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Medizin

Studie: COVID-19 kann einen Diabetes auslösen

Montag, 15. Juni 2020

/dpa

London – Ein Diabetes mellitus zählt nicht nur zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19. Die Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann offenbar auch einen Diabetes auslösen und eine schwere Stoffwechselentgleisung bis hin zur tödlichen Ketoazidose verursachen, warnt eine Gruppe von Endokrinologen im New England Journal of Medicine (NEJM 2020; DOI: 10.1056/NEJMc2018688).

Stoffwechselentgleisungen sind unter schweren Viruserkrankungen keine Seltenheit. In den meisten Fällen ist die Stressreaktion mit einer vermehrten Ausschüttung von Cortisol für den Anstieg des Blutzuckers verantwortlich. Bei den SARS-Coronaviren scheint noch eine zusätzliche Komponente hinzuzukommen. Bereits bei der ersten SARS-Epidemie 2002/3 war aufgefallen, dass es bei den Patienten häufig zu einer Verschlech­terung der Blutzuckereinstellung kam.

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Chinesische Forscher führten dies später auf eine Schädigung der Beta-Zellen zurück. In diesen Zellen wird das Protein ACE2 gebildet, das auch für SARS-CoV-2 die Bindungs­stelle zum Eintritt in die Zellen ist (Acta Diabetologica 2010; 47: 193-199).

Es ist deshalb für Diabetologen nicht verwunderlich, dass es auch bei COVID-19-Patienten häufig zu schweren Stoffwechselentgleisungen kommt, wie sie beispielsweise von Ying Jie Chee vom Khoo Teck Puat Hospital in Singapur bei einem jüngeren Patienten beschrieben wurde, der ohne Risikofaktoren und ohne frühere Hinweise auf eine Insulinresistenz im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung einen Insulin-pflichtigen Diabetes entwickelte (Diabetes Research and Clinical Practice 2020; 164: 108166).

Einem Team um Aiping Deng von der Universität in Wuhan war aufgefallen, dass nicht weniger als 6,4 % der hospitalisierten COVID-19-Patienten einen Anstieg der Ketonkörper oder eine Ketonurie hatten, wobei nur bei jedem dritten vorher ein Diabetes bekannt war (ein Insulinmangel ist eine wichtige Ursache für einen Anstieg der Ketonkörper).

Die Ketose war mit einem schweren Verlauf von COVID-19 und einer erhöhten Sterblichkeit verbunden, wenn auch nur 3 Patienten an einer Ketoazidose starben (Diabetes, Obesity and Metabolism 2020; DOI: 10.1111/dom.14057).

Shujun Zhang, ebenfalls von der Universität in Wuhan, berichtet in einer weiteren Studie, dass der Triglyzerid-Glukose-Index (ein Produkt der beiden Blutwerte, der ein Zeichen für eine Insulinresistenz ist) bei vielen Patienten mit COVID-19 deutlich ansteigt und dass dieser Anstieg wiederum das Sterberisiko erhöht (Cardiovascular Diabetology 2020; 19: 58).

Diese Berichte haben ein Team um Francesco Rubino vom King's College London jetzt veranlasst, ein Patientenregister (CoviDIAB) einzurichten. Es soll klären, wie häufig eine Ketose bei COVID-19-Patienten ist, ob es sich dabei um einen klassischen Typ-1- oder Typ-2-Diabetes oder um einen neuen Typ von Diabetes handelt und ob die Patienten sich nach überstandener Erkrankung vom Diabetes erholen.

Dem internationalen Team gehören 17 Diabetes-Experten aus neun Ländern an. Aus Deutschland ist Stefan Bornstein, der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum in Dresden dabei. © rme/aerzteblatt.de

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