Vergleich bislang gut gelungene Bewältigung der Coronapandemie
Spahn sieht gute Basis für Weiterentwicklung des Gesundheitssystems
3. Juli 2020
Hamburg – Über die deutsche Corona-Warn-App sind laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) inzwischen einige hundert Infektionen mitgeteilt worden. „Wir gehen von rund 300 Infektionen aus, die
Spahn: Bisher rund 300 Infektionen per Warn-App gemeldet
3. Juli 2020
Berlin – Für Haustiere, die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert haben, gilt künftig eine Meldepflicht. Der Bundesrat billigte heute eine Regierungsverordnung, die eine Meldung über die
SARS-CoV-2: Für infizierte Haustiere gilt künftig eine Meldepflicht
3. Juli 2020
Berlin – Die Berliner Familiengerichte und die Gewaltschutzambulanz der Charité sehen einen Anstieg bei der häuslichen Gewalt und Kindesmisshandlung im ersten Quartal 2020. So gab es von Januar bis
Mehr häusliche Gewalt und Kindesmisshandlungen im Zuge der Pandemie
3. Juli 2020
Los Alamos/New Mexico –Eine Variante von SARS-CoV-2, die durch eine Mutation an Position 614 des Spike-Proteins gekennzeichnet ist, hat sich von Europa ausgehend innerhalb weniger Wochen weltweit
SARS-CoV-2: Wie gefährlich ist die Virusvariante G614?
3. Juli 2020
Köln – Bei Obduktionen von 13 Patienten, die am Universitätsklinikum Heidelberg an COVID-19 verstorben waren, wurden in den Lungen charakteristische histologische Veränderungen gefunden, die als
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER