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Medizin

Organtrans­plantation: Regulatorische Zelltherapie vermindert Bedarf an Immunsuppressiva

Freitag, 26. Juni 2020

/dpa

Regensburg – Eine Behandlung mit regulatorischen Zellen, die aus dem Blut der Patienten gefiltert und im Labor vermehrt werden, soll die Abstoßungsreaktionen nach Organ­transplantationen abschwächen. Die neuartige Zelltherapie hat in 6 Studien erste Erfolge erzielt.

Laut einer Publikation im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30167-7) konnte die medikamentöse Immunsuppression zurückgefahren werden, ohne dass es zu einer wesentlichen Zunahme von akuten Abstoßungskrisen kam.

Nach einer Organtransplantation müssen die Patienten lebenslang Medikamente ein­nehmen, um einen Angriff des Immunsystems auf das neue Organ zu verhindern. Diese Immunsuppressiva haben nicht nur zahlreiche Nebenwirkungen, zu denen Unver­träg­lichkeiten, Infektionen oder andere Erkrankungen gehören. Einige Mittel schädigen auch das transplantierte Organ, wobei die Nieren besonders empfindlich sind.

Es wird deshalb nach Wegen gesucht, die Immunreaktion auf das Transplantat abzu­schwächen. Ein derzeit vielversprechender Ansatz ist die Behandlung mit sogenannten regulatorischen Zellen. Diese Zellen bilden im Immunsystem ein natürliches Gegengewicht zu den T-Zellen und anderen Angreifern.

Bei der Zelltherapie werden die regulatorischen Zellen aus dem Blut des Patienten gefiltert und dann im Labor vermehrt. Teilweise werden die Zellen dabei mit Zellen des Organ­spenders zusammengebracht, was bei Lebendspendern von Nieren problemlos möglich ist. Das Ziel ist die Induktion einer Toleranz. Die regulatorischen Zellen sollen nach der Infusion das Immunsystem von einem Angriff auf das Transplantat abhalten.

Es gibt international verschiedene Ansätze. Einige Forscher arbeiten mit T-Zellen, andere setzen Makrophagen oder dendritische Zellen ein. Auch die „Rezepturen“ in den Labors unterscheiden sich.

In den letzten Jahren wurden die einzelnen Behandlungen in einem von der EU geför­derten Forschungsprojekt an Patienten untersucht. In 6 Studien wurden an 8 Zentren in Frankreich, Großbritannien, Italien, den USA und Deutschland insgesamt 38 Patienten behandelt. In einer Referenzstudie erhielten 66 Patienten nach der Nierentransplantation eine derzeit übliche Immunsuppression.

Die jetzt von einem Team um Prof. Edward Geissler vom Universitätsklinikum Regensburg vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass sich die einzelnen Zelltherapien als verträglich erwiesen haben. Die Häufigkeit von durch Biopsie bestätigten akuten Abstoßungs­reaktionen lag nach den Zelltherapien mit 16 % nicht wesentlich höher als in der Referenzstudie (12 %).

Dafür konnte bei 15 von 38 Patienten (40 %) nach der Zelltherapie das Immunsuppressi­vum Mycophenolatmofetil abgesetzt werden. Die Patienten kommen laut der Publikation mit einer Monotherapie mit Tacrolimus aus. Die Nachbeobachtungszeit beträgt im Mittel 60 Wochen.

Die Reduktion der Immunsuppressiva könnte nach Einschätzung der Forscher die Verträglichkeit verbessern. Besonders beeindruckend sei, dass keiner der Patienten nach Verabreichung der regulatorischen Zellen an einer Infektion mit gefährlichen Herpesviren erkrankte, die nach einer Transplantation oft zu Komplikationen führen, heißt es in der Pressemitteilung.

Die neue Zelltherapie soll jetzt in weiteren Studien an einer größeren Zahl von Patienten weiter erprobt werden. © rme/aerzteblatt.de

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