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Medizin

Studie: SARS-CoV-2 überlebt auf Oberflächen auch bei höheren Temperaturen

Mittwoch, 10. Juni 2020

/sergei_fish13, stock.adobe.com

Bochum – Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 bleibt auf Oberflächen auch bei höheren Außentemperaturen über längere Zeit infektiös. Dies zeigen kürzlich im Journal of Infection (2020; DOI: 10.1016/j.jinf.2020.05.074) veröffentlichte Laborexperimente.

SARS-CoV-2 wird vermutlich in erster Linie über Tröpfchen und Aerosole übertragen. Eine Übertragung über Gegenstände oder Oberflächen ist jedoch nicht ausgeschlossen. Sie könnte vor allem in Krankenhäusern relevant sein.

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Ein Team um Stephanie Pfänder von der Ruhr-Universität Bochum hat untersucht, wie lange die Viren auf Oberflächen infektiös bleiben. Dabei variierten die Forscher die Oberflächen­temperatur von normaler Raumluft einmal auf Kühlschranktemperatur (4°C) und das andere Mal auf hochsommerliche 30°C.

Die Ergebnisse widersprachen den Erwartungen. Die Forscher hatten erwartet (oder gehofft), dass sommerliche Temperaturen die Viren schneller abtöten. Das Gegenteil war der Fall.

Die Halbwertzeit, in der die Zahl der infektiösen Partikel jeweils um 50 % abnimmt, war bei einer Erwärmung auf 30°C mit etwa 17,9 Stunden am längsten. Bei Kühlschrank­temperatur betrug die Halbwertzeit 12,9 Stunden. Bei Raumtemperatur war der Zerfall der Viren mit einer Halbwertzeit von 9,1 Stunden am schnellsten.

Die Experimente wurden auf trockenen Oberflächen durchgeführt. Trockenheit reduziert laut Pfänder die Infektiosität der Viren innerhalb der ersten Stunde um das 100-fache. In den folgenden 4 bis 8 Stunden sank die Anzahl infektiöser Partikel zunächst kaum und anschließend langsam weiter ab, allerdings nahezu unabhängig von der Temperatur.

2 weitere Faktoren, die die Infektiosität im Sommer beeinflussen könnten, wurden in den Experimenten nicht untersucht. Dies war einmal die Luftfeuchtigkeit. Frühere Studien hatten gezeigt, dass das Überleben von Coronaviren auf Oberflächen bei einer hohen (80 %) und einer niedrigen (20 %) Luftfeuchtigkeit deutlich höher ist als bei einer mittleren Luftfeuchtigkeit(50 %). Das UV-Licht der Sonne hat ebenfalls eine abtötende Wirkung auf die Viren. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 16. Juni 2020, 23:34

Zusätzliche Schlussfolgerungen

Die Besonderheit dieser Arbeit besteht darin, dass die Viruslast nicht einfach mittels real-time PCR bestimmt wurde, sondern mittels Zellkultur und damit ein echtes Maß für die Infektiosität darstellt. Der für mich wichtigste Nebensatz ist folgender:
„Initial virus (SARS-CoV- 2/München-1.1/2020/929) concentration was 1.58 × 107 50% tissue culture infectious dose per milliliter [TCID50/mL] and declined to 9.63 × 104 TCID50 /mL after 1h drying.“

Das bedeutet, allein durch das Trocknen sinkt die Infektiosität um mehr als zwei log-Stufen. Und das ist nicht nur für trockene Oberflächen wichtig, sondern auch für Gesichtsmasken. Angenommen, Gesichtsmasken hätten nur einen einzigen Effekt, nämlich das Auffangen der ausgeatmeten Tröpfchen und deren Trocknung, dann würde dieser Effekt allein bereits die Infektiosität in der Ausatemluft auf weniger als 1% reduzieren, selbst wenn alle Viruspartikel anschließend wieder an die Umgebung abgegeben würden. Dieser Effekt dürfte eine spezifische Schwachstelle bei den umhüllten Coronaviren darstellen, bei Picornaviren sieht es wahrscheinlich schon wieder anders aus. Dies erklärt auch die anfängliche Skepsis z.B. von RKI und WHO gegenüber Gesichtsmasken.

Noch ein paar Worte zu den Umgebungsbedingungen. Es wurden Temperaturen von 4°C, RT und 30°C geprüft. All diese Temperaturen erlauben eine Weiterverbreitung von Sars-CoV-2. (Aus anderen Arbeiten ist bekannt, dass eine thermische Inaktivierung oberhalb von 60°C erfolgt). Das bedeutet, eine Ausbreitung ist auch in den Tropen möglich, wie die Beispiele Ecuador und Brasilien zeigen. Interessant ist hier der Vergleich von Guayaquil und Quito. Die hohe Luftfeuchte in Guayaquil scheint die Ausbreitung zu beschleunigen, dagegen trockenere Hochgebirgsluft in Quito in Verbindung mit dem hohen UV-Index scheint die Ausbreitung zu bremsen. Jedenfalls war der Kollaps des Gesundheitssystems in Guayaquil in den internationalen Medien, während es bezüglich Quito dort vergleichsweise ruhig war. Das hätte aber auch Konsequenzen für Deutschland. Die niedrigere Luftfeuchte im Sommer plus der höhere UV-Index verschaffen uns derzeit eine Atempause, die maximal bis zum Oktober andauern kann.
Avatar #589166
Sextus Empiricus
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 16:47

Wie belastbar sind diese Daten des Artikels in J. of Infection?

Der Artikel unten sagt etwas anderes.
http://www.thelancet.com/microbe
We first measured the stability of SARS-CoV-2 at different temperatures. SARS-CoV-2 in virus transport medium (final concentration ~6·8 log unit of 50% tissue culture infectious dose [TCID50] per mL) was incubated for up to 14 days and then tested for its infectivity (appendix p 1). The virus is highly stable at 4°C, but sensitive to heat. At 4°C, there was only around a 0·7 log-unit reduction of infectious titre on day 14. With the incubation temperature increased to 70°C, the time for virus inactivation was reduced to 5 mins
Avatar #832320
Chris7744
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 13:41

Die Bezugsgröße ist bei Angaben von x-fachen

Vergleichen zunächst einmal egal. Gemeint ist hier: wenn z.B. 10000 Viren eine Stunde auf einer nassen Oberfläche liegen, sind anschließend noch 9950 von ihnen aktiv. Packt man sie auf eine trockene Oberfläche, sind es nur noch 5000. Man erhält also eine Größenordnung für den Unterschied, aber keine Informationen über tatsächliche Zahlen.
Angaben dieser Art machen eigentlich nur Sinn bei sehr großen Zahlen und gleichzeitig eher kleinen Änderungen.
Avatar #832304
mal überlegen ...
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 12:04

mal überlegen ...

Hallo
Hmm. Ich habe mit dem '100-fachen' Verständnisprobleme: von welcher Bezugsgrösse gilt der Ansatz. Sagt der Autor, 100% verlieren die Übertragbarkeit und sind inaktiv und wenn man nach 4- und 8-Stunden nachzählt und testet sind alle noch da und wieder aktiv aber es werden langsam weniger.
Kann das sein?
LNS

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