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Medizin

Studie: Blutwerte erlauben Prognose über COVID-19-Verlauf

Donnerstag, 11. Juni 2020

/picture alliance, Matthias Tödt

Essen – Bei einer COVID-19-Erkrankung lässt sich anhand von 2 Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen, ob ein Patient einen schweren Verlauf oder nur milde Symptome entwickelt. Dies zeigt eine Studie an 40 COVID-19-Patienten im chinesischen Wuhan.

Die Befunde seien in Deutschland bei mehreren Patienten bestätigt worden, sagt Co-Au­tor Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie. Mehrere Medien hatten zuvor über die in EBioMedicine (2020; DOI: 10.1016/j.ebiom.2020.102763 veröffentlichte Studie berichtet.

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Bei einem der beiden Immunzelltypen handelt es sich laut Dittmer um sogenannte Killer-T-Zellen mit einem bestimmten Oberflächenmarker (CD8). Sie töten virusinfizierte Körper­zellen ab und unterbrechen damit die Vermehrung des Coronavirus SARS-CoV-2. „Wenn die Patienten nur wenige von diesen Zellen haben, haben sie ein hohes Risiko, schwere Symptome wie etwa eine Lungenentzündung oder Gerinnungsstörungen zu entwickeln“, erläuterte Dittmer.

Der andere Zelltyp sind sogenannte Neutrophile. „Die sind eigentlich dafür da, Bakterien abzuwehren. Sie können aber auch T-Zellen in ihrer Funktion unterdrücken.“ Demnach wurden in Blutproben mit vielen Neutrophilen nur wenige T-Zellen gefunden, was mit einem schwereren Krankheitsverlauf verbunden war.

„Besonders betroffen hat das Patienten mit Vorerkrankungen, die dazu führen, dass die Anzahl der T-Zellen abnimmt, etwa Patienten nach Transplantationen, die Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen erhalten“, sagte Dittmer. Betroffen seien auch Krebspatienten unter einer Chemotherapie, ältere Menschen, bei denen die Zahl der T-Zellen altersbedingt abnehme, oder fettleibige Patienten.

„Man weiß, dass übergewichtige Personen schwächere und weniger T-Zellen haben.“ An der Uniklinik Essen habe es sich bei mehr als 70 % der schweren COVID-19-Verläufe um übergewichtige Männer gehandelt.

Für eine COVID-19-Therapie folge daraus, dass man zu Anfang einer Infektion versuchen könnte, die Killer-T-Zellen zu stimulieren – das könnten etwa bestimmte Impfstoffe. Auch die Vitamine A und C könnten die Funktion der T-Zellen verbessern. Bei Transplantierten könne man die Dosis der Medikamente zur Abwehrunterdrückung senken, bei Krebs­pa­tien­ten müsste man im Fall einer SARS-CoV-2-Infektion die Chemotherapie unterbrechen.

Dittmer betonte, dass eine eingehendere Studie dazu in Deutschland mittlerweile schwie­rig sei, da es zum Glück nicht mehr genügend Patienten gebe. So habe es etwa in der letzten Maiwoche an der Uniklinik Essen keine einzige COVID-19-Neuaufnahme ge­ge­ben, in der ersten Juniwoche nur eine.

Der Immunologe Michael Lohoff, der an der Studie nicht beteiligt war, sieht den Befund positiv. „Ein sicherer Test, der eine prognostische Aussage über die zu erwartende Schwe­re einer COVID-19-Erkrankung zulässt, wäre sehr hilfreich“, sagte der Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Marburg.

Man könne dann Risikopatienten frühzeitig stationär aufnehmen und bei Bedarf intensiv­medizinisch therapieren. „Der in der Studie erarbeitete Befund ist hier durchaus attraktiv.“ Allerdings sei die untersuchte Patientenzahl sehr gering, so Lohoff. „Man sollte diesen Befund unbedingt an weiteren Patienten, bevorzugt in einem anderen Erdteil, bestätigen – auch um so einen etwaigen Beitrag der Genetik der Patienten auszuschließen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Mittwoch, 17. Juni 2020, 12:50

Eine spezifische antivirale Wirkung ist mir nicht bekannt

Vitamin C selbst hat natürlich keine zerstörende Wirkung. Es versetzt den Organismus jedoch in die Lage, selbst etwas gegen biologische Angreifer zu unternehmen. Vitamin-C-Mangel soll limitierender Faktor bei der Bereitstellung jener Abwehrzellen sein, von welchen in diesem Artikel hier die Rede ist. Es heißt auch, dass bei Medikamenteinnahme der Vitamin-C-Bedarf unverhältnismäßig stark ansteige. Was erklären würde, warum Menschen mit Vorerkrankungen (und vermutlicher Medikamenteneinnahme) bei COVID-19 schlechte Karten habe.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 15. Juni 2020, 23:49

Vitamin C und das AMG

Über die biologische Relevanz von Vitamin C in physiologischen Dosierungen streitet hier niemand. Eine Hochdosistherapie mit Vitamin C ist oral nicht möglich und muss deshalb i.v. erfolgen. In diesem Augenblick wird aber aus einem Vitamin bzw. Nahrungsergänzungsmittel ein Arzneimittel. Arzneimittel wiederum unterliegen dem Arzneimittelgesetz. Nach §29 AMG ist eine Änderung der Dosierung und des Anwendungsgebiets anzeigepflichtig und erfordert eine erneute Zulassung.

Genau das wird von den Ärzten hier eingefordert, belastbare Angaben zur Wirksamkeit und Verträglichkeit in einer Qualität, die auch eine Zulassungsbehörde verlangen würde. Und genau das wird von den Heilpraktikern hier verweigert. Der §13 (2b) der Herstellungserlaubnis macht Sinn für die Eigenherstellung von Homöopathika oder traditioneller pflanzlicher Arzneimittel. Das Umdeklarieren von Nahrungsergänzungsmitteln zu Arzneimitteln ohne Prüfung und Zulassung ist dagegen das Geschäftsmodell der orthomolekularen Medizin.
https://www.psiram.com/de/index.php/Orthomolekulare_Medizin
Ob die Anwendung von nichtzugelassenen Arzneimitteln durch Heilpraktiker als parlamentarischer Betriebsunfall oder als das Ergebnis geschickter Lobbyarbeit zu werten ist, darüber kann man streiten. Unstrittig ist dagegen, die Formulierung „persönliche Anwendung an einem bestimmten Patienten“ ist für Ärzte gleichbedeutend mit einem individuellen Therapieversuch und nicht mit einer regelmäßigen Verwendung vereinbar. Streng genommen steht die regelmäßige Verwendung umdeklarierter Nahrungsergänzungsmittel im Widerspruch zum §13 (2b) und dem Konzept einer Individualtherapie und die gesamte orthomolekulare Medizin befindet sich damit in einer rechtlichen Grauzone. Diese Grauzone könnte man durch wissenschaftliche Studien auflösen. Dann besteht aber das Risiko, dass durch die Umdeklarierung und Neuzulassung das Arzneimittel rezeptpflichtig wird und damit dem Zugriff der Heilpraktiker entzogen wird. Für einen Heilpraktiker reicht die anekdotische Wirksamkeit, eine bewiesene Wirksamkeit ist unter Umständen sogar geschäftsschädigend.

Um auf Vitamin C und Covid-19 zurück zu kommen. Eine spezifische antivirale Wirkung ist mir nicht bekannt. Eine unspezifische Schutzwirkung im Rahmen des Zytokinsturms ist vorstellbar, die Effektstärke dürfte eher gering ausfallen. Wenn die Frage einer Hochdosistherapie mit Vitamin C steht, dann geht es nicht um Rechthaben, sondern um belastbare Fakten zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Kosteneffizienz. Diese belastbaren Fakten müssen für jede Indikation aufs Neue gewonnen werden. Erst dann ist ein Konsens möglich.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Sonntag, 14. Juni 2020, 15:14

Ja, ja

@Practicus
In anderen Worten: Sollte sich herausstellen, dass in Vitamin C mehr steckt, als dass es bloß Skorbut verhindert, dann wäre das für Sie jene Art von Niederlage, die darin besteht, sich nicht im Recht befunden zu haben. Etwas Ähnliches musste die Welt erleben, als Semmelweis seine Entdeckung verkündet hatte. Manche Frauen hat diese Ignoranz das Leben gekostet.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 13. Juni 2020, 23:05

@Wolfbeißer

Jaja... ganze 26 Patienten wurden da beobachtet... da kann man (statistisch gesehen) auch würfeln, ob es tatsächlich das Vitamin C war oder nicht...
Warten wir doch mal ab, was die dazu aufgelegte Studie von Carr ergeben wird.
Die Datenbasis ist bisher so groß wie die für (Hydroxy)Chloroquin am Anfang...
Da hat sich der Hype als Seifenblase entpuppt...
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Samstag, 13. Juni 2020, 14:04

Wolbeißer hat Ihre Frage beantwortet

Wolbeißer hat Ihre Frage beantwortet
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Samstag, 13. Juni 2020, 14:00

@Practicus — Zitat:

… Mediziner des „Second Affiliated Hospital“ der Xi’an Jiaotong Universität in China haben über die erfolgreiche Behandlung mit Vitamin C bei Coronavirus-Patienten berichtet. In einer Pressemitteilung, die auf der Krankenhaus-Webseite veröffentlicht wurde, beschreibt das Ärzteteam, wie Patienten, die unter starker Lungenentzündung (ein potentiell lebensbedrohender Zustand verursacht durch das neue Coronavirus COVID-19) litten, sich nach einer Hochdosisbehandlung mit Vitamin C erholten. Das Ärzteteam empfiehlt, dass schwer kranke Patienten und Neugeborene mit Lungenentzündung so schnell wie möglich nach Einlieferung in das Krankenhaus eine Vitamin-C-Behandlung erhalten sollen.
Die „Shanghai Medical Association“ empfiehlt hochdosiertes Vitamin C zur Bekämpfung des Coronavirus

In einer weiteren Untersuchung veröffentlichte die „Shanghai Medical Association“ (SMA) in China einen Konsens über die umfassenden Behandlungswege der Coronavirus-Erkrankung. Basierend auf einer klinischen Studie mit 300 Patienten, durchgeführt von 30 Behandlungsspezialisten der neuen Coronavirus-Lungenentzündung, wird eine Hochdosis-Therapie sogar bei nur leicht Infizierten empfohlen.

Die empfohlene Vitamin-C-Dosis in diesem Konsens liegt bei 50–100 mg/kg Körpergewicht/Tag. Für schwer kranke Patienten sind bis zu 200 mg/kg Körpergewicht/Tag angeraten. In diesen schweren Fällen ist eine intravenöse Verabreichung angebracht. Beschrieben als „Shanghai Plan“ berichtet das SMA, dass dieser Konsens weitreichende Aufmerksamkeit genießt, so auch in Shanghais Fernsehsendern …
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 12. Juni 2020, 23:44

@Wolfbeißer

Vitamin C / CD8-Zellen / "chinesische Klinik"...
Dann erklären Sie mal bitte, warum man AIDS-Kranke nicht mit Vitamin C heilen kann... und geben Sie bitte an, in welcher chinesischen Klinik die Wunderkur erfunden wurde und wer das wann und wo veröffentlicht hat?
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 12. Juni 2020, 07:08

Was Sie in dieser Seite nicht finden,

ist das Faktum, dass für die Bildung dieser Abwehrzellen Vitamin C erforderlich ist. Je mehr von diesen Abwehrzellen benötigt werden, umso mehr Vitamin C benötigt der Organismus. Dieses Wissen hat man sich in einer chinesischen Universitätsklinik zunutze gemacht.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 22:36

"catch-the-day" ohne Englisch-Kompetenz!

ARTICLE INFO
Article History:
Received 24 February 2020
Revised 5 April 2020
Accepted 6 April 2020
Available online 18 April 2020
ABSTRACT
Background: The dynamic changes of lymphocyte subsets and cytokines profiles of patients with novel coronavirus disease (COVID-19) and their correlation with the disease severity remain unclear.
Methods: Peripheral blood samples were longitudinally collected from 40 confirmed COVID-19 patients and examined for lymphocyte subsets by flow cytometry and cytokine profiles by specific immunoassays.
Findings: Of the 40 COVID-19 patients enrolled, 13 severe cases showed significant and sustained decreases in lymphocyte counts [0.6 (0.6-0.8)] but increases in neutrophil counts [4.7 (3.6-5.8)] than 27 mild cases [1.1(0.8-1.4); 2.0 (1.5-2.9)]. Further analysis demonstrated significant decreases in the counts of T cells, especially CD8+ T cells, as well as increases in IL-6, IL-10, IL-2 and IFN-g levels in the peripheral blood in the severe cases compared to those in the mild cases. T cell counts and cytokine levels in severe COVID-19 patients who survived the disease gradually recovered at later time points to levels that were comparable to
those of the mild cases. Moreover, the neutrophil-to-lymphocyte ratio (NLR) (AUC=0.93) and neutrophil-to-CD8+T cell ratio (N8R) (AUC =0.94) were identified as powerful prognostic factors affecting the prognosis for severe COVID-19.
Interpretation: The degree of lymphopenia and a proinflammatory cytokine storm is higher in severe COVID-19 patients than in mild cases, and is associated with the disease severity. N8R and NLR may serve as a useful prognostic factor for early identification of severe COVID-19 cases.
Funding: The National Natural Science Foundation of China, the National Science and Technology Major Project, the Health Commission of Hubei Province, Huazhong University of Science and Technology, and the Medical Faculty of the University of Duisburg-Essen and Stiftung Universitaetsmedizin, Hospital Essen, Germany.
© 2020 The Author(s). Published by Elsevier B.V. This is an open access article under the CC BY-NC-ND license. (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/)
Keywords:
Coronavirus, SARS-CoV-2, COVID-19, Lymphopenia, Inflammatory cytokine".

Die Publikation war also erst ab 08.04.2020 online verfügbar. Lymphozytopenie (Lymphopenia) und Zytokin-Sturm waren da schon aus anderen Quellen bekannt.

In meiner Praxis haben wir bei Verdachtsfällen ab Ende April 2020 routinemäßig die Lymphozyten und statt aufwändiger CD8-, CD4- und Zytokin-Analysen die Laktatdehydrogenase (LDH) bestimmt.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #771752
catch-the-day
am Donnerstag, 11. Juni 2020, 20:16

Deutsche Arroganz?

Die chinesische Studie ist vom 24. Februar.
Hätte man sie Ernst genommen und danach gehandelt, hätte man auch in Deutschland schwere Verläufe vorhersagen können.
Wurde aber nicht.
Es fragt sich, warum.
LNS

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